Wolfgang Rosentritt, Geschäftsführer des Würzburger Projektentwicklers Rosbo , ist im Gespräch mit dem Coburger Tageblatt ganz ehrlich. Als er zum ersten Mal das Gelände rund um den Alten Lokschuppen in Coburg sah, habe er sich gedacht: „Oh weh…“ Gut fünf Jahre ist das inzwischen her. Der erste Schreck über den Zustand von dieser Brache im Coburger Norden ist aber längst vorbei. Stattdessen ist Wolfgang Rosentritt voller Ehrgeiz, das Gelände zu neuem Leben zu erwecken. Er sagt aber auch: „Das ist eine Herausforderung!“
Gelände im Dornröschenschlaf
Froh ist man bei Rosbo, dass eine erste Hürde bereits genommen wurde: Als die Pläne vor wenigen Monaten im nicht-öffentlichen Teil einer Sitzung des Bausenats vorgestellt wurden, gab es breite Zustimmung – wohlwissend, dass etliche Detailfragen noch zu klären sind. Doch grundsätzlich ist Wolfgang Rosentritt sehr zuversichtlich, diese „Herausforderung“ gestemmt zu bekommen. Sollte allerdings irgendjemand glauben, der Alte Lokschuppen könnte sehr schnell aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst werden, der muss enttäuscht werden.
Alleine die Planungsphase, die jetzt noch erforderlich ist, kann laut Rosentritt bis zu zwei Jahre dauern. Die reine Bauzeit schätzt der Rosbo-Chef ebenfalls noch einmal auf zwei Jahre. Schließlich ist auf dem Areal im Coburger Norden allerhand geplant. Hier die Antworten auf die acht vielleicht wichtigsten Fragen:
1. Was genau ist am Alten Lokschuppen in Coburg geplant?
Auf dem 30.000 Quadratmeter großen Grundstück soll ein Mix aus Einzelhandel und Gastronomie entstehen, außerdem ist ein Ärztehaus vorgesehen. Ein rund 8.000 Quadratmeter großes Biotop im Süden des Areals wird nach Auskunft des Projektentwicklers nicht angetastet.
2. Bleibt das, was vom Alten Lokschuppen noch existiert, erhalten?
„Wir wollen den Alten Lokschuppen wieder erlebbar machen“, sagt Wolfgang Rosentritt. Im Detail wird das aber gar nicht so einfach sein. Grundsätzlich gibt es folgende rechtliche Situation: Die markanten Eisenträger als Teil der ehemaligen Dachkonstruktion des Lokschuppens stehen nicht unter Denkmalschutz; auf jeden Fall erhalten werden müssen aber die Außenwände des Alten Lokschuppens. Wolfgang Rosentritt hat bereits viele Gespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege geführt und plant nun wie folgt: In den Bereich des Alten Lokschuppens soll ein Einkaufsmarkt hineingebaut werden – unter Einbeziehung der bestehenden Außenwände, aber ebenso unter einer größtmöglichen Einbeziehung der alten Dachkonstruktion. „Wir müssen aber immer auch auf die Vorgaben des Brandschutzes und auf die Energieeffizienz achten“, gibt Rosentritt zu bedenken.
Erklärtes Ziel sei aber eine „Renaissance“ der alten Gebäudestruktur. Dies wird auch für den künftigen Mieter eine Herausforderung; schließlich entsteht kein Einkaufsmarkt mit klassischen, rechteckigen Grundmaßen. Trotzdem gibt es mit „Rewe“ bereits einen potenziellen Interessenten, wie Rosentritt sagt. Vielleicht ist die Immobilie auch deshalb interessant, weil sie eben anders ist. Rosentritt spricht von einem „besonderen Einkaufserlebnis“, wenn Kunden beim Blick an die Decke das alte Lokschuppen-Gerippe sehen.
3. Was passiert mit den insgesamt drei Gebäuden auf dem Gelände?
Für das schönste Nebengebäude (seitlich in Richtung Vereinsgelände „Coburg Locals“) gibt es bereits einen konkreten Verwendungszweck. „Dort ist Gastronomie vorgesehen“, erklärt Wolfgang Rosentritt. Wichtig ist ihm der Hinweis, dass es sich um „hochwertige Gastronomie“ handeln soll. Also nicht etwa um ein Fast-Food-Restaurant.
Im Gebäude, das auf der Seite in Richtung Stadtautobahn steht, könnten Verwaltungsräume für den Einkaufsmarkt entstehen. Ein weiteres Gebäude auf dieser Seite ist so stark beschädigt (und steht auch nicht unter Denkmalschutz), dass es abgerissen werden soll.
4. Sind Neubauten auf dem Gelände geplant?
Ja, und zwar drei. In zweien ist ebenfalls Handel geplant. Als Discounter hat bereits „Lidl“ Interesse bekundet; außerdem wäre Platz für einen Drogeriemarkt. Das dritte Gebäude soll mit mehreren Praxisräumen die Funktion eines Ärztehauses bekommen.
5. Was passiert mit der historischen Lok-Drehscheibe?
Das (ehemalige) technische Herzstück des Geländes soll als kleine Grün-Oase erhalten und in den künftigen Parkplatz integriert werden.
6. Wie soll das Problem der Zufahrt gelöst werden?
Definitiv ausgeschlossen ist eine Verkehrsanbindung über den Kalenderweg. Favorit ist eine Erschließung über die Ab- und Auffahrt der Stadtautobahn nahe der Gaudlitz-Kreuzung. „Die dortige Fahrbahn muss ohnehin noch erneuert und umgebaut werden“, sagt Rosentritt. Eine Option sei es deshalb, in die Ab- und Auffahrt einen Kreisverkehr zu integrieren. Klingt kompliziert, doch Verkehrsexperten halten es für machbar.
7. Werden auf dem Gelände zusätzliche Flächen versiegelt?
Nein. Denn dazu man muss wissen: Bereits jetzt sind weite Flächen des Geländes versiegelt. Künftig wird es sogar eher weniger als mehr versiegelte Flächen geben. Und: Der alte Baumbestand rund ums Gelände bleibt erhalten, wie Wolfgang Rosentritt versichert.
8. Wie geht’s jetzt weiter?
Die Rosbo GmbH treibt die Planungen weiter voran. Am Ende wird der Coburger Stadtrat entscheiden müssen, ob er der erforderlichen Bebauungsplanänderung zustimmt oder nicht.
Hintergrund: Die Bahn plante den Abriss
Der Alte Lokschuppen im Coburger Norden (derzeit erreichbar über einen Nebenarm des Kalenderwegs) wurde von der Deutschen Bahn als Eigentümerin lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt. Im September 2011 rollten sogar die Bagger an: Die Bahn sprach von „Sicherungsmaßnahmen“, doch es waren wohl eher Abrissarbeiten. Dank aufmerksamer Anwohner konnte die Untere Denkmalbehörde der Stadt Coburg einschreiten und die Bagger stoppen. Im November 2011 stellte die Deutsche Bahn dann offiziell einen Antrag auf Abriss der denkmalgeschützten Gebäude. Die Bearbeitung dieses Antrags dauerte lange und blieb letztlich auch ohne konkretes Ergebnis. 2015 kauften zwei Privatmänner das Grundstück; deren Pläne zerschlugen sich aber. Seit 2018 gehört der Firma Rosbo das Gelände. Dabei handelt es sich um einen Bauprojektentwickler aus Würzburg.
Viele Bilder vom Alten Lokschuppen sehen Sie hier:
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