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Premiere im Globe
"Eine Nacht in Venedig": Wilder Traum mit Musik in Coburg
Landestheater Coburg: Premiere von "Eine Nacht in Venedig"
Mit "Eine Nacht in Venedig" startet das Landestheater in die neue Spielzeit. // Foto: Konrad Fersterer
Coburg – Ein Dachboden wird zur Bühne eines Traums. Mit "Eine Nacht in Venedig" startet das Landestheater stimmungsvoll in die neue Saison.

Venedig liegt auf dem Dachboden. Und da bleibt es auch. Im Bretterverschlag. Die wilde Karnevalsnacht wird insofern wüst, als alle auf einem bunten Haufen besoffen liegen.

Nur ein Traum: Landestheater feiert mit "Eine Nacht in Venedig" Auftakt der Spielzeit

Johann Strauss Operette „Eine Nacht in Venedig“, Saisonauftakt am Landestheater Coburg, steckt in einem Konstrukt: Sie findet nur noch im Traum des einstmals wüsten Herzogs von Urbino statt, den dieser auf einem Dachboden träumt. Denn die Erinnerung verdichtet die Bilder der Vergangenheit zu einer höheren Wahrheit. Sagt das Regiekonstrukt von Joan Anton Rechi. 

Landestheater Coburg: Premiere von "Eine Nacht in Venedig"
Der Herzog von Urbino (Gustavo López Manzitti), bedrängt von den holden Fraun. – Als ob es ihm nicht gefiele! // Foto: Konrad Fersterer

Doch wenn man wahre Bilder erinnert und träumt, hat der Herzog dann sein Playboy-Leben und die von vielen herrschenden Zwängen befreite Maskennacht im Bretterverschlag erlebt? Denn so wird die beliebte Geschichte im Globe ja präsentiert. Verzauberung jedenfalls wird mit Gabriel Insignares Bühnenbild nicht erreicht. Weitere Erkenntnis kommt auch nicht. Dafür gibt Regisseur Rechi sehr nett immer mal wieder Surreales hinzu bis hin zum unablässig purzelnden Liebhaberneffen Enrico (Jonas Hämmerle).

Landestheater Coburg: Premiere von "Eine Nacht in Venedig"
Mit "Eine Nacht in Venedig" startet das Landestheater in die neue Spielzeit. // Foto: Konrad Fersterer

Die Musik, die Darsteller, ach, die sind tadellos. Der Kapellmeister des Landestheater, David Preil und das Philharmonische Orchester lassen uns in all den wunderbaren Strauss-Walzern und unerschöpflichen Melodien schier ersaufen, der Lagunen-Walzer, das Schwips-Lied, die Tauben von San Marco.

"Eine Nacht in Venedig" am Coburger Landestheater: Signalschuss zum 200. Geburtstag von Johann Strauss

Insofern ist diese Operette schon ein strahlender Signalschuss zum 200. Geburtstag von Johann Strauss am 25. Oktober. – Der Strauss, mit dem Coburg höchstselbst etwas zu tun haben will, auch wenn sich Strauss (Sohn) hier zwar mit Hilfe von Herzog Ernst II. scheiden ließ, am Tag nach der Hochzeit mit seiner Adele Coburg aber verließ und nie wiederkehrte.  - Egal, die Erinnerung, der Traum konstruieren so manches. Ob es unbedingt die höhere Wahrheit ist…

Landestheater Coburg: Premiere von "Eine Nacht in Venedig"
Mit "Eine Nacht in Venedig" startet das Landestheater in die neue Spielzeit. // Foto: Konrad Fersterer

Zurück auf den Dachboden:  Gespielt wird wie heute üblich die Bearbeitung von Erich Wolfgang Korngold. Die eigentlich Strauss-Operette in der Uraufführung von 1883 in Berlin war im Hinblick auf das dramaturgische Durcheinander und die Texte wohl nicht erträglich. Korngold „verdickte“, wie es in den Beschreibungen heißt, 1923 und später nochmals 1931 die Instrumentation und fügte Musiknummern ein, die nicht zum originalen Bestand gehören, etwa die Ode an das „holde Venezia“. 

