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Landestheater
Coburgs Bühne: alt, aber flexibel
Am 12. März feiert Richard Wagners „Siegfried“ Premiere. Dafür wird derzeit die Bühne eingerichtet.
Am 12. März feiert Richard Wagners „Siegfried“ Premiere. Dafür wird derzeit die Bühne eingerichtet. // Andreas Brückner
Blick von oben auf die Bühne.
Blick von oben auf die Bühne. // Andreas Brückner
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Coburg – Die Technik im Landestheater ist alt. Aber sie kann mehr als die moderne Bühne im Globe, sagt Technischer Direktor Daniel Kaiser

Über der Bühne schwebt ein goldenes Hirn. „Schwebt“ ist freilich das falsche Wort: Das Ding hängt an vier Schnüren, gehalten von Laststangen, die ihrerseits wieder an Seilzügen hängen. „Schweben“ soll das Hirn aus Sicht der Zuschauer. Die Technik um, über, unter und auf der Bühne trägt ihren Teil dazu bei, dass die große Illusionsmaschine Theater funktioniert.

Daniel Kaiser, Technischer Direktor des Landestheaters, in einem der Treppenhäuser.
Technischer Direktor Daniel Kaiser in einem der Treppenhäuser. // Andreas Brückner

Im Coburger Landestheater ist diese Technik freilich sehr in die Jahre gekommen. Daniel Kaiser , Technischer Direktor des Hauses, führt ganz hinauf unters Dach auf den Rollenboden, wo die Antriebsmotoren für Seilzüge hängen, an deren Laststangen Kulissenteile oder Bühnenprospekte befestigt werden können. Die sechs Punktzüge sind schon außer Betrieb gesetzt, die Portalbrücke darf nicht mehr bewegt werden, weil die Bremsen nicht mehr sicher sind. Alles aus Sicherheitsgründen, denn eine Theaterbühne ist der einzige Arbeitsplatz, wo sich Menschen ohne Helm unter schwebenden Lasten aufhalten dürfen.

Globe ist weniger flexibel

Angesichts dessen ist Daniel Kaiser natürlich froh, dass das Theater generalsaniert werden soll und in der Übergangszeit mit dem Globe auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände eine moderne Ausweichspielstätte zur Verfügung stehen wir, die gerade fertiggestellt wird. Aber: „Diese Vielseitigkeit und Flexibilität, die wir hier haben, wird es im Globe nicht geben“, sagt er. Aus technischen und räumlichen Gründen. während am Landestheater 12 Elektroseilzüge und weitere 19 Handkonterseilzüge zur Verfügung stehen, sind es im Globe nur 13.

Der Rollenboden ganz oben unterm Dach.
Der Rollenboden ganz oben unterm Dach. // Andreas Brückner

Globe-Bühne ist eine Scheibe

Hinzu kommt die Untermaschinerie der Bühne: Die Zylinderdrehbühne im Großen Haus hat zwei Etagen, vier Hubpodien können unabhängig voneinander nach oben fahren – so etwas gibt es im Globe gar nicht. Die Bühne dort ist zwar auch drehbar, aber nur eine Scheibe. Außerdem ist die Bühne im Landestheater größer, der Bühnenraum erheblich höher. Während im Haus am Schlossplatz nicht benötigte Kulissenteile aus anderen Stücken einfach nach oben außer Sicht gezogen werden können, ist das im Globe gar nicht möglich.

Große Kulissenteile verbieten sich dort von selbst – der Platz dafür wäre gar nicht vorhanden. Ja, auch im Landestheater wird jeder Winkel ausgenutzt, um Material zu lagern. Rund um die Bühne bleibt gerade der vorgesehene Laufweg frei. Aber es gibt ihn. Die Bühnentechniker nutzen ihn und die Schauspieler: Abgang zur rechten Seite, nächster Auftritt wenig später von links, das ist hier kein Problem. Im Globe müssen dafür neue Wege gefunden werden.

