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„Aschenbrödel“ in Coburg
Eine gelungene Premiere mit fein aufgehängter Unterwäsche
Gelungen: Ballett-Premiere Aschenbrödel Landestheater Coburg
Der Prinz kommt! Der Prinz kommt! Yuriya Nakahata und Chi-Lin Chan als Stiefschwestern, Karina Campos Sabas (im Hintergrund) als Aschenbrödel und Goh Shibata als Stiefmutter in Erwartung. Links hinten Lucas Correa Santos als Fuchs. // Foto: Christina Iberl
Signet des Fränkischen Tags von Carolin Herrmann
Coburg – Wer von Walzern nicht genug kriegen kann – hier kriegt er genug. Oder je nach eigenem Fassungsvermögen zumindest sehr, sehr viel.

Ballettdirektor Mark McClain hat am Landestheater Coburg sein vor fast zehn Jahren mit Entzücken erlebtes „Aschenbrödel“ nach Fragmenten von Johann Strauss (Sohn) nochmals aus der Asche erstehen lassen.

Und das Landestheater heimste nach der Premiere am Samstag im vollen Globe anhaltenden Jubel ein. Warum auch nicht, wenn es vielen Spaß macht?  Doch es hat einen Grund, warum dieses einzige Ballett von Johann Strauss (1825 – 1899) nur selten auf die Bühnen geholt wird. Mal davon abgesehen, dass es ohnehin erst durch den Ballettdirektor und Dirigenten der Wiener Hofoper, Josef Bayer nach dem Tod von Strauss instrumentiert und zur Bühnen-Tauglichkeit gebracht wurde.

Es ist musikalisch recht eindimensional. 2016 stieg McClain geschickt ein in den Coburger Strauss-Hype. Der Walzerkönig war bekanntlich 13 Jahre Coburger Staatsbürger, wenn auch nach der durch Ernst II. ermöglichten Scheidung und Wiederverheiratung mit der geliebten Adele Deutsch nie wieder hier gesehen. 

Diesmal gibt McClain mit seinem Handlungsballett um das trotz aller Schikane durch Stiefmutter und Stiefschwestern stets lieb bleibende Mädchen alles, was er an Niedlichkeit in sich finden kann. Die eindrucksvoll-witzigen Tierwesen Fuchs und Ratte begleiten und schützen das Mädchen. Weiße plüschige Tanzmäuse, ein hinreißendes Kinderballett, dürfen ihr helfen bei der Bewältigung der Wäscheberge. Und lag vor zehn Jahren noch die von der Coburger Bevölkerung gestiftete weiße Wäsche auf einem gigantischen Haufen in der Wäscherei, in der McClain sein „Aschenbrödel“ verortet hat. Diesmal ist sie säuberlich an Leinen über die ganze Bühne gespannt – wer entdeckt die von ihm gestiftete pumpige Unterhose wieder? 

Puppenvater der Augsburger Puppenkiste 

Der eigentliche Star des Abends im Produktionsteam ist dementsprechend auch Ausstatter Andreas Becker, ehemals Puppenvater der Augsburger Puppenkiste, der in Coburg schon einige Male mit seinem Einfallsreichtum für Verblüffung sorgte. In seinem skurrilen Keller türmen sich die Waschautomaten im Dampfmaschinen-Stil des 19. Jahrhunderts. Und an seiner tierisch-blumigen Ball-Gesellschaft kann man sich kaum sattsehen. 

So also dürfen Karina Campos Sabas als zartes Aschenbrödel, geleitet von Lucia Colom als glitzernder (Wäsche-)Fee, Chih-Lin Chan als lieb-krätzige Ratte und Lucas Correa Santos als herrisch orangefarbener Fuchs  unbeeinträchtigt klassisch antanzen. Genauso Goh Shibata als beeindruckend verächtliche Stiefmutter sowie Mireia Martinez Pineda und Yuriya Nakahata als zänkische Schwestern.

Es kommt durchaus zu Längen, etwa wenn die Schwestern sich so ausführlich hänseln. Doch alle Freunde des puren klassischen Balletts dürfen zweieinviertel Stunden lang schwelgen. Das kleine Coburger Ballettensemble leistet Beachtliches. Die ausdrucksstarke Mimik der Darsteller bringt Lebendigkeit über das Formalistische der Tanzsprache hinaus. Der Prinz (Jaume Costa) und seine Begleiter (Odsuren Dagva und Takashi Yamamoto) dürfen zum glücklichen Ende hin große Sprünge machen. Das Aschenbrödel wird endlich vom Prinzen in den Himmel gehoben, wo wahre Prinzessinnen eben hingehören. 

Kann sein, dass der einen oder dem anderen die Walzer irgendwann aus den Ohren quellen, was nicht am Philharmonischen Orchester unter der durchaus Nuancen auslotenden Leitung von Roland Fister liegt. Der lässt walzen, wie es zu erwarten und zu wünschen ist, gelegentlich auch davonpolkern. Aber beispielsweise beim Vorspiel zum zweiten Teil, da lässt das Orchester auch mal ganz anrührend und delikat eine unter Johann Strauss scheinbar ewiger Happiness liegende Melancholie hervorkommen. Die hat sonst in der Inszenierung nichts verloren.

Die Produktion

Landestheater Coburg: Aschenbrödel. Ballett in drei Akten von Johann Strauss. Vollständige Neufassung von Josef Bayer. Libretto von Mark McClain, musikalische Leitung Roland Fister. Choreographie Mark McClain, Ausstattung Andreas Becker, Dramaturgie André Sievers. Mit Ballettensemble, Philharmonischem Orchester sowie Statisterie des Landestheaters Coburg. 

Weitere Termine: 3., 5., 11. Dezember, 1930 Uhr im Globe.

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