Gondel und aufwendige Kostüme: "Eine Nachtin Venedig" im Globe als visuelles Erlebnis

Also denn, komm jetzt in die Gondel, mein Liebchen… Die ist auf der Globe-Bühne tatsächlich entzückend, wie sie so aus den Brettern hervor rollt. 

Landestheater Coburg: Premiere von "Eine Nacht in Venedig"
Mit "Eine Nacht in Venedig" startet das Landestheater in die neue Spielzeit. // Foto: Konrad Fersterer

Entzückend agiert auch das (verkleinerte) Ballett Coburgs in der Choreografie von Martine Reyn, das zwischen dem eigentlichen Geschehen oftmals witzige tänzerische Kommentare abgibt. 

Vieles an Effekt reißen auch die Kostüme von Sandra Münchow heraus; die sind zwar nicht gerade Federn sprühend elegant, aber hübsch grotesk und lustig. Ach, wie so herrlich zu schaun, sind all die reizenden Fraun… Sie sollten Dirk Mestmacher als Barbier Caramello im gelben Miniröckchen sehen. So schöne Beine. Nur laufen darf er damit nicht. 

Mestmacher hat als mehr oder weniger geschickter Strippenzieher eine zentrale Rolle, die er wieder einmal gesanglich wie darstellerisch nuancenreich und hinreißend erfüllt. Daniel Carison ist als Makkaronikoch Pappacoda der andere sympathische Striezi im Spiel. Überhaupt ist es das gesamte Musiktheaterensemble einschließlich dem wieder sehr lebendig agierenden Chor, welche die Freude des Abends sind, Bartosz Araszkiewicz als Senatar Delaqua, Emily Lorini als seine untreue Frau, Jenifer Lary als wunderbar beschwipste Fischerstochter Annina sowieso. 

Landestheater Coburg: Premiere von "Eine Nacht in Venedig"
Mit "Eine Nacht in Venedig" startet das Landestheater in die neue Spielzeit. // Foto: Konrad Fersterer

Und allen voran Gustavo Lópes Manzitti. Ihm galt in seinem so hintergründigen Tenor als schamloser, aber innig bewusster Frauenheld Urbino der größte Applaus, obwohl er ja bekennen muss: Treusein, das liegt mir nicht.


Hintergründe zur Produktion "Eine Nacht in Venedig":

Landestheater Coburg: Eine Nacht in Venedig. Komische Oper in drei Akten von Johann Strauss. Libretto von Friedrich Zell und Richard Genée, in der Bearbeitung von Ernst Marischka. Musikalische Fassung von Erich Wolfgang Korngold. Musikalische Leitung David Preil, Inszenierung Joan Anton Rechi, Bühne Gabriel Insignares, Kostüme, Sandra Münchow. Choreographie Martine Reyn, Choreinstudierung Alice Lapasin Zorzit, Ben Köster, Dramaturgie André Sievers.

Ausführende: Gustavo López Manzitti, Dirk Mestmacher, Daniel Carion, Bartosz Araszkiewicz, Jenifer Lary, Emily Lorini, Hlengiwe Precious Mkhwanazi, Christian Huber, Stefanie Ernst/Iana Tautu, Martin Trepl, Ria Popescu, Chor, Philharmonisches Orchester und Ballett des Landestheaters Coburg. 

Weitere Aufführungen: 24. September, 4. Oktober, 19.30 Uhr im Globe


Das Haus war bei der Premiere nicht ganz voll, das Publikum gab durchaus immer wieder Zwischenapplaus, feierte einzelne Darsteller zunächst eher nicht, steigerte sich dann aber in hartnäckig rhythmisches Klatschen.

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