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Altenheim in Bad Kissingen
Ein Jahr nach Rettung: Erneut Unsicherheit im Parkwohnstift
Die Seniorenresidenz Parkwohnstift in Bad Kissingen hat einen neuen Betreiber.
Die Seniorenresidenz Parkwohnstift in Bad Kissingen steckt offenbar erneut in finanziellen Schwierigkeiten. // Anand Anders (Archiv)
Bad Kissingen – Die Seniorenresidenz Parkwohnstift in Bad Kissingen hat abermals große Probleme. Im Mittelpunkt steht dabei die betreibende Ambiente Care GmbH. Ein Überblick.

Den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Mitarbeitenden der Seniorenresidenz Parkwohnstift in Bad Kissingen muss es wie ein tragisches Déjà-vu vorkommen: Rund ein Jahr, nachdem die zuvor lange von der Schließung bedrohte Wohnanlage im Stadtteil Garitz als gerettet galt, ist deren Zukunft offenbar erneut unsicher - und damit die der rund 150 Menschen, die die Anlage derzeit bewohnen. Laut eigener Website umfasst die Einrichtung 274 Appartements sowie 34 Plätze im Bereich der stationären Pflege.

Wie dieser Tage öffentlich wurde, erheben Mitarbeitende schwere Vorwürfe in Richtung der Ambiente Care GmbH, die den Betrieb des Parkwohnstifts Anfang 2025 übernommen hatte. Im Raum stehen verspätete Lohnzahlungen und fehlendes Weihnachtsgeld, außerdem gebe es einen extrem hohen Krankenstand in der Belegschaft. Die Rede ist von bis zu 70 Prozent Ausfall im Pflegebereich. Insgesamt arbeiten aktuell rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Parkwohnstift.

Aufgrund des fehlenden Personals laufen derzeit Bemühungen, Bewohnerinnen und Bewohner aus der stationären Pflege anderweitig unterzubringen. Das Diakonische Werk Schweinfurt hat angekündigt, Betroffene aufnehmen zu wollen.

Auch Kritik am Essen

Recherchen dieser Redaktion ergeben, dass es im Laufe des Jahres nach Übernahme durch den Pflegedienstleister aus Gröbenzell (Lkr. Fürstenfeldbruck) immer wieder zu Unregelmäßigkeiten bei der Lohnauszahlung gekommen sein soll. In einem Schreiben der Interessenvertretung des Parkwohnstifts aus dem Juli 2025 an die Ambiente Care GmbH, das Dokument liegt dieser Redaktion vor, wird zudem die Qualität der Essensversorgung sowie mangelhafter Informationsfluss in Richtung der Bewohnerinnen und Bewohner kritisiert. Es entstehe der Eindruck, „dass uns immer öfter kostengünstige Fertigkost serviert wird und die Gerichte nicht mehr frisch von unseren Köchen zubereitet werden“, heißt es in dem Schreiben unter anderem.

Verschiedene Medien berichten darüber hinaus, dass das Unternehmen auch an anderen Standorten Probleme hat. So hat die TSC Care GmbH, seit Juni 2025 Teil der Ambiente Holding GmbH und Betreiberin einer Seniorenresidenz in Hagen (Nordrhein-Westfalen), im Oktober Insolvenz angemeldet.

Ambiente Care GmbH bezieht zur Situation im Parkwohnstift nur teilweise Stellung

Die Seniorenresidenz und vor allem deren Bewohnerinnen und Bewohner sind leidgeprüft. Im Februar 2024 hatte die Parkwohnstift gGmbH, Tochterfirma der AWO Unterfranken und damalige Betreibergesellschaft, Insolvenz angemeldet. Die Suche nach einem Betreiber zog sich nahezu ein Jahr lang, was große und lang anhaltende Zukunftssorgen bei den anfangs noch 273 Seniorinnen und Senioren vor Ort auslöste. Ende 2024 wurde schließlich die Ambiente Care GmbH als neue Betreiberin präsentiert. Eigentümer der Wohnanlage ist der Versicherungskonzern AXA, beziehungsweise die Investmentgesellschaft AXA Invest Managers.

