Eine Liebeserklärung an Coburg: So versteht das neue Coburger Prinzenpaar Angela I. und Hubert I. seine Regentschaft in der Saison 2023/24. „Et Hätz schleiht för Coburg“ steht folgerichtig auf dem Prinzenpaarorden, den Sprayer Alex Reuther gemeinsam mit dem Scheuerfelder Paar entworfen hat. Im rheinischen Platt. Der gebürtigen Aachenerin Angela wurde die Liebe zum Karneval sozusagen in die Wiege gelegt.
Das Globe prangt auf dem neuen Orden
Während sie schon als „Mariechen“ auf der Bühne stand, musste ihr aus Oppeln (Oberschlesien) stammender Gemahl den närrischen Frohsinn erst lernen. Mit Erfolg. „Wir freuen uns mit Euch allen auf eine superjeile Zick“, verkündete Angela I. zum Schluss der launigen Antrittsrede am Samstag bei der Prunksitzung im Kongresshaus.
Auf ihrem Orden zu sehen ist auch das Globe. In Coburgs neuem Musentempel fand das Fotoshooting für die „Mohrenpost“ statt. Warum ausgerechnet dort? „Wir sind begeisterte Fans des Coburger Landestheaters“, sagt Hubert Niestroy. Von ihren Stammplätzen 15 und 16 in der Reihe T4 haben die beiden Abonnenten das Geschehen auf der Bühne gut im Blick. „Das sind mit die besten Plätze überhaupt“, ist Angela überzeugt. Seit September 2018 (Angela) respektive September 2019 (Hubert) haben beide ihren Lebensmittelpunkt in Coburg, wo sie sich von Anfang an einbrachten.
Ein Anruf genügte
„Wer könnte es denn machen?“ Vor dieser Frage steht Thomas Eck in jedem Jahr, denn: „In der Regel drängt sich niemand auf.“ Die drei Kriterien, die der Präsident der Narrhalla für die Wahl des Prinzenpaares aufzählte, treffen auf das Ehepaar Niestroy ohne Zweifel zu: Spaß am Leben haben, gern in Coburg leben und Coburg mit Freude zu repräsentieren. „Angela und Hubert leben offensichtlich wahnsinnig gern in Coburg und zeigen hier auch großes Engagement“, sagte Eck. Bewusst spreche die Faschingsgesellschaft alljährlich vom „Prinzenpaar der Stadt Coburg“, nicht nur der Narrhalla.
Mit 64 (Angela) sowie 67 Jahren (Hubert) sind die neuen Regenten rund ein Vierteljahrhundert älter als ihre Vorgänger Jennifer I. (40) und Florian II. (39). Wegen ihres Alters wären wohl die Wenigstens auf die beiden engagierten Scheuerfelder gekommen. „Wir haben bewusst bei den beiden angefragt, denn wir wollten mit Absicht ein reiferes Paar“, berichtete der Präsident. „Damit möchten wir zeigen: Spaß ist alterslos, er hört nie auf.“ Bei den Niestroys rannte Eck mit seinem Anliegen offene Türen ein, wie er meinte: „Ein Anruf – und es war erledigt!“ Mit Grauen erinnerte er sich an eine Session, in der erst das vierte Prinzenpaar den Job am Ende auch tatsächlich übernahm.
„Große Ehre“
Angela dachte bei Ecks Anruf zunächst, sie solle mit ihrem Hubert die neuen Prinzenpaare trainieren, so wie sie es einst in ihrer Tanzschule in Erding taten. Die Niestroys empfanden die Anfrage zur Übernahme der Regentschaft als „große Ehre“. Beim Rathaussturm traten beide der Narrhalla bei. Schon zum Fotoshooting kurz vor Silvester präsentierte sich das Paar perfekt gewandet wie gestylt und in der neuen Rolle zweifellos angekommen. In leuchtendem Blau strahlte ihr Abendkleid ebenso wie sein Smoking. Warum ausgerechnet blau? „Das hat definitiv nichts mit einer politischen Ausrichtung zu tun“, stellte Hubert I. klar. „Rot, gelb oder grün kamen uns zu krachert und schwarz zu trist vor, während uns blau als modisch hinreichend auffällig und elegant erschien.“
“„Selbst Charles war als Prinz deutlich älter als wir.“
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Imke von Berg (Coburg) und Johann Neugebauer (Ahorn) ergänzen als „kleines“ Paar die Coburger Regentschaft. Die Neunjährige wurde von ihrer Turnlehrerin gefragt, ob sie die Rolle übernehmen möchte. Ihren Prinzen wählte die junge Coburgerin dann selber aus. „Nach kurzer Überlegung habe ich ,Ja’ gesagt“, sagt der Noch-Neunjährige.
