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Immer höhere Kosten drohen
Landestheater will den Gürtel enger schnallen - aber wann?
Das Globe dient zurzeit als Interimsspielstätte des Coburger Landestheaters.
Das Globe dient zurzeit als Interimsspielstätte des Coburger Landestheaters. // Archiv/Jochen Berger
Coburg – Ein vom kaufmännischen Direktor präsentierter Bericht ließ im Coburger Stadtrat viele Fragen offen. Kritisiert wurde, dass es bislang noch keine konkreten Sparpläne für die kommende Spielzeit gibt.

Sagen wir es mal so: Bernd Vorjans, der kaufmännische Direktor des Coburger Landestheaters, bekam am Donnerstag für seinen Auftritt im Coburger Stadtrat deutlich weniger Beifall als die Künstlerinnen und Künstler im Globe oder in der Reithalle.

Erfolgreiche Spielzeit 2024/2025 

So konnte Bernd Vorjans zwar von einer erfolgreichen Spielzeit 2024/2025 berichten. Doch bereits die Tatsache, dass er lediglich von den erzielten Einnahmen durch den Ticketverkauf berichtete, die Ausgabensituation aber nahezu ausklammerte, brachte ihm Kritik ein. Als der kaufmännische Direktor dann auch noch erklärte, dass sich die Führungsspitze des Landestheaters erst im September Gedanken machen werde, wie sich in der Spielzeit 2025/2026 noch Kosten sparen lassen, wurde der Unmut größer.

 „Enttäuscht von diesem Bericht“ 

Christina Vatke (CSU/JC) sprach von einem „verheerenden Bild für die Führungsebene“. Matthias Schmidt (Volt) bezeichnete Vorjans Präsentation als „ausbaufähig“. Pit Kammerscheid (Pro Coburg) sagte unumwunden: „Ich bin enttäuscht von diesem Bericht.“ 

Das Landestheater am Coburger Schlossplatz wird zurzeit nicht bespielt. Bis zur geplanten Sanierung dient das Globe am ehemaligen Güterbahnhof als Interimsspielstätte.
Das Landestheater am Coburger Schlossplatz wird zurzeit nicht bespielt. Bis zur geplanten Sanierung dient das Globe am ehemaligen Güterbahnhof als Interimsspielstätte. // Foto: Oliver Schmidt

Dabei hatte Bernd Vorjans durchaus selbstkritisch begonnen. Der Start in die Spielzeit 2024/2025 sei „zäh“ gewesen. Er erinnerte an die Tonprobleme bei „Don Carlos“. Doch dann wurde alles besser. Bis zum Ende der Spielzeit konnten insgesamt etwas mehr als 84.000  Eintrittskarten verkauft werden. Dies bedeutete laut Angaben von Bernd Vorjans Einnahmen von 1,9 Millionen Euro. 

Weniger Vorstellungen, weniger Karten

Aber: Im Vergleich zur Spielzeit 2023/2024 ist der Kartenverkauf um rund fünf Prozent zurückgegangen. Vorjans begründete dies damit, dass es auch 16 Vorstellungen weniger gegeben habe.

Was waren die Publikumsrenner?

„Publikumsrenner“ seien – neben dem Familienstück „Meister Eder und sein Pumuckl“ – vor allem die „Rocky Horror Show“, „Chicago“ sowie die „Comedian Harmonists“ gewesen. Ein hohes künstlerisches Niveau bescheinigte Vorjans der Oper „Il Trittico“, was wichtig für die „Visitenkarte“ des Landestheaters sei.

