Wer am Sonntagvormittag in den Hotelgarten des Grand Hotel Kaiserhof Victoria kam, bekam weit mehr geboten als ein thematisch gestaltetes Konzert. Unter dem Titel „The Soul of Klezmer“ gelang David Orlowsky und den CHAARTS Chamber Artists eine ebenso kluge wie mitreißende musikalische Reise durch Tradition, Erinnerung und Gegenwart jüdischer Musikkultur. Das Ergebnis war ein Konzert von bemerkenswerter Geschlossenheit und künstlerischer Überzeugungskraft.
Dabei wirkte das Programm auf dem Papier zunächst beinahe mosaikartig. Mendelssohn, Golijov, traditionelle Klezmer-Stücke, Filmmusik von John Williams sowie mehrere Eigenkompositionen Orlowskys standen nebeneinander. Doch gerade aus dieser Vielfalt entwickelte sich ein überraschend stringenter dramaturgischer Bogen. Das Konzert machte hörbar, wie lebendig jüdische Musiktraditionen bis heute fortwirken.
Schon Mendelssohns Capriccio op. 81 zeigte die hohe Qualität des Ensembles. Die CHAARTS Chamber Artists musizierten mit Präzision, Energie und großer klanglicher Geschlossenheit. Im Zentrum des Vormittags stand natürlich David Orlowsky. Der Klarinettist verbindet die Ausdruckswelt des Klezmer mit klassischer Klangkultur und einer unverwechselbaren persönlichen Tonsprache. Seine Phrasen scheinen zu erzählen und zu singen; Folklore wird bei ihm zur zeitgenössischen Kunstform.
Besonders eindrucksvoll gelang dies in seinen eigenen Werken wie „Happiness“, „Lyra“ oder „Sababa“, die sich organisch in das Programm einfügten. Zu den Höhepunkten gehörte zudem Osvaldo Golijovs „K’vakarat“, dessen archaische Intensität die Musiker eindringlich ausloteten. Das eigentliche Glanzlicht nach der Pause war jedoch Laurent Cousons „Yiddish Concerto“ für Violine und Streichorchester. Das Werk verbindet jüdische Klangwelten mit virtuoser Brillanz und unmittelbarer Ausdruckskraft. Solist David Castro-Balbi machte daraus ein Ereignis. Mit stupender Technik, makelloser Intonation und großer gestalterischer Freiheit erwies sich der Konzertmeister der CHAARTS Chamber Artists als Musiker von außergewöhnlichem Format. Seine Soli verbanden Virtuosität und Ausdruck auf beeindruckende Weise.
Dass die Temperaturen im Hotelgarten eher frisch ausfielen, geriet angesichts der musikalischen Qualität rasch zur Nebensache. Das Publikum dankte mit stehenden Ovationen und erklatschte sich zwei Zugaben. Selten gelingt es einem Konzert, gleichermaßen unterhaltsam, berührend und künstlerisch anspruchsvoll zu sein. David Orlowsky und die CHAARTS Chamber Artists ist dies eindrucksvoll gelungen. Ein Vormittag, der zeigte, dass Klezmer weit mehr sein kann als musikalische Tradition – nämlich eine lebendige Sprache der Begegnung.






