Parkwohnstift Bad Kissingen
Seit rund einem Jahr betreibt die Ambiente Care GmbH die Seniorenresidenz in Bad Kissingen. // Riccarda Rascher

Eine aktuelle Anfrage dieser Redaktion zur Situation im Parkwohnstift ließ die Pressestelle der Ambiente Care GmbH unbeantwortet. Auch die zuständige Projektmanagerin war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In einem früheren Statement hatte Pressesprecherin Patricia Toews gegenüber dieser Redaktion verlauten lassen, dass aufgrund des hohen Krankenstandes und in Abstimmung mit der Heimaufsicht aktuell Bewohner vorübergehend in anderen Einrichtungen unterkommen. Ziel verschiedener Maßnahmen sei es, den Betrieb zu stabilisieren, das Team zu entlasten und die Versorgung langfristig wieder vollständig zu gewährleisten. Eine Schließung des Parkwohnstifts stehe laut damaliger Antwort nach aktuellem Stand nicht bevor.

Verunsicherung bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der Seniorenresidenz

Unter den Bewohnerinnen und Bewohnern der Residenz herrscht geteilte Stimmung. Eberhard Hacke, 86, lebt seit 2021 mit seiner Frau in der Wohnanlage und ist Mitglied im Beirat der Stiftung Parkwohnstift. Er sagt: „Wenn Gehälter nicht kommen, ist das natürlich nicht gut. Aber Zukunftsängste habe ich nicht. Es wurde klar kommuniziert, dass die Ambiente GmbH die Anlage weiterbetreiben will.“ Im Pflegebereich sei es im Moment generell schwierig, nicht nur in Bad Kissingen.

Parkwohnstift Bad Kissingen
Bewohner Eberhard Hacke blickt noch optimistisch in die Zukunft. // Simon Snaschel

Werner Roth spricht dagegen von großer Verunsicherung, vor allem bei den Menschen, die auf Pflege und somit anwesendes Personal angewiesen sind. „Gerade so kurz vor Weihnachten werden solche Nachrichten natürlich nicht gut aufgenommen“, sagt der 82-Jährige. Seit zwölf Jahren lebt er im Parkwohnstift und ist Mitglied in der Interessenvertretung der Bewohnenden.

Bad Kissingens OB Dirk Vogel und Landrat Thomas Bold schalten sich ein

Auch im Rathaus der Stadt Bad Kissingen sowie im Landratsamt ist die Situation in der Seniorenresidenz Thema. Jenseits der gesetzlichen Zuständigkeiten setze sich Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) gemeinsam mit Landrat Thomas Bold (CSU) für eine Lösung des aktuellen Problems ein, heißt es zu entsprechender Anfrage aus der Pressestelle der Stadt.

Großer Zankapfel im Parkwohnstift waren lange dringende Sanierungsarbeiten im Bereich Brandschutz. Dabei ging es auch um die Frage, wie die aufgelaufenen Kosten zwischen Eigentümer und Betreiber aufzuteilen seien. Dafür habe die Stadt Bad Kissingen als Baugenehmigungsbehörde gemeinsam mit Eigentümer AXA eine rechtssichere Lösung für die Zeit gefunden, bis die entsprechenden Arbeiten abgeschlossen sind, heißt es aus der Pressestelle. Derzeit wird im Parkwohnstift sowohl im Bereich Brandschutz als auch an den Appartements gearbeitet.

Die Bewohnerinnen und Bewohner hoffen auf einen neuen Betreiber für das Parkwohnstift.
Wie geht es weiter im Parkwohnstift? // Wolfgang Dünnebier

Die Kosten dafür trägt AXA, wie der Konzern auf Anfrage dieser Redaktion mitteilt: „Die Arbeiten wurden begonnen und verlaufen planmäßig. Angesichts ihrer Bedeutung haben wir die Verantwortung dafür selbst übernommen.“ Als Vermieter habe man keine operative Rolle in der Seniorenresidenz und könne sich deshalb nicht zur Situation rund um den Betreiber äußern. „Wir erwarten von allen unseren Geschäftspartnern, dass sie ihren vertraglichen Verpflichtungen vollumfänglich nachkommen“, heißt es jedoch.

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