Matthias Roeingh gilt in der Techno-Szene, also in der Welt der elektronischen Musik, als echte Ikone: Unter dem Künstlernamen „Dr. Motte“ erfand er die „Loveparade“. Bis heute ist er ein gefragter Techno-DJ, macht eigene Musik und mixt auch gerne die „Tracks“ anderer Techno-Künstler. In diesem Jahr hat er mit der „Rave The Planet“-Parade in Berlin so etwas wie einen Neuanfang gewagt, was Techno-Großveranstaltungen betrifft. Mit riesigem Erfolg: Mehr als 200.000 Techno-Fans kamen! (mehr dazu unter ravetheplanet.com)
Etwas kleiner dürfte der Auftritt von Dr. Motte am Freitag, 23. Dezember, im „Feierraum“ im Steinweg in Coburg ausfallen. Im Interview mit Tageblatt-Redakteur Oliver Schmidt spricht der 62-Jährige darüber, wie Tanzen die Menschen zusammenbringen kann – und ein weiteres Mal distanziert er sich von der Querdenker-Szene.
Damit ich nichts falsch mache: Wie spricht man Sie eigentlich richtig an?
Dr. Motte: (lacht) Einfach nur „Motte“! Und sage bitte „Du“. Ach ja, im Text dann aber bitte ein „Dr.“ vor das „Motte“ schreiben.
Woher kommt dieser Künstlername?
„Motte“ kommt von meinem richtigen Namen Matthias. Und das „Dr.“ kam irgendwann mal dazu, weil ich den Menschen mit meiner Musik gut getan habe – weil ich sie also gut verarztet habe.
Am 23. Dezember hast Du einen Arzttermin in Coburg. Vorher beziehungsweise nachher hast Du Konzerte in Köln und Wien. Macht es für Dich einen Unterschied, ob die Techno-Party in einer Großstadt oder eher in der Provinz stattfindet?
Dr. Motte: Nein. Ich sehe immer nur den Menschen, und jeder Mensch hat gute Musik verdient – ob in Berlin oder anderswo. Für mich gibt es immer nur den Unterschied zwischen Club-Konzert und Open-Air.
Ich gebe ganz offen zu, dass ich jetzt nicht der riesige Techno-Fan bin. Warum sollte ich aber trotzdem am 23. Dezember in den Feierraum kommen?
Na, weil ich da bin! Und weil ich Musik zum Tanzen anbiete – auch wenn das viele Politiker, und zwar auch in Bayern, anders sehen.
Die Techno-Szene muss immer wieder gegen Vorurteile ankämpfen. Meinst Du das?
Ja, am meisten ärgern mich diese ewigen Drogen-Vorwürfe. Dabei ist es doch so: Wer Techno liebt, braucht gar keine Drogen – dann ist Musik die Droge! Mir geht es darum, dass die Menschen ihr Bedürfnis befriedigen können, sich zu Musik zu bewegen.
Okay, das ärgert Dich also „am meisten“. Das klingt so, als ob das nicht das einzige Ärgernis ist.
Ja, in Deutschland gibt es leider von den Behörden immer mehr Auflagen. Oft heißt es auch, Techno sei zu laut, oder es wird auf Sperrstunden verwiesen, und die Gema mit ihren Gebühren kommt auch noch….
Aber Du lässt Dich nicht entmutigen! Liegt das daran, weil Du gerade auch in schwierigen Zeiten an die Kraft der Musik glaubst?
Ja, denn Musik ist das einzige, was uns ohne Unterschied zusammenbringt. Nation, Religion, Hautfarbe, geschlechtliche Zuordnung oder soziale Herkunft – alles egal. Die Menschen tanzen einfach miteinander.
Weißt Du eigentlich, dass wir hier in Coburg jedes Jahr ein großes Samba-Festival feiern? Da ist der Grundgedanke ganz ähnlich.
Wirklich? Wow! Ich bin großer Samba-Fan! Da kann ich nicht still stehen.
