Halle 3.0 bekommt ein rotes Kreuzchen im Ausstellerverzeichnis der Frankfurter Buchmesse, die heute eröffnet wird. Gleich zwei Verlage präsentieren Neuerscheinungen einer Coburgerin. Christine Rechl, Grafikdesignerin und Autorin verschiedenster Bastel- und Do-it-yourself-Bücher, stellt beim Pattloch-Verlag Orakelkarten zu den Rauhnächten vor. Für die Münchner Verlagsgruppe hat sie ein Herbstbastelbuch geschrieben und gestaltet. Das hat es bereits auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft. Wir haben sie in ihrem Atelier in der Rosengasse getroffen.
Christine Rechl, basteln Sie eigentlich selbst gerne? Und ist es nicht unglaublich anstrengend, für ein Buch die ganzen Ideen zu bekommen und dann auch noch umzusetzen?
Christine Rechl: Ich bastle gerne – wenn ich erst einmal damit angefangen habe. Dann macht es mir Spaß, mir etwas auszudenken. Aber bevor ich mit einem Bastelbuch loslege, schiebe ich es ein wenig vor mir her.
Ideen zu haben, das war noch nie mein Problem. Das geht ganz schnell. Ich mache mir vor einem neuen Buch eine Liste mit möglichen Projekten, eine Art Brainstorming. Manchmal hat das Lektorat auch Wünsche, was drin sein soll, die nehme ich dann auch gerne auf. Ich recherchiere bewusst wenig im Internet, denn ich will nichts nachmachen und möglichst Ideen präsentieren, die man so nirgends sonst findet.
Habe ich eine Idee, versuche ich sie auf meine Weise umzusetzen. Genauso, wie ich immer ohne Rezept koche, bastle ich auch ohne „Rezept“. Ich bin da eher wie die Kinder, die einfach loslegen. Anleitungen brauchen eher die Eltern, und es kürzt natürlich den Weg ab.
Es ist durchaus anstrengend, das alles umzusetzen. Denn ich muss die einzelnen Schritte dokumentieren und fotografieren, so dass das Ganze nachvollziehbar und wiederholbar ist. Das braucht viel Zeit. Beim aktuellen Herbstbastelbuch gab es auch das Problem, dass die Kastanien natürlich längst vertrocknet waren, bis ich soweit war. Aber wenn man sie einweicht, sehen sie aus wie neu.
Das Bemalen von Steinen ist ein Steckenpferd von Ihnen. Gibt es eine besonders schöne Erinnerung an ein Erlebnis mit Steinen, das Sie geprägt hat?
Ich habe als Kind sehr gerne Steine bemalt, wie wahrscheinlich viele meiner Generation. Als ich dann 2019 in Kanada war, habe ich das für mich wieder entdeckt. Da habe ich eine Künstlerin getroffen, die mich ermuntert hat, mir Farben zu kaufen, mich an den Strand zu setzen und Steine zu bemalen. Das habe ich dann getan – dabei ist der Wunsch entstanden, ein Buch daraus zu machen. Die Steine von damals sind meine Lieblingssteine – auch wenn sie ganz einfach sind.
Der Trend schwappte damals von USA und Kanada nach Deutschland. Ich wusste das damals gar nicht, hatte aber anscheinend genau die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt. Aus dem einen Buch sind dann drei geworden. Lieblingssteine, Lieblings-Worte und Magische Lieblingssteine.
Auch spielen immer wieder die Rauhnächte eine Rolle. Was fasziniert Sie an diesem Thema?
Auch das ist ein Thema, das im Grunde an meine Kindheit anknüpft. Ich halte zwar nichts von dem ganzen Aberglauben, der sich um diese Zeit des Jahres rankt, aber dass die Zeit zwischen den Jahren eine ganz besondere ist, das habe ich immer schon so empfunden.
Meine Mutter hat immer gesagt, an Heiligabend würden um Mitternacht die Tiere sprechen, das habe ich zwar immer verschlafen, aber gemerkt habe ich es mir. Ich träume zwischen den Jahren meist sehr viel, und habe die ganze Zeit das Gefühl, auf etwas zu warten. Die Dunkelheit der Tage erleichtert den Blick nach innen, und so fühle ich mich dem Gedanken an eine existierende Anderswelt, an eine Welt, die wir nicht begreifen, näher als sonst.
