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„Götterdämmerung“ im Globe
Stolz auf das „Monsterwerk“
Michael Lion steht ab Ostersonntag in der „Götterdämmerung“ als Drahtzieher der Verbrechen nun in der Menschenwelt auf der Bühne des Globe.
Michael Lion steht ab Ostersonntag in der „Götterdämmerung“ als Drahtzieher der Verbrechen nun in der Menschenwelt auf der Bühne des Globe. // Eike Walkenhorst
Signet des Fränkischen Tags von Carolin Herrmann
Coburg – Für Michael Lion ist Wagners „Der Ring des Nibelungen“ der Höhepunkt seiner sängerischen Laufbahn. Ab Ostersonntag steht er in der „Götterdämmerung“ als Drahtzieher der Verbrechen nun in der Menschenwelt auf der Bühne des Globe.

Diesmal steht er ganz auf der Monsterseite – oder doch nicht ganz? Monsterwerke jedenfalls liebt Michael Lion, da leuchten die Augen des Sängers im Gespräch mit dem Tageblatt. Und als Siegfried-Mörder Hagen steht er bei der Coburger Vollendung von Wagners „Ring“ ab Ostersonntag im Zentrum des theatralen Weltenuntergangs (alternierend mit Bartosz Araszkiewicz).

Wir kennen den Bass seit 2008 hier in vielen Rollen und als vielseitigen Darsteller auch in spartenübergreifenden Produktionen. Doch „das“ jetzt, der „Ring“ mit der „Götterdämmerung“ als Abschluss, das nennt Lion selbst den Höhepunkt seines Opernlebens. 

Schon ganz andere sind gescheitert

Als Monsterwerk darf Wolfgang Wagners Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ mit allem Recht bezeichnet werden, schon gar für ein mittelgroßes Haus wie das Landestheater Coburg. An Länge und Aufwand, von den auftretenden Figuren und der inhaltlichen Auslotung gar nicht zu sprechen, sind schon ganz andere gescheitert.

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Der hat ja etwas wirklich Gewalttätiges in sich. Man muss im Probenprozess sehr aufpassen, dass man sich nicht zum Brüllen hinreißen lässt, dass man die Stimme unter Kontrolle hält.

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Michael Lion Sänger

Seit dem Start 2019 in Coburg mit dem sogenannten Vorspiel, dem „Rheingold“, über die „Walküre“ bis zum „Siegfried“ im letzten Jahr oblag Michael Lion die ebenfalls zwiespältige Rolle des Göttervaters Wotan. Nun der Drahtzieher auf der Jagd nach dem Allmacht verleihenden Ring und dem Nibelungen-Hort in der Menschenwelt, kündigt Michael Lion „seinen“ Hagen in der Regie von Alexander Müller-Elmau als keineswegs eindimensionale Figur, als „Gefangenen seiner selbst“ an, der tut, wozu ihn sein Vater Alberich erzogen, gezwungen hat.

Vielfach gelobt!

Müller-Elmaus bisherige Interpretation des „Rings“ wurde eben wegen ihrer psychologisch tiefer auslotenden Dimension in heutiger Verortung vielfach gelobt. Lion wiederum zieht es zu den „finsteren Gestalten“, wenn hinter ihren Fassaden mehr sichtbar wird von der menschlichen Seele. Den Polizeichef Scarpia in Puccinis „Tosca“, den „habe ich genossen“, erinnert sich Lion.

Was nicht heißt, dass er nicht auch großen Spaß am Komödiantischen hat, auf seine Rolle als Baron Ochs im „Rosenkavalier“ von Richard Strauss kommt Lion gleich mehrfach zu sprechen. 

Mühsamer Weg zur Leichtigkeit

Nun aber die Herausforderung Hagen: „Der hat ja etwas wirklich Gewalttätiges in sich. Man muss im Probenprozess sehr aufpassen, dass man sich nicht zum Brüllen hinreißen lässt, dass man die Stimme unter Kontrolle hält.“ Unter Kontrolle halten, damit meint Lion auch den langen, mühsamen Weg zur Leichtigkeit.