Die Kulissenteile der aktuellen Produktionen werden im Haus gelagert.
Die Kulissenteile der aktuellen Produktionen werden im Haus gelagert. // Andreas Brückner

Das gilt nicht nur für das Geschehen auf der Bühne. Wenn im Globe alles eine Nummer kleiner ist, werden doch weniger Kulissen und weniger Techniker gebraucht. Könnte man denken. „Ich brauche fast noch mehr Personal, denn am Globe fehlen die Lagerflächen“, sagt Kaiser. Das bedeutet: Was nicht unmittelbar benötigt wird, muss weggefahren, woanders gelagert und bei Bedarf wieder ans Güterbahnhofsgelände gebracht werden. Während im Landestheater das Equipment für alle laufenden Stücke irgendwo unterkommt, bietet das Globe nur Platz für drei Produktionen. „Wir haben kein großes Einzugsgebiet. Wir müssen Abwechslung bieten“, sagt Kaiser. Anders als zum Beispiel Musical-Häuser, die über Jahre hinweg nur ein Stück zeigen und teilweise speziell dafür ausgelegt sind, muss im Coburger Theater häufig umgerüstet werden, von einem Tag zum anderen.

Das Bedienpult für die elektrischen Seilzüge und die Bühnenpodien.
Das Bedienpult für die elektrischen Seilzüge und die Bühnenpodien. // Andreas Brückner
19 Seilzüge im Schnürboden müssen noch von Hand bedient werden.
19 Seilzüge im Schnürboden müssen noch von Hand bedient werden. Marko Brinner ist einer der Bühnentechniker, der das tut. // Andreas Brückner
Wenn die Handkonterseilzüge Kulissenteile tragen, muss von Hand ein Gegengewicht aufgebaut werden.
Wenn die Handkonterseilzüge Kulissenteile tragen, muss von Hand ein Gegengewicht aufgebaut werden. // Andreas Brückner

Natürlich weiß auch Kaiser, dass die (Arbeits-)Bedingungen im Landestheater eher unzureichend sind. Der Bühnentechniker, der oben die Seilzüge und die Bühne steuert, sieht die Bühne meist gar nicht. Damit er im Dunkeln unterscheiden kann, ob er die richtigen Hebel erwischt hat, sind die für die Hubpodien in Schaumstoff gepackt. Ersatzteile für die alte Maschinerie gibt es nur noch in Sonderanfertigung. Bei den Handkonterseilzügen müssen von Hand die Gegengewichte für die Kulissenteile aufgelegt werden, damit die Kulisse nach oben fährt und nicht nach unten, sollte die Bremse mal nicht funktionieren.

Der Kronleuchter im Zuschauerraum, vom Dachboden aus betrachtet.
Der Kronleuchter im Zuschauerraum, vom Dachboden aus betrachtet. // Andreas Brückner

Der Kronleuchter über dem Zuschauerraum darf zwar noch hängen, aber nur noch für Wartungsarbeiten abgesenkt werden. Kaiser könnte noch mehr aufzählen, was im alten Haus nicht mehr funktioniert oder unzulänglich ist.  Orchester und Ballett proben im Hahnweg, weil die Räume am Schlossplatz zu klein und zu eng sind.

„Wir sind dankbar, dass wir das Globe haben“, betont Kaiser. Denn als Interimsspielstätte stand zum Beispiel auch ein Zirkuszelt zur Debatte.  Aber der Rundbau am Güterbahnhof sei eben als Ausweichspielstätte geplant worden - immer im Hinblick darauf, dass das Haus am Schlossplatz generalsaniert wird und danach über moderne Bühnentechnik verfügen wird, wie ein Dreispartenhaus sie braucht. 

 

Alles nicht mehr zeitgemäß und sanierungsbedürftig: der Bühnenhinterraum.
Alles nicht mehr zeitgemäß und sanierungsbedürftig: der Bühnenhinterraum. // Andreas Brückner

Zeitplan der Sanierung noch völlig unklar

Aber was ursprünglich als Interimsspielstätte für drei oder vier Jahre ausgelegt war, könnte nun weitaus länger als Ausweichquartier dienen. Denn noch steht ja nicht einmal fest, wann denn die Sanierung des Landestheaters beginnt. „Die Generalsanierung eines historischen Gebäudes dieser Bedeutung und Größenordnung erfordert einen längeren Vorbereitungs- und Planungsprozess“, antwortet das bayerische Bauministerium auf die entsprechende Anfrage. „In den vergangen drei Jahren konnten dazu in Abstimmung zwischen der Stadt Coburg und dem Freistaat Bayern ganz wesentliche Fortschritte erzielt werden. Nächste Schritte sind die finale Anpassung der Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt und Freistaat, die Vorlage des Projektantrags durch die Stadt Coburg und die Erteilung des sogenannten Planungsauftrags durch das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.“ Erst dann könnten „konkrete Aussagen zum weiteren Zeitplan getroffen werden“.

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