Ihr „kleiner, grüner Kaktus“ ist bis heute beliebt: Die Schauspieler des Landestheaters werden zu den „Comedian Harmonists“ - und begeistern bei der Premiere das Publikum.
Ihr „kleiner, grüner Kaktus“ ist bis heute beliebt: Die Schauspieler des Landestheaters werden zu den „Comedian Harmonists“ - und begeistern bei der Premiere das Publikum. // Sylvain Guillot

Als „absoluter Renner“ habe sich auch das Ein-Frau-Stück „Prima Facie“ erwiesen: Alle Vorstellungen, die im Sitzungssaal des Landgerichts stattfanden, waren ausverkauft. Wie Bernd Vorjans sagte, gebe es derzeit Überlegungen, das Stück noch einmal neu in den Spielplan aufzunehmen.

Sehr gute Zahlen hätten auch die Ballettsparte und die Sinfoniekonzerte eingespielt.

Theaterball erst wieder 2027

Obwohl der Theaterball, der 2025 zum ersten Mal veranstaltet wurde, sehr erfolgreich war, wird es 2026 keine Wiederholung geben. Stattdessen kündigte Bernd Vorjans an, dass erst für das Jubiläumsjahr 2027 ein weiterer Theaterball geplant ist.

200. Geburtstag: Festwoche geplant

Apropos Jubiläumsjahr: Der 200. Geburtstag des Coburger Theaters soll während der gesamten Spielzeit 2026/2027 gewürdigt werden, wie Vorjans ausführte. Als Höhepunkt soll es im Juni 2027 „verschiedene Sonderaktivitäten“ geben, unter anderem eine Ausstellung, einen Festakt und eine Festschrift. Während einer Festwoche sollen „alle unsere Häuser“ bespielt werden, zum Beispiel auch das Werkstättengebäude in Cortendorf.

Open-Air-Konzert auf dem Schlossplatz?

Bernd Vorjans berichtete, dass man sich zudem Gedanken über ein Open-Air-Konzert „auf dem Schlossplatz oder vielleicht auch anderswo“ mache.  Dies wäre allerdings mit Kosten verbunden, die nicht im regulären Budget des Landestheaters enthalten sind. Deshalb wolle man sich um Sponsoren bemühen.

Derzeit wird der Bereich rund ums Globe in Coburg neu angelegt.
Derzeit wird der Bereich rund ums Globe in Coburg neu angelegt. // Foto: Oliver Schmidt

Auch in der Aussprache zum Bericht von Bernd Vorjans ging es vor allem um die finanzielle Situation des Landestheaters. Zumal aktuell noch Tarifverhandlungen laufen, an deren Ende deutlich höhere Personalkosten stehen dürften.

Weil Vorjans die Formulierung verwendete, dass es „ans Eingemachte“ gehen könnte, wollte Petra Schneider (SPD) wissen: „Ab wann wollen sie ans Eingemachte gehen?“

Große Produktionen etwas kleiner machen?

Daraufhin kündigte Vorjans an, dass sich die Theaterleitung im September noch einmal Gedanken über Einsparmöglichkeiten für die Spielzeit 2025/2026 machen werde. Er räumte allerdings ein, dass die Möglichkeiten begrenzt seien. Aber: Es gebe Möglichkeiten! Bestimmte „große Produktionen“ könnten zum Beispiel „nicht mehr so groß“ gemacht werden.

Bauarbeiten rund ums Globe Coburg

Bauarbeiten rund ums Globe Coburg

Für die Spielzeit 2026/2027 müsste dann aber „ganz anders“ geplant werden und möglicherweise auf die eine oder andere Premiere verzichtet werden. Dass es sich dabei dann aber ausgerechnet um die „Jubiläumsspielzeit“ handelt, erwähnte Vorjans in diesem Zusammenhang nicht.

Andreas Engel (fraktionslos) kritisierte ebenfalls den Vortrag von Vorjans. „Es wäre eine großartige Chance gewesen, ein Konzept für die kommende Spielzeit vorzustellen.“ Außerdem bezeichnete er es als „schade“, dass der Halbjahresbericht alleine vom kaufmännischen Direktor vorgestellt wurde und nicht gemeinsam von der zweiköpfigen Führungsspitze.

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