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Abschied aus Politik
Kissingens Alt-OB Kay Blankenburg: „Es wird mir fehlen“
Kay Blankenburg (SPD), Altoberbürgermeister von Bad Kissingen, verlässt im Mai nach 30 Jahren die kommunalpolitische Bühne.
Kay Blankenburg (SPD), Altoberbürgermeister von Bad Kissingen, verlässt im Mai nach 30 Jahren die kommunalpolitische Bühne. // Benedikt Borst
Bad Kissingen – 30 Jahre prägte Kay Blankenburg Bad Kissingen. Nun tritt er ab. Der Initiator der Welterbe-Bewerbung blickt auf Erfolge zurück und spricht über Fehlschläge wie Hallenbad und Eishalle.

Kay Blankenburg (SPD) hat die Geschicke von Bad Kissingen in den vergangenen drei Jahrzehnten wesentlich geprägt, als Stadt- und Kreisrat (1996 bis 2026) und vor allem als Oberbürgermeister (2008 bis 2020). Seit Ende der 1980er-Jahre ist der gebürtige Bamberger in Bad Kissingen als Rechtsanwalt tätig. 2022 wurde er für seine Leistungen mit der goldenen Bürgermedaille und dem Titel Altoberbürgermeister ausgezeichnet. Im Mai scheidet der 68-Jährige aus dem Stadtrat aus und verlässt die kommunalpolitische Bühne. Vom Aus der Eishalle bis zum Unesco-Welterbe: Zu seiner Amtszeit gehörten sowohl harte Einschnitte als auch wegweisende Erfolge. Im Abschiedsinterview erzählt er, wie er heute dazu steht.

Herr Blankenburg, Ihr Vorgänger Karl Heinz Laudenbach hat Ihnen 2008 einen hohen Schuldenstand (25 Millionen Euro) vererbt, Sie haben daraufhin einen strikten Sparkurs vertreten.

Das war eine Priorität, als ich angefangen habe: Schuldenabbau. Das ist gelungen. Wobei ich sagen will: Es sind viele Sachen entstanden, die man heute als selbstverständlich nimmt. Wir haben viel geschafft, trotz Halbierung der Schulden: durch sparsames Wirtschaften, mit Stabilisierungshilfen und indem wir die Gewerbesteuer auf elf Millionen Euro verdoppelt haben.

Was ist in dieser Zeit gelungen?

Heute reden alle über die Garitzer Schule. In meiner Amtszeit haben wir den Grund und Boden gekauft. Wir haben die Sinnbergschule gekauft und aus der Anton-Kliegl-Volksschule eine reine Mittelschule gemacht. Das war finanziell ein Brocken. Schulen und Kitas waren mir wichtig. Wir haben die Kitas durchsaniert, 150 neue Plätze geschaffen und die Grundlagen für den neuen Theresienspital-Kindergarten gelegt, der bald fertig wird. Und wir haben auch einige Straßen geschafft, etwa Maxstraße, Kliegl-Platz, Von-Hessing- und Burgstraße. Dass die Straßenausbaubeiträge weggefallen sind, hat es nicht leichter gemacht.

Zählen Sie den zum Multimediabrunnen sanierten Springbrunnen im Rosengarten als Erfolg?

Er ist ein Alleinstellungsmerkmal und ich finde ihn klasse, aber wir haben dafür viel Prügel bekommen. Ich denke, er hat noch nicht alles gezeigt, da geht noch mehr, etwa mit KI. Der ganze Rosengarten hat uns nicht viel gekostet und so schön war er noch nie.

Kay Blankenburg hat die Bürgermedaille in Gold und den Titel "Altoberbürgermeister "verliehen bekommen. Foto: Klaus Werner
Kay Blankenburg hat die Bürgermedaille in Gold und den Titel "Altoberbürgermeister "verliehen bekommen. Foto: Klaus Werner // 

Als es hieß, dass das kleine Bad Kissingen mit anderen Kurorten Unesco-Welterbe werden will, haben das viele nicht für voll genommen. Wie standen Sie dazu, als die Idee aufkam?