Das Samba-Festival in Coburg findet immer am zweiten Wochenende im Juli statt!
Gut zu wissen. Da würde ich gerne mal hinkommen. Allerdings findet am zweiten Samstag im Juli, dem traditionellen Loveparade-Wochenende, ab jetzt immer die „Rave The Planet“-Parade in Berlin statt. Da wird das wohl etwas schwierig.
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Kann Musik – egal, ob Samba oder Techno – auch ein Beitrag für den Frieden sein?
Wir müssen auf jeden Fall etwas Gutes tun. Wir müssen den negativen Kräften entgegenwirken. Deshalb ist es genau das richtige Zeichen, zu tanzen und sich mal in den Armen zu liegen. Es geht ums Miteinander.
Ob das hilft gegen den Krieg?
Ich finde, wir sollten nicht „gegen“, sondern „für“ etwas sein: für Frieden.
Und wie kann das gelingen? Du hast Dich bereits im Sommer eher skeptisch zu den Waffenlieferungen an die Ukraine geäußert.
Wenn sich zwei streiten, freut sich oft der Dritte. Und das ist in diesem Fall die Rüstungsindustrie.
Frieden schaffen ohne Waffen?
Es muss zumindest aufhören, dass in der Ukraine alles kaputt gemacht wird. Ich stelle mir manchmal vor, dass ein Außerirdischer auf die Erde blickt. Ich glaube, der würde sich schwer wundern, wie die Menschen hier miteinander umgehen und wie die Menschen ihren Planeten kaputt machen. Hey, wir stecken mitten in der Klimakrise – aber hat schon mal jemand auf die CO2-Bilanz der Rüstungsindustrie geschaut? Oder daran gedacht, wie die CO2-Bilanz beim Wiederaufbau der zerstörten Ukraine sein wird?
Ebenfalls im Sommer wurde Dir plötzlich vorgeworfen, mit der „Querdenker“-Szene zu sympathisieren – weil Du bei einer Veranstaltung ein Symbol aus deren Kreisen hochgehalten hast.
Ich kannte dieses Symbol der sogenannten „Freedom Parade“ nicht, weil ich mit der Querdenkerszene nichts zu tun habe. Ich habe da nur Freedom Parade gelesen und das verwechselt, weil ich zwei Wochen später einen Auftritt bei einer Techno-Veranstaltung in Lodz in Polen hatte, die auch „Freedom Parade“ hieß. Die gab es schon vor 20 Jahren und war eine der vielen Paraden, die von der Loveparade inspiriert waren. Aber um es nochmal klar zu stellen: Ich habe mit Querdenkern nichts zu tun! Ich stehe für ein für ein friedliches Miteinander.
Und das gelingt am besten mit Musik?
Auf jeden Fall. Deshalb freue ich mich auch sehr, dass ich am 23. Dezember nach Coburg kommen darf. Alle sind eingeladen, mit mir zu tanzen. Und wer noch Vorbehalte haben sollte, dem sei gesagt: Lasst euch nicht verwirren, Techno ist eine schöne Musik. Ach ja, und wer mich schon tagsüber sieht, wie ich durch die Straßen von Coburg laufe: Ich freue mich, wenn man mich erkennt – und ich mache dann auch gerne ein Selfie.
Tipp: Techno-Party im Steinweg
Die Party Am Freitag, 23. Dezember, kommt „Dr. Motte“ in den Feierraum im Coburger Steinweg. Die Party unter dem Motto „Techno Liebe“ beginnt um 23 Uhr. Außer „Dr. Motte“ legen auch Mia Amare (Finalistin beim Tomorrowland DJ Contest in Barcelona) und Bernd Berger (Flux Landshut) auf. Die „early bird“-Tickets waren binnen kurzer Zeit ausverkauft. Jetzt gibt’s noch reguläre Tickets im Vorverkauf für 14 Euro online unter zu unter feier-raumde.ticket.io/ . Restkarten an der Abendkasse.
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