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Coburg: Der etwas andere Blick auf die Krönung
London fiebert der Krönungszeremonie entgegen – Coburg, die Stadt der Vorfahren von Charles III. auch.
London fiebert der Krönungszeremonie entgegen – Coburg, die Stadt der Vorfahren von Charles III. auch. // Andreea Alexandru/AP/dpa
Coburg – Braucht Charles noch Tipps? Wie ist es, „König“ zu sein? Und gibt es eigentlich nicht nur einen „King“? Wir haben in Coburg nach Antworten gesucht.

„Die Welt blickt nach London: Charles III. wird zum König gekrönt. Wir werfen einen etwas anderen Blick auf diese Zeremonie und sprechen mit Menschen aus Coburg, die einen gewissen Bezug dazu haben.

„Ich bin schon immer König!“

Detlef König vom Coburger Lokalsender Radio Eins
Detlef König vom Coburger Lokalsender Radio Eins // privat

Die ganze Welt schaut nach London, weil jemand jetzt auch offiziell zum König wird? Wir haben in Coburg jemanden gefunden, der diese ganze Aufregung gar nicht versteht. Denn: „Ich bin schon immer König!“ Eine extra Krönungszeremonie habe es dafür gar nicht gebraucht…

Ja, Detlef König, Produzent beim Coburger Lokalsender „Radio Eins“, ist sehr zufrieden mit seinem Nachnamen. Klingt schön, liest sich gut. Und: „Es gibt auch nie Probleme mit der Schreibweise!“ Anders sei das etwa bei seinem Kollegen Torsten Hanft. „Da fragt der eine oder andere schon mal, ob da hinten wirklich noch ein ,t‘ dran ist oder nicht.“

Audienz bei Freunden

Doch zurück zu Charles III.: Nein, sagt Detlef König, er werde sich die stundenlangen Fernsehübertragungen am Samstag nicht anschauen. „Wieso sollte ich? Da habe ich Besseres zu tun.“ Vielleicht ja, wie er schmunzelnd anmerkt, die eine oder andere „Audienz“ bei Freunden.

Sehr viel mehr fiebert Detlef König einem Ereignis entgegen, dass eine Woche später, am Samstag, 13. Mai, in Coburg stattfindet: Bei der großen Abschiedsparty im Landestheater (Beginn: 22.30 Uhr) wird er zusammen mit seinem Radiokollegen Thomas Apfel sowie Schauspieldirektor Matthias Straub als DJ für Musik sorgen. Übrigens: Einlassbändchen gibt es noch im Vorverkauf für 5 Euro an der Theaterkasse.

„Jetzt gibt es noch einen King!“

Helmut Radermacher (links) gilt als größter Elvis-Fan von Coburg und auch noch weit darüber hinaus.
Helmut Radermacher (links) gilt als größter Elvis-Fan von Coburg und auch noch weit darüber hinaus. // privat

In London wird ein „King“ gekrönt? Da muss der Coburger Helmut Radermacher natürlich schmunzeln: „Der Begriff ,King‘ ist seit 1956 eigentlich belegt – und zwar von nur einer einzigen Person.“ Helmut Radermacher meint natürlich Elvis Presley, dessen Karriere Mitte der 1950er Jahre begann und der schnell den Beinamen „King of Rock’n’Roll“ verliehen bekam.

„Ich mag den Charles!“

Helmut Radermacher gilt als einer der größten Elvis-Fans überhaupt. 1958 gründete er den ersten Elvis-Fan-Club Deutschlands. Im Gespräch mit dem Tageblatt sagt er allerdings mit Blick auf den weiteren „King“, den es jetzt gibt: „Ich mag den Charles!“ Vor allem, weil sich dieser schon frühzeitig sehr für den Umweltschutz engagiert habe. Dass Charles von vielen Menschen lange Zeit eher belächelt wurde, findet Helmut Radermacher gemein. „Wenn ich auf seinen Lebensweg schaue, dann sage ich: Alle Achtung!“

„Händchen halten? Lieber mit Jenny als mit Camilla!“

Jenny Schur-Schmidt und Florian Schmidt sind die Regenten der Coburger Narrhalla.
Jenny Schur-Schmidt und Florian Schmidt sind die Regenten der Coburger Narrhalla. // Stefanie Barbare

Sollte Charles noch Tipps brauchen, wie sich eine Krönungszeremonie gut über die Bühne bringen lässt, kann er ja bei Jenny Schur-Schmidt und Florian Schmidt nachfragen. Die beiden haben ihre Inthronisation nämlich bereits hinter sich. Bei der Prunksitzung der Coburger Narrhalla wurden sie im Januar als neues Prinzenpaar ins Amt eingeführt. Richtig „gekrönt“ wurde allerdings nur „Jenny I.“ – für „Florian II.“ gab’s als Insigne lediglich ein mit einer Bratwurst verziertes Zepter.