Darum lieben sie Coburg
In seiner Rede kokettierte das große Prinzenpaar mit dem Alter: „Wir sind reich an Alter und grauem Haar, auch mit kurzem Atem“, meinte Angela I. Immerhin habe sich die Seniorenbeirätin gedacht: „Selbst Charles war als Prinz deutlich älter als wir.“ Hubert I. verkündete, warum beider Herz für Coburg schlägt: „Bezaubernd, weltoffen und gastfreundlich für Mensch und Tier, darum lieben wir Coburg, darum leben wir hier.“ Zur Prunksitzung hatte das Paar 24 Gäste aus Hamburg, Köln, Ulm und München respektive Erding eingeladen, von denen nur vier eingeweiht waren, wie Angela vorab verriet.
Karitativ tätig
Auf das Paar wartet eine intensive, da kurze Session: Kinderfasching am 4. Februar, Gaudiwurm durch die Coburger Innenstadt am 11. Februar, Rosenmontagsparty „Karneval total“ am 13. Februar und Abschluss schon am 14. Februar. Reut es beide nicht, dass nach dreieinhalb Wochen ihre Regentschaft wieder Geschichte sein wird? „Bedauerlich wäre es, wenn durch die Ballung der Termine die eine oder andere Hingabe leidet, aber wir werden für die Narrhalla noch das ganze Jahr über karitativ unterwegs sein“, betont Hubert I.
Allein bis Aschermittwoch stehen 22 Termine in sozialen Einrichtungen, Schulen und Kindergärten an. Ihre „Amtszeit“ ende erst mit der Prunksitzung 2025. Von den Einnahmen möchten die beiden Scheuerfelder das Frauenhaus, das Hospiz, das Sozialkaufhaus „Echt herzlich“ und eventuell noch das Tierheim mit einer Futterspende unterstützen.
Steckbrief des neuen Prinzenpaares
Angela I.
Lebensmotto: „Ich entscheide ganz allein, wer oder was mich ärgert.“
Alter: 64 Jahre, geboren 1959 in Aachen
Beruf: Groß- und Außenhandelskauffrau, Tanzlehrerin, jetzt „Unruheständlerin“
Lieblingsessen: Pasta in allen Variationen
Lieblingsgetränk: Schorle, Gin Tonic, Eierlikör, Limoncello Spritz. Aber: „Generell brauche ich keinen Alkohol, um in Stimmung zu kommen.“
Liebste Beschäftigung: mein Prinz Hubert, unsere Hunde, Tanzen, Musik, gutes Essen
Liebste Musik: Klassik, Beatles, Pink Floyd, Elton John, Sting, Kölsche Karnevalsbands
Das mag ich besonders: Spaß, gute Freunde, offene und ehrliche Menschen, neue Leute kennenlernen, Krimis, bunte Brillen
Das kann ich nicht ausstehen: Lügen, schlechtes Benehmen, Respektlosigkeit, Schummeln (bei Gesellschaftsspielen), flache Witze, Austern und Kaviar
Ehrenamtliches Engagement: Seniorenbeirat, im Hospiz, im VdK, im Bürgerverein Coburg-Scheuerfeld
Hubert I
Lebensmotto: „Mach! Im schlimmsten Fall wird„s’ne Erfahrung.“
Alter: 67 Jahre, geboren in Oppeln/Oberschlesien
Beruf: Dipl. Ing., Oberstleutnant a.D., Leitender Regierungsdirektor a.D., Tanzlehrer und Etikettetrainer, jetzt „Genusspensionär“
Lieblingsessen: Fisch und Gemüse
Lieblingsgetränk: „Da halte ich es biblisch: Wasser und Wein!“
Liebste Beschäftigung: meine Prinzessin Angela, Tanzen, Tanz unterrichten, Musik, sehr gutes Essen, das Leben
Liebste Musik: Swing und lateinamerikanische Musik
Das mag ich besonders: Gute Gespräche, Neues (kennen)lernen, Menschen
Das kann ich nicht ausstehen: Unehrlichkeit, Unzuverlässigkeit, Unhöflichkeit
Ehrenamtliches Engagement: Vorsitzender des Bürgervereins Coburg-Scheuerfeld
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