Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. So lässt sich die Stimmung in Gastronomie und Hotellerie des Landkreises zusammenfassen. Wie beim Neujahrsempfang des Kreisverbands im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zu hören war, erwartet die Branche von der Bundesregierung noch einige Zugeständnisse. Doch mit der Absenkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent sei ein erster Schritt getan. Verhaltener Optimismus ist in der Branche spürbar.
Absenkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent
„Sieben Prozent – klein auf dem Papier, groß in der Wirkung. Wir haben sie uns zurückgeholt“, hob Dehoga-Kreisvorsitzende Sandra Kaiser, Inhaberin des Kaisers Weinland Hotel in Hammelburg, das in jahrelangem Lobbykampf erreichte Ziel hervor. „Diese sieben Prozent sind weit mehr als nur eine Zahl.“
Die Absenkung der Mehrwertsteuer von 19 auf nur noch sieben Prozent verschaffe der Branche etwas Luft in Zeiten massiver Kostenexplosionen, schaffe Spielraum für Investitionen und sichere Arbeitsplätze. „Gerade für eine Branche, die von Herzblut lebt und von Menschen getragen wird, war diese Steuersenkung ein notwendiges und starkes Signal.“
Als starken Impuls für die Zukunft wünschte sich die Kreisvorsitzende eine noch bessere und engere Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis. „Wir wollen vorausschauend handeln, gemeinsam gestalten und unsere Branche weiterentwickeln.“
Jeder einzelne Gast wird namentlich begrüßt
Seit 15 Jahren eröffnet der Dehoga-Kreisverband Bad Kissingen mit seinem Neujahrsempfang kurz nach Dreikönig den Reigen gesellschaftlicher Treffen. Ebenfalls Tradition ist seitdem die namentliche Begrüßung jedes Einzelnen der rund 130 Gästen aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Diese Prozedur war wieder Heinz Stempfle vorbehalten, einst Kreis- und Bezirksvorsitzender, seit zwei Jahren stellvertretender Kreisvorstand und Ehrenvorsitzender des Dehoga-Bezirksverbands Unterfranken.
In seiner branchenpolitischen Festrede bremste der erfahrene Hotelier die Freude über die gesenkte Mehrwertsteuer, denn er sah noch andere von der neuen Bundesregierung für die Branche zu bewältigende Aufgaben.
Betreiber finden oft keine Nachfolger
„Sieben Prozent sind hilfreich, aber nicht der Befreiungsschlag.“ Nicht ohne Grund hätten in den vergangenen fünf Jahren deutschlandweit 48.000 Gastro-Betriebe schließen müssen, „wovon die bisherige Regierung keine Notiz nahm“. Oft habe in Zeiten des Generationswechsels der Nachfolger gefehlt, da sich ein Betrieb wegen fehlender Rentabilität „einfach nicht mehr rechnete“ oder weil keine Mitarbeiter zu finden waren. Andere Betreiber hätten durch Standortwechsel versucht, in besserer Lage ihren Betrieb zu halten.
Schuld an dieser „unverändert dramatischen Situation“ sei bisher „die teilweise ideologisch verblendete Regierungs- und Wirtschaftspolitik“ gewesen. „Wir brauchen eine Regierung, die sich unserer Sorgen annimmt und uns Planungssicherheit gibt“, forderte Stempfle. „Wir brauchen eine Regierung, die der deutschen Wirtschaft und damit auch unserer Branche gezielte Impulse gibt und Entscheidungen trifft, die für wirtschaftlichen Aufschwung sorgen. Bisher wurden dringende Forderungen des Hotel- und Gaststättenverbands von der alten Regierung konterkariert.“
Begrenzung der hohen Energiekosten
Zu diesen Forderungen gehören noch immer die Begrenzung der in Deutschland explodierenden Energiekosten auf den europäischen Durchschnitt sowie Anreize zu Arbeit und Leistung. „Das jetzt in Grundsicherung umbenannte Bürgergeld steht diesem Ziel entgegen.“
Kritik an Bürokratie und Dokumentationspflicht
Statt „Migration in die deutschen Sozialsysteme“ fordert der Dehoga-Verband Migration in den Arbeitsmarkt. „Wir brauchen eine beschleunigte Anerkennung arbeitswilliger Ausländer aus Nicht-EU-Ländern mit Arbeitsvertrag.“ Weiterhin sollten Bürokratie und überbordende Dokumentationspflicht abgebaut werden. „Es darf keine über den EU-Standard hinausgehenden Regulierungen geben.“ Verbunden mit der Erwartung auf Erfüllung dieser Forderungen durch die jetzige Bundesregierung drückte Stempfle die Hoffnung aus, „dass in diesem Jahr wieder mehr Betriebe öffnen, als geschlossen werden, und dass wieder mehr junge Leute in unseren Beruf drängen.“
Wertschätzung und Unterstützung des Landkreises sowie der Stadt Bad Kissingen sicherten der scheidende Landrat Thomas Bold (CSU) sowie Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) der heimischen Branche zu. „Hotellerie und Gastronomie haben in vergangenen Jahren als Jobmotor wesentlich zur Entwicklung unseres Landkreises beigetragen“, verwies Bold auf den niedrigen Stand der Arbeitslosigkeit „weit unter Landesdurchschnitt“. Auch die touristischen Zahlen aus den Jahren 2024 und 2025 seien zufriedenstellend. Vogel nannte unter anderem die Erweiterung des Bad Kissinger Hotels Kaiserhof Viktoria und den Neubau des Vier-Sterne-Hotels Sonnenhof am Kurgarten als Signale für eine positive Entwicklung.
















