Wisu tut si su? Wisu tut sie su? - Die Rumpelwichte verstehen die Menschen nicht, sie verstehen Ronja nicht. Im diesjährigen sogenannten Weihnachtsmärchen des Coburger Landestheaters sind die Rumpelwichte entzückend-scheußliche Viecher. Sie kommen aus der anderen Welt von Astrid Lindgren und blicken mit Befremden aus ihrer eigenen Blödheit auf die nicht weniger große Blödheit der Menschen.
Ronjas Welt auf der Bühne
Das ist noch allerliebst in Julia Borcherts Waldwelt im Globe, die zwischen schlicht, aber alles auf die zentrale Aussage bringender Kindermalerei und Abstraktion Ronja Räubertochters nordische Räuberatmosphäre heraufbeschwört. Ein bunt gefleckter, vielseitig bezwingbarer Berg, der die Augen aufschlägt, doch gar nicht heimelige Baumskelette. Dazu dann durchaus gewaltige Wetter- und Naturphänomene. Beim großen Gewitter blitzt und donnert es im ganzen Zuschauersaal. Die niederdrückende Dunkelheit der Waldnacht legt sich auf große wie kleine Besucher.
Und was Ronja und ihr Freund Birk von der Gegenbande auf der gespaltenen Mattis-Burg unter den feindlichen äußeren wie familieninternen Bedingungen auszuhalten haben, geht an die menschliche Substanz, auch wenn es in folkloristisch-freundlichem Gewand und liebenswerter Kinderei, mit Humor und inszenatorisch einfallsreich daher kommt. Die Unversöhnlichkeit und moralische Laxheit der Erwachsenen treibt die beiden in die Waldhöhle. Der Winter würde sie dort töten.
Warum gerade jetzt Ronja?
Wieso tun viele Theater der Republik, unter anderen das Staatsschauspiel Dresden, derzeit so? Diese Ronja Räubertochter nach dem Hype um den Film von 1984 wieder auf die Welt loszulassen?
Weil es wieder Zeit für harte Stoffe ist? Astrid Lindgren (1907 - 2002) gehört zu den härtesten, auf die Welt und ihre Lebensbrutalität schonungslos blickende Geschichtenerzählern überhaupt, auch wenn Pippi und Michel meist nur von der niedlichen Seite aus gesehen werden. Vor dem Hoffnung gebenden Endglück kommt oft großer Schmerz. Die Brüder Löwenherz, Mio, mein Mio… Nun, nicht alle Bücher im großen Werk der schwedischen Autorin sind so schlimm. Doch hinter der fröhlichen Fassade lauert meist der Höllenschlund. Über den Kinder wie Erwachsene immer wieder springen müssen.
Wenn der Wald ruft
„Ronja Räubertochter“ in der Bühnenbearbeitung von Barbara Hass wird in Coburg von Regisseurin Imke Trommler als geradliniges, unmittelbares Schauspielertheater inszeniert. Antonia Theresa Wiedemann als Ronja und Jonas Hämmerle als Birk stellen die Kinder erfrischend authentisch, ohne Anbiederung an Kind- oder Jugendlichkeit dar. Als Räuberfamilien um sie herum zeichnen Nils Liebscher als Hauptmann Mattis, Milena Weber als vernunftbegabte Mutter Lovis und Niklaus Scheibli als Borka-Hauptmann eindringliche Charaktere. Benjamin Hübner als alter, weiser Glatzen-Per – wieder einmal zu Herzen gehend.
Wenn der Wald ruft, müssen alle folgen. In der Coburger Inszenierung von „Ronja Räubertochter“ ruft er intensiv. Gut, dass es zahlreiche Vorstellungen bis in den Januar hinein gibt. Bei der Premiere am Samstagnachmittag im Globe hielten auch die meisten kleineren Kinder gebannt durch. Befreiter Jubel nach diesen Eindreiviertelstunden packenden Familientheaters.
Die Produktion
Landestheater Coburg: Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren. Inszenierung Imke Trommler, Ausstattung: Julia Borchert, Licht René Klötzer, Markus Stretz, Musik Dominik Tremel, Dramaturgie Anne Verena Freybott.
Darsteller: Antonia Theresa Wiedemann, Nils Liebscher, Milena Weber, Jonas Hämmerle, Niklaus Scheibli, Banjamin Hübner und andere.
Die nächsten Termine: 23., 30. Nov. 14 und 18 Uhr; 1., 2. Dezember, 9 Uhr
Ronja Räubertochter-Tickets hier ansehenJetzt „Mein Abo+Vorteil” nutzen und sparen!
Als Print- oder Digital-Abonnent eines unserer Titel – Fränkischer Tag, Coburger Tageblatt, Bayerische Rundschau oder Saale-Zeitung – erhalten Sie exklusiven Rabatt auf Tickets für ausgewählte Veranstaltungen in der Region, solange das Kontingent reicht.