Sekt zur Beruhigung

„Ich war ziemlich aufgeregt“, erinnert sich Florian Schmidt. „Aber Jenny und das Team von der Narrhalla konnten mich beruhigen!“ Es habe ihm auch geholfen, vor der Zeremonie ein Gläschen Sekt zu trinken. Dass es Florian außerdem ganz schön fand, mit Jenny in diesem wichtigen Moment Händchen halten zu können, versteht sich fast schon selbst. Ansonsten hätte er – falls Charles nachfragen sollte – vor allem einen Rat: „Immer lächeln!“

Jenny sagt, dass es ihr geholfen habe, sich vor der Zeremonie noch einmal komplett abzulenken. „Die zwei Frauen, die sich um meine Haare und mein Make-up kümmerten, waren sehr locker drauf und haben mit mir über alles mögliche gesprochen – nur nicht über die bevorstehende Inthronisierung.“ Dadurch sei sie nochmal „heruntergeholt“ worden und konnte anschließend auch Florian beruhigen.

Krönchen ist ein Diadem

Was das Krönchen betrifft, muss Jenny allerdings etwas einräumen: „Eigentlich ist es ein Diadem! Denn es ist hinten offen.“ Vom Gewicht her dürfe es trotzdem nicht unterschätzt werden. „Anfangs hat es auch ziemlich gedrückt.“ Bei einem Optiker habe sie sich das schmucke Glitzerteil deshalb noch ein bisschen aufweiten lassen.

Ein perfekter Sitz sowohl vom Krönchen als auch von den Haaren ist zwar wünschenswert, doch bei den vielen Terminen, die ein Prinzenpaar während der „fünften Jahreszeit“ zu absolvieren hat, ist das gar nicht immer möglich – und: Es ist auch gar nicht immer notwendig. So denkt Jenny vor allem an die Besuche in Kindergärten zurück: „Für die kleinen Mädchen sind mein Kleid und mein Krönchen wichtig – die Frisur nicht!“

Die lieben Verwandten

Das britische Königshaus hat fränkische Wurzeln. Davon abgesehen, dass das heutige „Haus Windsor“ bis zum Ersten Weltkrieg „Haus Sachsen-Coburg und Gotha“ hieß: Charles III. ist ein Ur-ur-ur-Enkel von Coburgs Prinz Albert und dessen Frau, Queen Victoria.

Trotzdem: Die Verwandtschaft aus Franken wurde nicht zur Krönungszeremonie nach London eingeladen. Das überrascht aber kaum, denn das Verhältnis zwischen den beiden Adelshäusern gilt vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg als schwierig.

Coburger Herzogshaus schweigt

Auf Nachfrage will sich das Coburger Herzogshaus auch gar nicht weiter zur bevorstehenden Krönung äußern. Zarte Annäherungsversuche gab und gibt es dennoch: So plant Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha eine Tour mit seinem Handbike durch England. Dann soll London besucht werden und im Idealfall auch Charles. Andreas hatte das vor kurzem in einem Interview mit dem Coburger Tageblatt anlässlich seines 80. Geburtstages angekündigt. Ein Termin für die Tour steht noch nicht fest. Offen ist zudem, ob Charles seinen Verwandten aus Coburg empfangen wird. Zur Erinnerung: Als die Stadt Coburg 2016 der damaligen Queen Elizabeth II. einen Weihnachtsbaum schenkte und vor Schloss Windsor aufstellte, ließ sich niemand von der Königsfamilie blicken – obwohl auch Prinz Andreas zur Coburger Delegation gehörte.

„Queens“ wird nicht zum „Kings“

Als Elizabeth starb und mit Charles plötzlich ein King an der Spitze Großbritanniens stand, änderte sich einiges. Zum Beispiel: In der Nationalhymne heißt es jetzt nicht mehr „God save the queen“, sondern „God save the king“.

Und in Coburg? Nein, erklärte uns Inhaber Wolfgang Schubart bereits damals, sein Café „Queens“ müsse jetzt nicht in „Kings“ umbenannt werden. Die Erklärung ist ganz einfach: Mit dem Namen ist nicht Queen Elizabeth II. gemeint, sondern Queen Victoria, die Gemahlin des Coburger Prinzen Albert. Und die beiden sollen auch künftig – am Albertsplatz! –eine „Café-Einheit“ bilden. Denn das „Queens“ befindet sich schräg gegenüber vom Café mit dem Namen „Prinz Albert“, das allerdings seit einiger Zeit geschlossen ist und zuletzt vorübergehend als Corona-Test-Station genutzt wurde.

Übrigens: Die Stadt Coburg wollte ursprünglich auch das von Queen Victoria spendierte

Victoria enthüllte das Denkmal

Prinz-Albert-Denkmal auf jenem Albertsplatz errichten. Doch die Queen protestierte: Das Denkmal sollte bitteschön auf den größten und zentralsten Platz. So wurde das Denkmal am 26. August 1865 auf dem Coburger Marktplatz enthüllt – von Victoria persönlich.

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