Die SWB Wohnstift Betriebsgesellschaft mbH ist neuer Betreiber des Parkwohnstifts in Bad Kissingen. Der Eigentümer, der Versicherungskonzern AXA, hatte kurz vor Jahresende dem bisherigen Betreiber Ambiente Care gekündigt. AXA wandte sich an das Pflegeunternehmen aus Bühl (Baden-Württemberg) und schloss mit diesem einen Vertrag zum 1. Januar 2026. Schlüsselübergabe war am Montagvormittag (5. Januar 2026).
„Wir freuen uns sehr. Unsere Strukturen passen sehr gut zur Immobilie“, sagte Hubertus Seidler auf einer Pressekonferenz in der Seniorenresidenz. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter von SWB Wohnstift, das mehrere Altenheime in ganz Deutschland betreibt.
Änderung bei der Pflege geplant
Der Betrieb plant, die stationäre Pflege abzuschaffen und nur noch eine ambulante Pflege anzubieten. Das heißt: Die Bewohnerinnen und Bewohner können je nach Bedürftigkeit eine mehr oder weniger intensive Pflege buchen – bis Pflegegrad fünf.
„Wir haben das Credo: Wer bei uns einzieht, muss nicht wieder ausziehen“, sagt Seidler. Ein Beispiel: Entscheidet sich ein fitter Senior für das Parkwohnstift, kann er dort bis zu seinem Tod bleiben, auch wenn er im höheren Alter auf mehr Pflege angewiesen ist. Wie der Geschäftsführer versichert, kommt die Ambulanz nur in der Seniorenresidenz zum Einsatz und macht keine Hausbesuche.
Für die Bewohner ändert sich also wenig. Vor allem die Finanzierung ist mit dem neuen Konzept anders aufgestellt. „Bei der stationären Pflege gibt es klare Sätze, bei der Ambulanz hängt es vom Bedarf ab“, erläutert Seidler. „Für die Bewohner ist es oft günstiger. Beim Pflegegrad fünf beispielsweise wird es aber teurer.“
Kurzzeitpflege ist geplant
Außerdem plant das Unternehmen, ab Mitte/Ende dieses Jahres eine Kurzzeit- beziehungsweise Verhinderungspflege einzuführen. „Wenn die Oma etwa einen Oberschenkelhalsbruch hat und im ersten Stock eines Hauses ohne Aufzug wohnt, kann sie zu uns“, erklärt Seidler.
Die Klienten der Kurzzeitpflege sollen verteilt in der Einrichtung unterkommen. „Sie helfen uns, das Haus zu füllen“, sagt er. Der Bedarf nach Kurzzeitpflege bestehe jedenfalls.
Aktuell muss SWB Wohnstift den Schaden von Ambiente Care wiedergutmachen. Der bisherige Betreiber war in die Kritik geraten, da er unter anderem Löhne zu spät auszahlte und Verträge mit Lieferanten nicht einhielt. Zuletzt schloss er die stationäre Betreuung und kündigte den Bewohnern zum 28. Februar 2026.
SWB Wohnstift will den Bewohnern der stationären Abteilung anbieten, im Parkwohnstift zu bleiben. Das Angebot richtet sich an die 20 Seniorinnen und Senioren, die noch in der Seniorenresidenz wohnen, sowie an die 14, die bereits in einem anderen Altenheim untergekommen sind.
Ambiente Care kündigte Lieferantenverträge
Zudem will sich das Unternehmen mit den Geschäftspartnern, darunter Lieferanten, in Kontakt setzen und sie bitten, ihre Aufträge nun auf Rechnung von SWB Wohnstift weiterzuführen. „Teilweise wurde das schon erledigt. Die Lieferanten nehmen das gut auf“, schildert Parkwohnstift-Direktorin Katharina Benkert. Ambiente Care hatte zum 31. Dezember die Verträge mit Partnerbetrieben gekündigt – anscheinend ohne auf Kündigungsfristen geachtet zu haben. Ein entsprechendes Dokument liegt der Redaktion vor.
Die rund 125 Mitarbeitenden sollen – vorerst mit denselben Arbeitsverträgen – weiterhin beschäftigt werden. Laut Seidler konnte Ambiente Care bisher nicht sagen, welche Angestellten in welcher ihrer Gesellschaften beschäftigt sind.
Der hohe Krankenstand – im Dezember waren bis zu 70 Prozent der Pflegekräfte krankgemeldet – ist Geschichte. „Die vielen Krankenfälle lagen auch an der Belastung, der die Beschäftigten ausgesetzt waren. Jetzt haben wir angesichts der Grippewelle einen normalen Stand“, teilt Benkert mit.
Die Angestellten haben bisher noch nicht ihr Dezembergehalt bekommen. Auch darum muss sich noch gekümmert werden.
OB ist vom neuen Betreiber überzeugt
Direktorin Benkert ist jedenfalls erleichtert: „Mir fällt ein Stein vom Herzen.“ Auch Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) vertraut dem neuen Betreiber: „Alles, was wir bisher gehört und gelesen haben, klingt gut.“ Und Emil Müller, stellvertretender Landrat vom Landkreis Bad Kissingen, sagt: „Wichtig ist, dass nun bei Bewohnern und Mitarbeitern Ruhe einkehrt.“
Eigentümer AXA will fast alle Gebäude in den nächsten zwei Jahren sanieren, um unter anderem Barrierefreiheit herzustellen. Ausgenommen von dem Projekt, das ungefähr 16,3 Millionen Euro kostet, sind zwei neuere Häuser.
Laut Direktorin Benkert kann das Parkwohnstift weitere Bewohner aufnehmen. Aktuell hat es rund 150 Bewohner, Platz wäre für mehr als 270. Seiler macht klar: „Wir wollen uns offensiv auf dem Markt positionieren.“