Ich war von Anfang an begeistert. Peter Weidisch (der Leiter des Kulturreferats, Anm. d. Red.) hat die Idee aufgetan und gesagt: Da gibt es Bestrebungen. Ich habe gesagt: „Wenn es das gibt, müssen wir dabei sein.“ Mit dem starken Kissinger Selbstbewusstsein, „so schön wie die sind wir allemal“, ging es los. Wir haben den Kontakt hergestellt, haben es dann geschafft, eingeladen zu werden und sind beigetreten. Damit begann der Prozess. Das waren aufregende Zeiten. Bad Kissingen stand auch auf der Todesliste, als die Gruppe verkleinert wurde.

Alles ging gut, Bad Kissingen ist seit 2021 Welterbe. Was darf sich die Stadt von dem Titel versprechen?

Die Stadt wird viel für sich herausziehen können, weil das Prädikat nicht beliebig vermehrbar ist. Ich glaube, dass wir einen Qualitätstourismus erleben werden, der Welterbe-orientiert ist. Das ist die Klientel, bei der wir ein Alleinstellungsmerkmal haben. Es wird aber nicht alle Kissinger Probleme lösen. Es ist ein Baustein, vieles andere müssen wir noch machen. Wir müssen etwa mehr Anstrengungen unternehmen, Selbstzahler zu gewinnen, weil wir nicht wissen, wie lange das System mit den Rehakliniken noch so funktioniert.

Lassen Sie uns auch über Themen sprechen, die nicht funktioniert haben. Der Hallenbadneubau war schon bei Ihnen drängend.

Daraus will ich keinen Hehl machen. Wir waren sehr weit mit dem Hotel an der Kisssalis und es hat nicht geklappt. Das Thermenhotel hätte automatisch bedeutet, dass in diesem Verbund auch das Hallenbad entstanden wäre. Nur so funktioniert das wirtschaftlich. Aber das Hallenbad wird kommen.

Haben Sie damit gerechnet, dass das alte nicht durchhält, bis das neue öffnet?

Ich habe es befürchtet. Es ist ein uraltes Hallenbad, vergleichbar mit einem uralten Auto. Wenn das kaputtgeht, werden wir keine Teile mehr bekommen. So war es letztlich auch. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so schnell geschieht, aber es ist, wie es ist. Wir haben auch andere Standorte geprüft, etwa am Freibad. Letztlich war aber die Rechnung, die ich aufgemacht habe: Wenn wir jedem Thermenbesucher einen Euro mehr abnehmen, dafür, dass er auch das Hallenbad zur Verfügung hat, haben wir das Defizit erheblich reduziert und können den Kissingern das Schwimmen ermöglichen.

Bad Kissingen hat auch keine Eishalle mehr. Sie hatten damals betont, dass sich die Stadt den Betrieb nicht leisten kann. Die Eishalle wurde verkauft, um sie über private Betreiber zu halten. Ein Fehlschlag. Wie stehen Sie heute dazu?

Man muss die Schließung und den Verkauf trennen. Der erste Beschluss im Stadtrat war: Die Stadt wird die Eishalle nicht weiter betreiben. Dieser Beschluss war richtig, da stehe ich zu 100 Prozent dazu. Die Eishalle ist ein Angebot, das man haben kann, aber nicht haben muss. Wir meinten damals, mit den beiden Investoren jemanden gefunden zu haben, der sich an Verträge hält und den Weiterbetrieb sicherstellt. Im Nachhinein war ich maßlos über die Schließung enttäuscht. Uns haben damals keine Erkenntnisse vorgelegen, dass es so kommt. Im Nachhinein zu sagen, man hätte es wissen müssen, ist zu billig. Ich bin mit mir völlig im Reinen.

Wie haben Sie die letzten sechs Jahre als Stadtrat erlebt: Hat Ihnen das Amt als OB gefehlt?

Ich habe mich bemüht, es entspannt ausklingen zu lassen. Das Oberbürgermeisteramt hat mir gefehlt und es wird mir das Amt des Stadtrats fehlen. Und das ist okay. Wenn es mir nicht fehlen würde, dann wäre es verplemperte Zeit gewesen.

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