Preisfrage: Mit welchem Getränk beginnt eine Braumeisterin ihren Tag? Genau, mit einer Tasse Kaffee. Silvana Goller sitzt in der Gaststube des Brauereigasthofs Grosch in Rödental und spricht mit Chefin Kerstin Pilarzyk über die Planungen für das große Jubiläum. Denn im kommenden Jahr kann der Betrieb seinen 600. Geburtstag feiern.
Stärke antrinken am 6. Januar
Gleich am Montag, 6. Januar 2025, wird es eine Auftaktfeier geben – „Stärk‘ antrinken“ inklusive. Genau an dieser Stelle ist auch Silvana Goller gefragt. Denn bei diesem feierlichen Anlass soll nicht irgendein Grosch-Bier ausgeschenkt werden. Stattdessen wird es einen Sondersud geben – der erste von gleich mehreren im Jubiläumsjahr.
Was diese Sude so besonders macht, möchte Silvana Goller noch nicht verraten. Nur so viel: Sie war erneut sehr kreativ und hat auch viele Dinge ausprobiert – und sie hat mal wieder feststellen können, warum sie ihren Beruf so sehr liebt. „Ich wollte nicht irgendeinen Bürojob“, sagt sie. Handwerksberufe hätten ihr schon immer viel besser gefallen. „Weil man da am Ende des Tages sehen kann, was man gemacht hat.“
Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin
Dass die Wahl schließlich aufs Brauereihandwerk fiel, lag wohl auch daran, dass Silvana Goller selbst gerne Bier trinkt. Außerdem hat sie lange Zeit Fußball, gespielt – „und in den Sportheimen geht es nun einmal auch oft um Bier“, wie sie schmunzelnd sagt.
Nach der Mittleren Reife absolvierte sie zunächst bei der Bamberger Malzfabrik Weyermann eine Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin. Anschließend machte sie ihr Abitur nach, um in Gräfelfing bei München die Fachakademie für Brauwesen und Getränketechnik besuchen zu können. Als sie fertig war, durfte sie sich Braumeisterin nennen. „In meinem Jahrgang an der Meisterschule waren immerhin sechs Frauen“, erzählt Selina Goller. Und 20 Männer.
Im Januar 2018 begann die aus Bad Staffelstein stammende Silvana Goller beim Grosch in Rödental. Die zum Hotel und Gasthof gehörende Brauerei befand sich damals noch direkt am Hauptgebäude. Der jährliche Ausstoß lag bei immerhin fast 4000 Hektolitern.
Inhaber investieren in neue Brauerei
Mitten in der Corona-Pandemie investierten die Inhaber – Kerstin und Christof Pilarzyk – in eine neue Brauerei, die 200 Meter entfernt in der ehemaligen Massemühle der Firma Goebel errichtet wurde. Mutig war zudem eine komplette Neuausrichtung, die damit einherging. Der jährliche Ausstoß wurde auf 1300 Hektoliter gesenkt. Qualität statt Quantität. Seitdem gibt es die Grosch-Biere auch nicht mehr in Getränkemärkten zu kaufen, sondern nur noch direkt am Braugasthof in Rödental. „Das kommt besser an als anfangs gedacht“, berichtet Selina Goller und erzählt von einem sehr treuen Kundenstamm.
Der süffige Fuhrmannstrunk ist die Nummer 1
Die absolute Nummer 1 im Grosch-Sortiment ist der dunkle, süffige Fuhrmannstrunk. Silvana Goller findet das auch deshalb bemerkenswert, weil bundes- und bayernweit ansonsten „Helles“ seit Jahren im Trend liege. Auf eben diesen Trend hat man aber auch beim Grosch reagiert: Silvana Goller entwickelte die Rezeptur für das „Victoria Hell“ – ein goldgelbes Bier mit einem leicht süßlichen Malzaroma. Bei einer Stammwürze von 11,5 Prozent und einem Alkoholgehalt von 4,9 Prozent eignet es sich auch als kleine Erfrischung am frühen Abend.
Ja, jetzt sind wir also mittendrin im Fachsimpeln über die Kunst des Bierbrauens. Silvana Goller schwärmt von der Vielfalt ihres Berufs. „Jeder Tag ist anders!“ Auch jedes Bier ist anders. Zumindest dann, wenn es nicht aus einer anonymen Großbrauerei kommt, sondern noch regional und handwerklich gemacht wird. Deshalb gehört zu ihrem Plädoyer fürs genussvolle Biertrinken auch diese Überzeugung: „Wer sagt, dass er kein Bier mag, hat nur noch nicht das richtige Bier für sich gefunden.“
Hopfen und Malz
Am Anfang der Entwicklung eines neuen Bieres stehen für Silvana Goller viele Fragen: Welche Farbe soll es haben? Wie malzlastig soll es sein? Wie bitter darf es schmecken? Welche der vielen verschiedenen Hopfensorten eignet sich am besten?
Wenn der Sud dann angesetzt ist, bleibt ebenfalls noch viel zu tun – selbst wenn die moderne Technik in der neuen Brauerei einiges abnimmt. So muss zum Beispiel der Gärprozess kontinuierlich überprüft werden, es wird regelmäßig gespindelt und natürlich auch der Geschmack überprüft. Das Klischee, dass ein Brauer oder eine Brauerin zwangsläufig sehr viel Alkohol zu sich nimmt, ist übrigens falsch. „Oft reicht es, am Sud zu riechen oder die Farbe zu kontrollieren“, sagt Silvana Goller, „ansonsten sind es meistens nur minimale Verkostungen.“
Weil Weihnachten vor der Tür steht, drängt sich auch die Frage auf: Was passt eigentlich besser zu einem festlichen Menü – Wein oder Bier? Silvana Goller antwortet aus voller Überzeugung: „Bier!“ Vorausgesetzt, es ist das richtige.
Vielfältiger als Wein
Grundsätzlich sagt sie: „Was die Aromen betrifft, ist Bier vielfältiger als Wein.“ Außerdem sei der Alkoholgehalt niedriger. Zum klassischen Gänsebraten empfiehlt sie den Fuhrmannstrunk von Grosch. „Und zum Dessert ein kleines Glas Bockbier.“ Der eine oder andere Sondersud würde bestimmt auch passen. Aber die gibt es ja erst ab Januar 2025.
Hintergrund: Ein Preis und ein Jubiläum
Preis Großer Erfolg für die Brauerei Grosch: Beim Beertasting Community Award wurde mit dem Fuhrmannstrunk der zweite Platz in der Publikumswertung belegt. „Hammer!!“, schrieb Inhaber Christof Pilarzyk dazu auf Facebook. Und: „Danke vor allem an unsere Braumeisterin Silvana!“
Jubiläum „Der Grosch“ feiert 2025 sein 600-jähriges Bestehen. Auftakt ins Jubiläumsjahr ist am Montag, 6. Januar. Dann wird um 16 Uhr der erste Sondersud angestochen, den Silvana Goller angesetzt hat. Reservierungen unter 09563/7500 oder per Mail an info@der-grosch.de
Viele Hintergründe zur Geschichte des Brauereigasthofs Grosch gibt es hier
















