Seit 2008 stellt die SPD den Oberbürgermeister in Bad Kissingen. André Kiesel will das ändern. Der Christsoziale tritt bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 als OB-Kandidat an.
Der 48-Jährige ist in Nüdlingen aufgewachsen und lebt dort mit seiner Ehefrau Nicole Kiesel und seinen drei Töchtern (13, 18 und 21 Jahre alt). Er sagt aber: „Mich hat es immer nach Bad Kissingen gezogen.“ Als Kind ging er dort ins Freibad und in die Eishalle. Später machte er in der Kurstadt sein Abitur. Seit 2004 führt er eine eigene Kanzlei in Bad Kissingen.
„Für mich ist die Kurstadt etwas Besonderes, auch ihre Geschichte“, sagt er. „Ich will ein kleiner Teil davon sein und die Stadt gestalten und voranbringen.“ Vor rund 20 Jahren trat er den Christsozialen bei. Groß in Erscheinung getreten ist er in der Partei noch nicht. Er war nur einmal Schriftführer im Nüdlinger CSU-Vorstand.
„Ich habe die Zeit mit meinen Töchtern genossen. Nun sind die Kinder groß“, sagt Kiesel. Der Vater ist überzeugt: Die Mädchen gehen ihren Weg.
Bürgernähe ist ihm wichtig
Kiesel hat sich für eine mögliche Amtszeit überlegt, was er in der Kurstadt verändern will. So ist ihm Bürgernähe sehr wichtig. Wenn es nach ihm geht, soll in jedem Stadtteil alle zwei Jahre eine Bürgerversammlung stattfinden.
Zudem will er Ortsreferenten ernennen, die als Ansprechpartner für die Bürger im jeweiligen Stadtteil fungieren. „Alltagsprobleme könnten sich so besser in den Griff bekommen lassen“, erläutert Kiesel. Damit meint er zum Beispiel ungepflegte Friedhöfe und Schlaglöcher. Der OB-Anwärter stellt klar: Neues Personal will er dafür nicht einstellen. Stattdessen sollen Stadtmitarbeiter die Aufgabe zusätzlich übernehmen.
Auch er selbst möchte sich in Bad Kissingen viel blicken lassen. „Oberbürgermeister ist kein Job, sondern eine Berufung. Hier vermischt sich Berufliches mit Freizeit.“
Kritik am Zustand von Straßen und Gebäuden
Sonst liegt ihm noch die Sanierung der Infrastruktur am Herzen. „Die Touristen besuchen den Kissinger Sommer und sehen den Zustand unserer Gebäude und Straßen“, beklagt er. Das finanzielle Haushaltsloch ist ihm klar. Deswegen fordert er eine transparente Liste, welche Bauvorhaben früher oder später umgesetzt werden sollen.
Kiesel kritisiert auch den Amtsinhaber Dirk Vogel (SPD). Er schmücke sich oft mit Bauprojekten, die nicht die Stadt zu verantworten habe, sondern das Land oder der Bund. Er denkt zum Beispiel an den Nordring und die Münnerstädter Straße.
Der CSU-Mann hat aber auch konkrete Projekte im Blick. So will er erst den Ratskeller sanieren und ihn anschließend an einen Gastronomen verpachten. „Wir müssen den Tagestourismus stärken. Dafür braucht es einen Ort, wo die Gäste einkehren können“, sagt er. Außerdem will er sich für ein Hallenbad einsetzen. Er begründet das so: „Bad Kissingen ist Welterbe und Zentrum des Landkreises. Und ein Hallenbad ist allen Generationen wichtig.“
Dem Kandidaten ist aber bewusst: Alles kann er angesichts der klammen Haushaltslage nicht anpacken. „Irgendwo muss man Abstriche machen – zum Beispiel bei der Eishalle.“
Kiesel hofft auf Fördermittel
Damit er möglichst viele Projekte umsetzen kann, will er Fördergelder abgreifen. Auch deshalb kandidiert er für den Kreistag. Und er erhofft sich, als CSU-Stadtoberhaupt einen guten Draht zur konservativen Landesregierung pflegen zu können.
Als Anwalt für Strafrecht sind ihm auch Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt wichtig. „Es gibt in Bad Kissingen schon Ecken, an denen man sich unwohl fühlt“, zeigt er sich überzeugt. Seiner Meinung nach ziehen ab und an Gruppen von jungen Leuten grölend durch die Stadt und hinterlassen Müll. „Es braucht Orte, wo sich Jugendliche treffen können, und andere Bürger dabei nicht belästigen.“
Seine Kanzlei hat sich nicht nur auf Strafrecht spezialisiert. Seine Mitarbeiter und er bearbeiten auch Fälle von Verkehrs-, Familien-, Erb- und Arbeitsrecht. Er sagt: Wenn ihn ein Fall besonders berühre, nehme er ihn an – auch wenn er nicht sonderlich lukrativ erscheine.
Privat ein sportlicher Typ
Im Urlaub zieht es den Unterfranken nach Nordeuropa, gerne mit dem Wohnmobil. „Ich kann Hitze nicht so ab“, sagt er. Sonst fährt er Rennrad und macht Langlauf – letzteres in der Rhön und im Thüringer Wald. Früher hat er Hand- und Fußball gespielt. Diese Zeiten sind aber vorbei – ebenso wie jene als Bayernfan. „Mir ist das zu kommerziell geworden.“ Ab und zu verfolgt er die Spiele des 1. FC 06 Bad Kissingen und des 1. FC Schweinfurt 05.
Große Erfahrung in der Politik hat er nicht. Er sieht es jedoch nicht als Hürde – im Gegenteil: „Als Anwalt kann ich Gesetzestexte lesen. Außerdem bin ich nicht so eingeschliffen.“
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