Eine große, komplexe und kräftezehrende Partie darf irgendwann nicht mehr schwerfallen, „dann kommt der Genuss“.  An anderer Stelle des Gesprächs bringt Michael Lion den Vergleich mit Fallschirmspringen. Auf die Bühne zu gehen, habe viel damit zu tun, „rausspringen und dann fallen lassen“. Wozu im Gesang aber eben ein gewisser Grad an Souveränität erreicht sein muss. 

Michael Lion steht ab Ostersonntag in der „Götterdämmerung“ als Drahtzieher der Verbrechen nun in der Menschenwelt auf der Bühne des Globe.
Michael Lion steht ab Ostersonntag in der „Götterdämmerung“ als Drahtzieher der Verbrechen nun in der Menschenwelt auf der Bühne des Globe. // Carolin Herrmann

Stichwort Fallschirmspringen. Lion will als Sängerdarsteller „so lange weitermachen, wie mich auf der Bühne irgendwer sehen und hören will“. Aber prinzipiell hätte er auch Buschpilot werden können, hätt‘ ihm auch Spaß gemacht. Die Fliegerei, Motorrad-Fahren, Tauchen, vom Himmel bis hinab in die Tiefen – Musik aber stand offensichtlich von klein an doch immer im Vordergrund. 

„Der Spinner“

Seine Familie in Saarlouis war musikalisch, aber keineswegs auf professionellen Schienen. „Mit sieben Jahren habe ich zufällig Brünnhildes Schlussgesang gehört. Ich war geflasht.“ Von da an hat er zum Lego-Spielen Wagners Walkürenritt gebraucht, nicht nur, aber zu allem immer Musik. Seine Freunde haben „den Spinner“ machen lassen.

Studiert hat Lion dann Klavier und Dirigieren in Nürnberg. Bei einem Fest hat er so ein bisschen locker jazzig dahin gesungen, worauf ihn eine Gesangslehrerin ihn ansprach. Er war bis dahin in Chören aktiv, sagte von sich, er könne laut und richtig singen, aber schön, niemals. Die Lehrerin sah das anders, Lion begann Gesangsunterricht zu nehmen und hat nicht mehr aufgehört zu singen. 

Lange Laufbahn

Vor Coburg war Michael Lion nach verschiedenen Stationen in Hof engagiert; Detlef Altenbeck verpflichtete ihn erstmals ans Landestheater, und Bodo Busse hat ihn dazu bewogen, mit seiner Familie hier zu bleiben. Lion lebt mit seiner Frau Katrin in Rödental, wo er auch den Raum für ein eigenes Produktionsstudio hat. Das macht er auch noch, zumal Katrin Lion (unter anderem) als Sängerin im Jazz, Pop, Soul unterwegs ist. Derzeit spielt sie übrigens in Los Angeles ein Album ein, unter Beteiligung namhafter Musiker. Lion ist Vater eines heute 20-jährigen Sohnes. 

Infos zum Stück:

  • Landestheater Coburg: „Götterdämmerung“. Dritter Tag des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner.
  • Musikalische Leitung: Daniel Carter
  • Inszenierung und Bühne: Alexander Müller-Elmau
  • Kostüme: Julia Kaschlinski
  • Video: Niklas Zidarov, Dramaturgie: André Sievers
  • Philharmonisches Orchester, Chor und Extrachor, Statisterie des Landestheaters Coburg
  • Darsteller: Irina Oknina als Brünnhilde, Gustavo Lópes Manzitti als Siegfried, Michael Lion als Hagen, Bartosz Araszkiewicz als Hagen, Martin Trepl als Alberich, Lars Fosser als Gunther, Ana Naqe als Gutrune, Kora Pavelic als Waltraute, Iona Tautu als Floßhilde, Emily Lorini als Wellgunde, Rebecca Davis als Woglinde
  • Premiere: Sonntag, 31. März 2024 im Globe Coburg

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