Im Scheinwerfer der Öffentlichkeit und Details zu seinem Leben, seinen Beziehungen und zu seinen mutmaßlichen Taten zu offenbaren ist gelinde gesagt unangenehm. Besonders, wenn einem vorgeworfen wird, eine Frau ermordet zu haben. Es ist also nicht verwunderlich, dass Alexander G. nur selten seinen Blick in den Publikumsbereich des Gerichtssaals wirft. Denn der ist auch am zweiten Prozesstag und dritten Prozesstag ziemlich voll.
Nicht nur dort ist viel los – auch im Wartebereich für Zeugen herrscht Betrieb. Erstmals sagen an diesen Tagen auch Kollegen vom Technischen Hilfswerk (THW) aus. Männer und eine Frau, die sowohl das Opfer als auch den Angeklagten kannten.
„Immer freundlich, aber mit eigener Art“
Eva-Maria H. sei engagiert gewesen, berichtet ein Mitglied der Führungsebene der THW-Ortsgruppe. Die promovierte Naturwissenschaftlerin habe Ambitionen gezeigt, sich weiterzuentwickeln – unter anderem durch ihre Bewerbung bei der Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland (SEEWA). Diese Einheit kommt nach Katastrophen weltweit zum Einsatz, um mit mobilen Anlagen sauberes Trinkwasser bereitzustellen.
„Ich habe ihr dafür ein Zeugnis ausgestellt“, sagt das THW-Mitglied. Doch die Bewerbung wurde abgelehnt. Die Entscheidungsträger auf höherer Ebene hätten Zweifel an ihrer Teamfähigkeit geäußert. Richterin Jana Huber hakt nach: Wie kam es zu dieser Einschätzung? Es habe ein Projekt gegeben, bei dem Eva-Maria H. beteiligt war – dort seien offenbar Schwierigkeiten aufgefallen. In der Ortsgruppe selbst seien ihm keine Probleme bekannt.
Ein anderer THW-Kollege beschreibt sie als „immer freundlich, aber mit eigener Art“. Anfangs habe er nicht gewusst, wie er mit ihr umgehen solle, doch mit der Zeit habe sich das gelegt. Ein weiterer Kollege ergänzt: „Sie war sehr genau und akribisch – das war für manche schwer einzuschätzen.“
„Eva war Wissenschaftlerin und als solche offen, freundlich, herzlich und sehr interessiert an vielen Dingen. Sie war sehr wissbegierig und hat sehr nach Fakten gelebt“, sagt eine Kollegin, die sowohl mit dem Angeklagten als auch dem Opfer auch außerhalb des THW Zeit verbracht hat. Dass Eva-Maria H. in der Gruppe gemobbt wurde, sei ihr nicht bekannt. „Das THW ist einfach eine Männerdomäne“, sagt sie. Eva-Maria H. habe sich stark für Frauen eingesetzt und sich deshalb gelegentlich beklagt – „aber das war nicht auf ihre Person bezogen.“
„Gab es Schwierigkeiten bei der Aufnahme in die Gruppe?“, fragt Vorsitzende Richterin Jana Huber. Davon wisse die Zeugin nichts. „Eva-Maria H. hatte keinen technischen Hintergrund, was es bei einzelnen Aufgaben schwieriger machte, sich einzufinden. Aber sie war wissbegierig und sich nicht zu schade, mit anzupacken. Sie hat sich gut eingefunden.“
Der Angeklagte: ruhig, engagiert?
Unterstützung habe sie dabei auch vom Angeklagten erhalten. „Er hat ihr viel Technisches gezeigt, auch wo was gelagert wird. Er kannte sich in den Räumlichkeiten gut aus“, berichtet die Zeugin. „Alex war jemand, der sich um alles kümmern wollte, alles regeln – aber er wirkte oft gestresst.“ Schnell gereizt, als würde ihm „alles etwas zu viel werden.“
Weitere THW-Kollegen beschreiben ihn als ruhig und zuverlässig. „Er ist mir als sehr engagierter junger Mann begegnet“, sagt das Mitglied der THW-Führungsebene.
Auch im Prozess wirkt der Angeklagte ruhig und unauffällig. Was hat ihn dazu getrieben, Eva-Maria H. zu töten? Dazu hatte er sich am zweiten Prozesstag geäußert, wie wir bereits berichtet haben. Im weiteren Verlauf des Verfahrens wird auch ein psychiatrischer Sachverständiger sein Gutachten vorstellen, was zur weiteren Einordnung des Tatgeschehens beitragen sollte.
Redaktioneller Hinweis: Der Text wurde am 10. September um 12.30 Uhr ergänzt.















