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Krise in bad Rodach
Entlassungen bei Haba: Der Schock sitzt tief
Moderne  Bürogebäude, dazu sympathische Produkte für Kinder und Familien sowie seit Jahren gute Geschäftszahlen: Noch bis vor kurzem galt die Haba-Familygroup mit Sitz in Bad Rodach (Landkreis Coburg) als echtes Vorzeigeunternehmen. Doch jetzt ste...
Moderne Bürogebäude, dazu sympathische Produkte für Kinder und Familien sowie seit Jahren gute Geschäftszahlen: Noch bis vor kurzem galt die Haba-Familygroup mit Sitz in Bad Rodach (Landkreis Coburg) als echtes Vorzeigeunternehmen. Doch jetzt stehen Massenentlassungen an. // Daniel Vogl/dpa
Bad Rodach – Die Nachricht von den Massenentlassungen bei der Haba-Familygroup müssen viele erst noch verdauen. Die Gewerkschaft appelliert derweil an die soziale Verantwortung der Eigentümer und Gesellschafter.

Es soll sehr ruhig gewesen sein, als Geschäftsführer Mario Wilhelm am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung die schlechte Nachricht überbrachte. „Es gab keine Buh-Rufe und auch sonst keine Zwischenrufe“, sagt Miriam Schieck von der Unternehmenskommunikation der Haba-Familygroup. „Das ist nicht selbstverständlich“, räumt sie ein, „und dafür sind wir unseren Mitarbeitern sehr dankbar.“

Haba: Bis zu 700 Jobs fallen weg

Wie berichtet, hatte Mario Wilhelm Zahlen präsentiert, die noch schlimmer sind als seit Wochen befürchtet: Bis zu 700 Arbeitsplätze fallen weg, davon wohl knapp 600 am Stammsitz des Spielwarenherstellers in Bad Rodach. Der Geschäftsführer verwies zur Begründung des personellen Kahlschlags auf das Sanierungskonzept, mit dem das Familienunternehmen gerettet werden soll.

Haba: Wie reagieren die Mitarbeiter?

Die Ruhe in der Belegschaft kann aber unterschiedlich interpretiert werden. „Die Mitarbeiter haben den Ernst der Lage erkannt“, sagt Miriam Schieck. „Die Informationen wurden deshalb sehr sachlich aufgenommen, und die Mitarbeiter sind auch weiterhin motiviert.“ Unserer Redaktion wird hingegen berichtet, dass vielen aus der Haba-Familie schlichtweg die Worte fehlen. Sie seien fassungslos und auch verärgert, dass es mit dem einstigen Vorzeigeunternehmen derart rasant abwärts gegangen ist. Zudem seien sie verunsichert, weil es mit den angekündigten Entlassungen jetzt ganz schnell gehen könnte.

Haba: Wie geht’s jetzt weiter?

Am 11. September hat die Haba-Familygroup einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung gestellt. Wichtig: Aktuell handelt es sich noch um ein „vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung“. Das bedeutet, dass innerhalb von knapp drei Monaten versucht wird, das Unternehmen neu aufzustellen.

Externe Berater sollen bei Haba-Rettung helfen

Helfen sollen dabei externe Berater, wie zum Beispiel der Sanierungsexperte Martin Mucha. Der bei einer renommierten Kanzlei in Stuttgart tätige Rechtsanwalt wurde vom Amtsgericht Coburg zum Generalbevollmächtigten während des vorläufigen Insolvenzverfahrens bestellt. Bei der Betriebsversammlung am Mittwoch in Bad Rodach hatte sich Martin Mucha an die Haba-Belegschaft gewandt. Er erklärte, dass man sich bis Ende November mit dem Gesamtbetriebsrat auf das Sanierungsprogramm geeinigt haben müsse. Nur dann könne es umgesetzt werden. In diesem Fall könnte dann zum 1. Dezember 2023 das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet werden.

Haba: Kürzere Kündigungsfristen

Ein für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders wichtiges Detail sind die Kündigungsfristen. In der Zeit des vorläufigen Insolvenzverfahrens gebe es keine verkürzten Kündigungsfristen, wie die Haba-Unternehmenskommunikation auf Anfrage betont. Aber: „Wenn das Verfahren zur Insolvenz in Eigenverwaltung eröffnet ist, verkürzt sich die Kündigungsfrist auf maximal drei Monate.“

Haba: Gewerkschaft nimmt Stellung

Derweil hat sich auch die Gewerkschaft zu den bevorstehenden Entlassungen bei Haba geäußert. Nicole Ehrsam, die kommissarische 1. Bevollmächtigte der IG Metall Coburg, spricht von einem „herben Schlag für die Region und für Bad Rodach“. Zugleich kündigt sie an, trotz einer „ernüchternden Ausgangssituation“ nichts unversucht lassen, um sowohl für den Erhalt von Arbeitsplätzen als auch für alternative Beschäftigungsmöglichkeiten zu kämpfen. „Die Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan in den nächsten Wochen werden zeigen, ob sich die Familie Habermass und die Gesellschafterversammlung ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind“, betont Nicole Ehrsam.

NACHGEFRAGT: Was wird aus der „Fundgrube“ in Bad Rodach?

Hintergrund Seit Bekanntwerden der Krise haben bereits rund einhundert Menschen die Haba-Familygroup verlassen. Diese Zahl teilte die Unternehmenskommunikation am Donnerstag auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Die Beschäftigtenzahl betrage somit aktuell noch 1.677, und zwar verteilt auf den Stammsitz in Bad Rodach im Landkreis Coburg mit etwa 1.550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie auf den Produktionsstandort in Eisleben (Sachsen-Anhalt) mit rund 110 Beschäftigten. Das vorgelegte Sanierungskonzept sieht allerdings vor, dass der Standort in Eisleben geschlossen wird. Das bedeutet: Um auf die genannte Zahl von künftig 1.000 Beschäftigten zu kommen, dürften in Bad Rodach knapp 600 Arbeitsplätze wegfallen sowie alle Jobs in Eisleben.

Jobbörsen Wie die  Unternehmenskommunikation betont, soll Beschäftigten, denen der Verlust des Arbeitsplatzes droht, weiterhin bei der Vermittlung neuer Arbeitsplätze geholfen werden. Die Nachfrage nach „Jobbörsen“, bei denen sich Firmen aus der Region präsentieren, sei nach wie vor „sehr groß“. Wörtlich heißt es in einer Stellungnahme: „Auch heute melden sich noch Unternehmen bei der Haba-Familygroup, die auf der Suche nach neuen Beschäftigten sind.“

Fundgrube Zur Zukunft der „Fundgrube“ in Bad Rodach wollte sich die Haba-Unternehmenskommunikation auf Nachfrage unserer Redaktion nicht äußern. Es scheint also noch Hoffnung zu geben, dass es diesen bei Kunden sehr beliebten Fabrikverkauf auch weiterhin geben könnte. Allerdings: Ein Großteil des Sortiments in der „Fundgrube“ gehört zum Segment der Marke „Jako-o“. Und „Jako-o“ wiederum wird von Haba im Zuge des Sanierungsprogramms definitiv aufgegeben.

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