Für Trauer und depressive Stimmung war am Samstagmorgen jedoch kein Platz. Das Philharmonische Orchester des Landestheaters Coburg verstand es meisterlich, das Publikum unter dem Motto „I could have danced all night“ musikalisch zu verwöhnen. Unter der Leitung des Generalmusikdirektors Daniel Carter standen Musik, Tanz und Freude auf dem Programm. Das Neujahrskonzert war geprägt von Eindrücken aus Ländern von Italien bis New York, von Klängen des 19. und 20. Jahrhunderts, aber vor allem durch die Vielfalt an Rhythmen, die von Polka über Walzer bis Tango reichten.
Aus der Weihnachtsruhe geholt
Nach der Eröffnungsrede des Oberbürgermeisters Dominik Sauerteig, oblag es Carter, der über 35 Jahre andauernden Tradition der Neujahrskonzerte der Stadt Coburg einen weiteren Höhepunkt zu bescheren.
Zu Beginn hatte Carter Teuflisches geplant: Mit dem Mephisto-Walzer Nr. 1 „Tanz in der Dorfschenke“ lockte er die Besucher aus der gemächlichen Ruhe der zurückliegenden Weihnachtszeit. Die diabolischen Klänge eines der bekanntesten Werke Franz Liszts befeuerten die Lust auf wilden Tanz und verführten dazu, die nüchternen Informationen des Programmheftes zur Seite zu legen, sich den vielschichtigen Melodien des Orchesters zu öffnen und einem zauberhaften Geigenspiel zu folgen.
Gioachino Rossinis „Tarantella La Danza“ entführte gedanklich in das sonnendurchflutete Italien, während die charmante Mezzosopranistin Emily Lorini gesanglich glänzte. Die Amerikanerin, die am Landestheater seit der Spielzeit 2018/2019 wirkt, ist den Coburgern unter anderem aus der Titelrolle der Carmen oder als Marguerite in „La damnation de Faust“bekannt.
Das Konzert als Gesamtkunstwerk
Elegant ging es mit Ausschnitten aus Benjamin Brittens „Gloriana Suite The Courtly Dances“ weiter, deren königlich-höfisches Flair Béla Bartóks Rumänische Volkstänze im Folgenden mit feurigeren Tönen kontrastierte. Nach Schostakowitschs Walzer Nr. 2 aus der „Suite für Varieté Orchester“ fand der erste Teil in den lebendig gespielten Takten der Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauss (Sohn) seinen Höhepunkt.
Tatkräftige Unterstützung erhielt Daniel Carter von seinen Kollegen des Theater-Direktoriums, Schauspieldirektor Matthias Straub und Operndirektor Neil Barry Moss. Beide, Straub und Moss, vollbrachten das Kunststück, aus allen präsentierten Werken in schalkhafter Manier ein homogenes Ganzes zu formen. So überbrückte Straub die Übergänge, indem er humorvoll das Gebiet der klassischen Musik mit schauspielerischem Wissen unterfütterte. Neil Barry Moss dagegen verwickelte Carter in ein amüsantes Musikquiz.
Die vergnüglichen Zwischenspiele durchzogen auch den locker beschwingten zweiten Teil, der gleich zu Beginn ein Highlight bot: Emily Lorini begeisterte das Publikum mit dem Titelsong des Tages, Frederick Lowes’ „I could have danced all night“ aus „My Fair Lady“. Der Tango des Komponisten Isaac Albéniz brachte die Atmosphäre Spaniens auf und das Stück des Österreichers Karl Komzáks, „Badner Madln“, ebnete den Weg für Schostakowitschs „Tahiti Trot“.
Elektrisierend für beide Seiten
Schließlich nahm Carter das Publikum mit auf einen Abenteuerausflug nach New York, den die drei Matrosen in Leonard Bernsteins „Three Dance Episodes – from On the Town“ laut Carter so erlebten, wie man es sich bei drei Matrosen vorstelle, wenn sie 24 Stunden in dieser Stadt aufhielten. Das Publikum entlockte Carter sogar zwei Zugaben, die er mit „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauss (Sohn) und dem „Radetzky-Marsch“ des Vaters temperamentvoll erfüllte.
Daniel Carter war die Freude am Neujahrskonzert anzusehen. In einem Gespräch nach der Veranstaltung zeigte sich bewegt von dem Gefühl, „dass es die Coburger genießen“ und war voller Dankbarkeit für die Momente mit dem Publikum, die er als „elektrisch“ beschrieb.
Noch von der mitreißenden Energie des Konzerts durchströmt, gestand er eine seiner Leidenschaften ein: Carter liebt ausgefallene Socken. Beim Neujahrskonzert am Samstag trug er zu seinem dunklen Anzug und dem weißen Hemd mit Krawatte ein Paar in jenem leuchtend. Zu seinen speziellen Favoriten zählen aber auch orangefarbene mit dem Emblem einer Fledermaus. „Die ziehe ich an, wenn ich die Fledermaus dirigiere“, sagte der Generalmusikdirektor. Coburg bleibt er vorerst erhalten, denn Carter hat erst kürzlich seinen auslaufenden Vertrag verlängert.
Vorverkauf für 2025
Besucher des Neujahrskonzerts hatten bereits direkt bei Ankunft am Einlass, also noch vor Veranstaltungsbeginn, nach Karten für das Neujahrskonzert im kommenden Jahr gefragt. Bereits in der Pause waren rund 50 Prozent der Tickets für die Veranstaltung 2025 verkauft, sagte Anne Gladitz von der Pressestelle des Landestheaters. Allerdings werden aufgrund des geringeren Platzangebots in der Ausweichsspielstätte Globe weniger Karten zur Verfügung stehen.
Wer die Veranstaltung besuchen möchte, kann über www.landestheater-coburg.de Tickets erwerben. Die Theaterkasse vor Ort steht ab Dienstag zur Verfügung.
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