Eine Gaststätte, Drogerie, Discounter, ein Ärztehaus und die dazu erforderlichen Parkplätze – das alles soll auf dem Gelände des früheren Lokschuppens neben der Stadtautobahn entstehen. Die Pläne der ROSBO Lokschuppen GmbH als Eigentümer des Geländes werden aber noch eine Weile auf ihre Verwirklichung warten müssen. Denn die Planung ist aufwendiger als anfänglich gedacht. Am Mittwoch informierte Christina Schug von der Coburger Bauverwaltung den Senat für Stadt- und Verkehrsplanung sowie Bauwesen über die Verflechtungen und Planungsschritte bei diesem Projekt.
Komplexe Planung und Koordinierung
Sieben „Baustellen“ gilt es zu planen und zu koordinieren, damit neues Leben in der Ruine des alten Lokschuppens entstehen kann. Nötig ist der Bau eines Verkehrskreisels an der Abfahrt von der Bundesstraße 4 in Richtung Gaudlitzkreuzung, um das Gelände erschließen zu können. Dazu müssen die Abfahrten verbreitert und eine Ampel geschaffen sowie die Fahrspuren unter der Brücke verändert werden. Schließlich gilt es noch einen Abwasserkanal und die Wasserleitung im Bereich des Kalenderweges zu verlegen. Ein neuer Regenwasserkanal sind nötig und auf einer Strecke von über 350 Metern ist die Fernwärmetrasse zu ändern.
Im Frühjahr hatte der Senat für Stadt- und Verkehrsplanung sowie Bauwesen die planungsrechtlichen Grundlagen geschaffen. Einstimmig wurde seinerzeit ein Vorhaben- und Erschließungsplan verabschiedet und auch die nötige Änderung des Flächennutzungsplanes auf den Weg gebracht.
Bislang ist das Areal nicht nutzbar, da eine ausreichende Erschließung nicht gegeben ist. Nur ein schmaler Abzweig des Kalenderwegs führt dorthin. Die Bahnlinie nach Bad Rodach wird mit einem ungesicherten Übergang gequert. Die denkmalgeschützten Gebäudereste – viel ist nicht mehr übrig – mit der Außenwand des ehemaligen Rundlokschuppens, das Ziegelmauerwerk, die Dreh- und Verteilerscheibe, das Verwaltungs- und Übernachtungsgebäude, Werkhalle und ein Nebengebäude sind völlig marode.
Die ROSBO Lokschuppen GmbH ist Eigentümer des Grundstücks und plant, dort einen Vollsortimenter mit einer Verkaufsfläche von 2.140 Quadratmetern und einer Nettonutzfläche von 2.900 Quadratmetern zu errichten. Geplant sind zudem Gastronomieflächen von 600 Quadratmetern, eine Drogerie mit 900 Quadratmetern sowie ein Discounter mit einer Fläche von 1.900 Quadratmetern. Darüber hinaus wird ein Ärztehaus mit 650 Quadratmetern über drei Etagen vorgesehen.
Bahnbetriebswerk Coburg
Zusammen mit dem Umbau des Personenbahnhofs wurde 1911 mit dem Bau eines Bahnbetriebswerkes (Bw) für beide Bahnhöfe nördlich vom Personenbahnhof an der Bahnstrecke nach Bad Rodach begonnen. Aufgrund schwieriger Baugrundverhältnisse und des Ersten Weltkriegs konnte der Lokschuppen erst 1921 mit 16 Ständen und einer 23 Meter-Drehscheibe in Betrieb genommen werden. Der Lokschuppen im Jugendstil erhielt ein Tonnendach und steht deshalb unter Denkmalschutz. Der Einsatz von Dampflokomotiven endete 1974, die letzten Diesellokomotiven wurden 1987 abgezogen.
Seit Mitte der 1990er Jahre ist der Betrieb im Bahnbetriebswerk eingestellt, das Gelände ist verwaist. Die Gleise wurden teilweise demontiert, der Lokschuppen Anfang 2012 teilweise abgerissen. Den völligen Abriss durch die Bahn und damit den Verstoß gegen den Denkmalschutz verhinderte seinerzeit die Stadt.
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