Im Mordprozess gegen Alexander G. sind bislang über ein Dutzend Zeugen gehört worden. Wenn das Gericht seinen Zeitplan mit fünf Verhandlungstagen einhält, ist zur Wochenmitte die Halbzeit überschritten. Zeit für eine Zwischenbilanz: Was wissen wir bisher über die Tat, welche Erkenntnisse hat der dritte Tag gebracht und wie geht es weiter?
Das lesen Sie im Artikel:
- Was wissen wir bisher?
- Der dritte Prozesstag: Einblicke in Umfeld und Charaktere
- Wie geht es weiter?
Was wissen wir bisher?
Seit dem 3. September steht Alexander G. in Coburg vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, Eva-Maria H. am 30. November 2024 erwürgt und sexuell missbraucht zu haben. Beide kannten sich vom Technischen Hilfswerk (THW).
Bereits am ersten Prozesstag gestand der Angeklagte die Tötung – laut seiner Einlassung sei sie jedoch nicht sexuell motiviert gewesen, sondern durch Beleidigungen ausgelöst worden. Am zweiten Verhandlungstag sprach er erstmals persönlich über die Tat und änderte seine Darstellung: Er habe Eva-Maria H. getötet, weil er keine Chance bei ihr gehabt habe und mit ihr Geschlechtsverkehr wollte.
Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass die Tat bereits früher geplant war, als der Angeklagte zugeben will. Bestätigt ist, dass Alexander G. eine erfundene Freundin namens „Caro“ am Tatabend als Lockmittel benutzte, um ein Treffen mit Eva-Maria H. zu arrangieren. Und eben das führte die Ermittler am Ende zu ihm. Denn als die Wissenschaftlerin noch als vermisst galt, hatte Alexander G. gegenüber der Polizei behauptete, „Caro“ habe ein gemeinsames Treffen mit Eva-Maria H. und ihm an dem Tatabend abgesagt – er konnte aber keine Kontaktdaten liefern. Das machte ihn verdächtig, wie Beamte am zweiten Prozesstag bestätigten.
Während der Suche versuchte Alexander G. zunächst, sich als besorgter Freund darzustellen, schrieb sogar der Getöteten noch Nachrichten. Am 6. Dezember ging er dann zur Polizei, ob das Geständnis der Tat die Folge eines schlechten Gewissens war, wie er es sagte, oder doch eher dem Ermittlungsdruck geschuldet war, konnte bislang nicht geklärt werden. Ein Beamter sagte jedoch, dass Alexander G. seine Aussagen immer dem Ermittlungsstand angepasst habe. Reue zeigte er laut Polizei – aber es habe an Ehrlichkeit gefehlt.
Der dritte Prozesstag: Einblicke in Umfeld und Charaktere
Am dritten Verhandlungstag standen Zeugen im Fokus, die sowohl beruflich als auch privat mit dem Angeklagten und der Verstorbenen zu tun hatten. Ihre Aussagen zeichnen ein vielschichtiges Bild – von kollegialer Zusammenarbeit bis zu persönlichen Spannungen.
Die Arbeitskollegen des Angeklagten beschrieben ihn übereinstimmend als ruhigen, hilfsbereiten und engagierten Mitarbeiter mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Besonders interessiert war das Gericht an Details zu dem Lagercontainer, in dem der Leichnam am Ende in einem Karton gefunden wurde. Dieser Container sei unter anderem zur Lagerung von Dingen genutzt worden, die am Ende in der Müllverbrennung entsorgt werden sollten. Das sei in den Aufgabenbereich des Angeklagten gefallen, bestätigen Zeugen. Hatte der Angeklagte auch vor, den Leichnam so zu entsorgen? Das hatte er bereits am zweiten Prozesstag abgestritten, konnte aber auch keine Antwort darauf geben, was er mit dem Leichnam vorhatte.
Zeugen bestätigen bisherigen Eindruck von Eva-Maria H.
Auch das Bild von Eva-Maria H. wurde am dritten Prozesstag weiter geschärft. Ein Zeuge aus dem Umfeld von Eva-Maria H. beschreibt sie als hochintelligente, sachliche und freundliche Frau. Sie sei sehr datenschutzbewusst gewesen und habe nie konkrete Namen genannt, wenn sie über Probleme sprach. Dennoch habe sie angedeutet, dass es als Frau beim THW Coburg nicht leicht sei – der Zeuge schilderte seinen Eindruck von struktureller Frauenfeindlichkeit, ohne konkrete Beispiele nennen zu können.
Besonders eindrücklich war die Aussage einer Studienfreundin, mit der Eva-Maria H. regelmäßig telefonierte. Sie schilderte sie als offenen, ehrlichen und hilfsbereiten Menschen, der Konflikte stets zu entschärfen versuchte.
Nach ihrem Umzug nach Coburg – mitten in der Pandemie – habe Eva gezielt nach einer sinnvollen Freizeitaktivität gesucht und sich dem THW angeschlossen. Anfangs sei sie begeistert gewesen, habe sich für technische Aspekte interessiert und an ihrer Fitness gearbeitet. Doch das Gruppengefüge sei für weibliche Mitglieder schwierig gewesen. Diesen Eindruck konnte man auch bei der Aussage einer weiteren Zeugin gewinnen.
Eine THW-Kollegin, die sowohl mit dem Angeklagten als auch mit der Verstorbenen außerhalb des THW Kontakt hatte, beschrieb Eva-Maria H. als offene, herzliche und faktenorientierte Wissenschaftlerin mit großem Interesse an vielen Themen. Sie sei sehr wissbegierig gewesen und habe sich gut in die THW-Gruppe eingefunden, obwohl ihr technischer Hintergrund zum Teil fehlte.
Unterstützung habe sie dabei auch vom Angeklagten erhalten. „Er hat ihr viel Technisches gezeigt, auch wo was gelagert wird. Er kannte sich in den Räumlichkeiten gut aus“, berichtet die Zeugin. Doch sie beobachtete auch: „Alex war jemand, der sich um alles kümmern wollte, alles regeln – aber er wirkte oft gestresst.“ Schnell gereizt, als würde ihm „alles etwas zu viel werden.“
Mobbing habe sie nicht erlebt, doch Eva habe das THW als männerdominiert empfunden und sich für mehr Gleichberechtigung eingesetzt.
Wie geht es weiter?
Zwei weitere Prozesstage sind angesetzt: Mittwoch, 17., und Freitag, 19. September. Noch stehen mehrere Zeugenaussagen aus, ebenso das psychologische Gutachten. Die forensischen Sachverständigen hatten bereits am zweiten Verhandlungstag am späten Nachmittag ihr Gutachten vorgetragen – einige Teile wurden aus Opferschutz unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprochen. Auch die Plädoyers werden nicht öffentlich stattfinden – so sieht es die Prozessordnung vor. Ob sie bereits am kommenden Mittwoch gehalten werden, ist noch offen.














