Die Freude war groß, als im Oktober das komplett neu gebaute E-Center in der Carl-Brandt-Straße 2 in Niederfüllbach (Landkreis Coburg) eröffnete wurde. Zum einen war es ja alles andere als selbstverständlich, dass die Edeka-Unternehmensgruppe an diesem Standort festhält. Zum anderen ließ Marktbetreiber Mario Schleicher auch mit einer sehr schönen Geste aufhorchen: Er gab dem Geschäft sozusagen seinen ursprünglichen Namen aus den 1970er Jahren zurück; an der Fassade ließ er neben dem Schriftzug „E-Center“ auch die Worte „Einkaufs-Zentrum Oberfranken“ anbringen. Die sich daraus ableitende Abkürzung „EZO“ ist bis heute im Sprachgebrauch sehr vieler Menschen fest verankert. Man geht eben nicht „zum E-Center nach Niederfüllbach“, sondern „ins EZO“.
Der Name schmeckte nicht allen
Fast zeitgleich mit der Wiedereröffnung des neuen Lebensmittelmarktes hat sich aber auch schräg gegenüber etwas getan: Jarkin Nibu, der geschäftstüchtige Inhaber eines Autohandels in der Carl-Brandt-Straße 1, eröffnete auf seinem Grundstück eine Imbissbude. Natürlich hatte er dabei im Hinterkopf, dass durch die Neueröffnung des benachbarten EZO wieder sehr viele Menschen in diese Ecke von Niederfüllbach kommen werden. Doch so lecker die angebotenen Speisen vielleicht auch sein mögen: Der Name schmeckte nicht allen – „EZO-Imbiss“.
Dazu muss man wissen: Auch das EZO selber hat – in der Carl-Brandt-Straße 2 – einen Imbiss. Im Gespräch mit dem Tageblatt versichert Jarkin Nibu allerdings, dass er seinen Imbiss in der Carl-Brandt-Straße 1 nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung verstanden haben will: „Beim EZO gibt’s Bratwürste und Döner – bei mir gibt’s auch Pizza und Burger.“
Mario Schleicher war am Freitag und somit im Trubel kurz vor Weihnachten leider nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Doch wie es heißt, soll er „not amused“ gewesen sein, dass sich nun plötzlich ein fremder Imbiss sozusagen mit den Federn des EZO schmückt. Bastian Büttner (CSU), Bürgermeister von Niederfüllbach, bestätigt auf Nachfrage den Konflikt. Aber: Inzwischen kann er zum Glück darüber schmunzeln, denn es wurde ein versöhnlicher Kompromiss gefunden. Jarkin Nibu hat den Schriftzügen auf seinem Imbiss kurzerhand noch ein „M“ verpasst.
Aus dem „EZO-Imbiss“ ist jetzt also der „MEZO-Imbiss“ geworden. Ergibt auf den ersten Blick zwar inhaltlich keinen Sinn, sorgt aber zumindest für Frieden in der Carl-Brandt-Straße. „Ich will ja eine gute Nachbarschaft“, beteuert Jarkin Nibu. Dafür nimmt er es sogar in Kauf, die 3000 gedruckten Speisekarten, in denen noch für Pizza und Burger vom „EZO-Imbiss“ geworben wird, nicht mehr zu verwenden.
Baubeginn für weitere Zufahrt
Bastian Büttner macht im Gespräch mit dem Tageblatt noch einmal deutlich, wie froh und dankbar er dafür ist, dass das E-Center von Mario Schleicher der 1500-Seelen-Gemeinde treu geblieben ist. „Wir hätten ihm die Füße küssen können, als wir davon erfahren haben!“ Für die weitere Entwicklung von Niederfüllbach und für die regionale Daseinsvorsorge aller Ortsbürger sei eine solch attraktive Einkaufsmöglichkeit ein „wirklicher Meilenstein“.
Mit Blick auf die große Bedeutung des großen Verbrauchermarkts für die kleine Gemeinde hält es Büttner auch für gerechtfertigt, dass nun bald sehr viel Geld für den Bau einer weiteren Zufahrt in die Hand genommen wird: Künftig soll das E-Center nicht nur aus beiden Richtungen der Carl-Brandt-Straße zu erreichen sein, sondern auch über eine neue Tangente, die am Übergang der Coburger Straße in die Creidlitzer Straße abzweigt. Baubeginn werde im Frühjahr 2023 sein, so Bastian Büttner. Die Gemeinde kalkuliere derzeit mit Kosten in Höhe von 1,6 Millionen Euro, für die allerdings keinerlei Zuschüsse zu erwarten sind, weil es sich um eine innerörtliche Erschließungsmaßnahme handelt.
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