Es ist ein besonderer Moment für Olaf Habke, Thomas Eck und all die anderen, die auf der Globe-Baustelle arbeiten: Es rumpelt ein bisschen, dann setzt sich die Drehbühne erstmals in Bewegung. Thomas Eck, der für die Stadt Coburg die Baustelle koordiniert, hat sein Handy gezückt und filmt. Olaf Habke sagt trocken: „Und sie bewegt sich doch!“ Dafür hat der Techniker von TTS Syke seit Monaten gearbeitet.
Test der Drehbühne im Coburger Globe
Seit Januar ist er hier, mit Unterbrechungen, und hat Stück für Stück alles eingebaut, was zur Bühne gehört. Da ist die Obermaschinerie mit ihren 13 Seilzügen, an denen Bühnendekoration befestigt werden kann. Da ist die Untermaschinerie, die Teile der Bühne auf drei verschiedene Ebenen „verfahren“ kann, wie die Techniker und Theaterleute sagen. Und da ist die Drehbühne, die dafür gebraucht wird, dass die Schauspieler und Sänger in wechselnden Kulissen spielen können.
Kleine Obermaschinerie
Doch so beeindruckend all die Technik ist, die da ins Globe eingebaut wird: Die Bühne wird einiges nicht können, was Theaterleute gerne hätten. Die Obermaschinerie sei für ein Theater ziemlich klein, sagt Daniel Kaiser, der Technische Leiter des Landestheaters. Zudem verfügt das Globe nicht über einen Bühnenturm mit Schnürboden wie das Haus am Schlossplatz. Dort können 5,80 Meter hohe Kulissenteile oder Prospekte nach oben und außer Sicht für die Zuschauer gezogen werden, erläutert Kaiser. „Im Globe kann ich knapp drei Meter wegfahren. Das reicht für einen Kronleuchter oder ähnliche Elemente.“ Auch hat die Globe-Bühne keine Versenkung – kein Schauspieler kann also nach unten sinnbildlich zur Hölle fahren oder unauffällig verschwinden. Kurz: Die Illusionsmaschine Theater muss im Globe auf einige ihrer technischen Tricks verzichten.
Mechanik funktioniert meist noch
Das Landestheater soll ab Herbst 2023 im Globe spielen, bis das Große Haus am Schlossplatz generalsaniert ist. Wegen dieser Sanierungsbedürftigkeit ist die alte Bühnenmaschinerie im Landestheater auch nicht mehr perfekt. Wegen Problemen mit den Bremsen dürfen schon seit Jahren die Punktzüge nicht mehr benutzt werden. Auch die Portalbrücke wird nicht mehr bewegt. Die Mechanik funktioniere meist noch, sagt Daniel Kaiser. Problem sei eher die Steuerungstechnik. „Wir wissen in vielen Fällen gar nicht, wo die Leitungen liegen!“
Auch ihn fasziniert der Blick in die noch offene Maschinerie des Globe, mit all den Motoren, Kabeln und Gewindestangen im Untergrund. Liegt erst der Bühnenboden, ist von all dem nichts mehr zu sehen. Letztlich, so sagt es der Kaufmännische Direktor des Landestheaters, Fritz Frömming, sei die Bühne im Globe ein Kompromiss aus dem, was das Theater braucht, und dem, was die künftige dritte Kulturstätte der Stadt bieten soll. Auch Daniel Kaiser betont: „Wir sind froh, dass wir das Globe haben – gerade wenn man an die Alternativen denkt, die im Raum standen. Aber so schön das Gebäude ist, so dankbar wir dafür sind: Es ist ein Interim für uns.“
Drei Etagen tief
Das Globe als Kulturstätte soll möglichst variabel nutzbar sein. Deshalb lässt sich der gesamte vordere Teil der Bühne nach unten fahren – ein Stück von der Drehbühne inbegriffen. Das alles probieren die Techniker nun nach und nach aus. Nachdem klar ist, dass die Drehbühne links- und rechtsherum fahren kann und die Motoren auch die gewünschten Geschwindigkeiten liefern, sind die kleinen Hubpodien an den Bühnenseiten an der Reihe. Die größeren Podien der Vorbühne und des Orchestergrabens sollen erst am Abend ausprobiert werden, wenn die anderen Gewerke ruhen. Derzeit werden zum Beispiel auch die Leitungen für Licht- und Medientechnik verlegt. Dafür musste eine neue Firma gefunden werden, weil die erste, die den Auftrag erhalten hatte, insolvent gegangen war.
Die Vorbühne mit einem Teil der Drehbühne kann bis auf das Fußbodenniveau des Zuschauerraums herabgelassen werden. Die Orchesterpodien können noch eine Etage tiefer fahren und bilden so den Orchestergraben. Das mittlere (und größte) Orchesterpodium kann noch eine Ebene weiter nach unten schweben, dorthin, wo sich künftig das Stuhllager befinden soll. „Dass man zum Bestuhlen verfahren kann, wird viel Zeit sparen“, lobt Frömming. „Das ist schon echt klasse.“
Sicherheit steht über allem
Die Bühne ist noch längst nicht fertig. Es fehlt noch der Bühnenboden, und das eigentliche Steuerpult ist auch noch nicht da. „Das kommt erst, wenn hier alles sauber und ordentlich ist“, sagt Frank Kremer, der eigens für die erste Inbetriebnahme angereist ist. Er und sein Kollege Ole Sörensen steuern die Bühnenteile von einem kleinen fahrbahren Container aus. Darin befinden sich Rechner, ein Touchscreen und ein Joystick, neben den jemand mit der Hand „auf“ und „ab“ geschrieben hat.
Die Technik kommt – wie die Bühnenkonstruktion – von TTS selbst. Das sei für die Firma günstiger, sagt Kremer. Außerdem gehe es um Sicherheit: Die Schauspieler auf der Bühne stehen unter den hängenden Lasten. „Das ist gefährlich, wenn da etwas versagen würde“, erläutert Kremer. Deshalb arbeiten im Leitrechner zwei Computer parallel. Nur für Kernkraftwerke seien die Sicherheitsanforderungen noch höher, sagt er.
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