“„Wenn man sich in den Rauhnächten Zeit für sich nimmt, Tagebuch schreibt, in die Natur geht oder Orakelkarten zieht, dann ist das ein schöner Jahresausklang und eine gute Vorbereitung für das neue Jahr.“
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In meinen Orakelkarten finden sich keine Zukunftsprognosen, auch davon halte ich nichts. Es sind Denkanstöße zu Wörtern, Krafttieren und Symbolen, Meditationen oder Gedankenreisen. Das Geheimnis solcher Texte ist, dass sie so geschrieben sind, dass man sich verschiedene Aspekte rausholen kann, die für einen selbst passen. Was gar nicht passt, wird man schnell vergessen. Aber wenn zufällig etwas genau zur momentanen Situation passt, oder einen Aspekt beleuchtet, den man bisher zu wenig beachtet hat, dann helfen solche Karten dabei, sich neu zu zentrieren und auszurichten. Nicht nur zur Weihnachtszeit, aber da ganz besonders.
Sie schreiben Kurzgeschichten und sind mit einem Förderpreis ausgezeichnet worden. Was steckt dahinter?
Seit 2019 habe ich zwei Autorenausbildungen absolviert. Zum einen das Fernstudium Prosaschreiben bei der Textmanufaktur, zum anderen die Autorenausbildung am Schreibhain Berlin. Dabei habe ich meine Liebe zu Kurzgeschichten entdeckt, und wie gut es funktioniert, aus einem vorgegebenen Satz in fünfzehn Minuten eine Geschichte entstehen zu lassen. Ich bewarb mich mit dem Projekt „Erste Sätze“ um das Stipendium „Junge Kunst und neue Wege“ und habe das Stipendium tatsächlich bekommen – Geld, das ich ausgeben musste, zum Beispiel für eine Website.
Seitdem habe ich eine neue Website christinerechl.de, und ich durfte das Projekt bei den Texttagen Nürnberg vorstellen, was mir sehr viel Freude bereitet hat. Ich würde es gerne auch als Kurs bei mir im Atelier fortführen, aber da ist gerade Wasserschaden. Vielleicht klappt es ab Dezember.
Wollen Sie uns von Ihrem ersten Roman erzählen, an dem Sie bereits schreiben? Um was wird er sich drehen und wann kann man mit der Veröffentlichung rechnen?
Es geht darin um Clementine, sie ist Designerin und begegnet in Thüringen elf Schafen, die mit ihr zu sprechen beginnen. Ich will jetzt nicht zu viel verraten, aber es geht auf jeden Fall um die großen Themen, um Religion und Kirche, und die Frage, wie unser Planet heute aussehen würde, wenn wir uns nicht als die Herren der Schöpfung gesehen hätten. Es soll kein „Philosphie-light-Roman“ mit erhobenem Zeigefinger werden, sondern eine gut zu lesende Geschichte.
Und es geht um die unterschätzte Intelligenz von Schafen, als Sinnbild für die Vorherrschaft der Extrovertierten, unter der die vielen Introvertierten leiden. Dieses Jahr möchte ich den Text fertig schreiben. Das Projekt wird vermutlich schwer einen Verlag finden, weil es in keine Schublade passt. Ich habe es in Berlin zum Abschluss gepitcht, das hat mir die Anfrage eines Verlages gebracht, der möchte, dass ich mit ihnen zusammenarbeite. Ihnen hat mein Stil gut gefallen, ich werde für sie eine Geschichte entwickeln – mit Tieren –, dann sehen wir weiter. Darauf freue ich mich sehr.
Kreativ durch den Herbst
15 Euro, MVG
Dank detaillierter Beschreibungen und Vorlagen gelingen auch raffinierte Projekte spielend leicht. Praktische Schritt-für-Schritt-Anleitungen sorgen für herbstliches Bastelvergnügen.
Jahr der Wunder
Das Rauhnächte-Spiel
15 Euro, Pattloch
40 Orakelkarten mit überlieferten und neuen Rauhnächte-Ritualen und deren Bedeutung.
Die Energie der Rauhnächte
52 Orakelkarten
15 Euro, Pattloch
Mit dem Orakelkarten-Set kann die Magie der Rauhnächte genutzt werden, um zu sich selbst zu finden, Klarheit über die Gefühle, Vorhaben und Ziele zu erlangen und Kraft für das neue Jahr zu gewinnen.
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