Samba steht für Vielfalt und Lebensfreude. Außerdem werben Nini und Rolf Beyersdorf, die Macher des Coburger Samba-Festivals, seit jeher für Frieden, Freiheit, Weltoffenheit und Toleranz. Doch in den vergangenen Jahren lag immer ein gewisser Schatten auf diesen Botschaften. Denn ausgerechnet in Brasilien, der Heimat des Samba, regierte seit 2019 mit Jair Bolsonaro ein rechtsextremer Präsident. Immer wieder äußerte der sich rassistisch und homophob.
Brasilien wählte den Wechsel
Doch im Oktober 2022 entschieden sich die Menschen in Brasilien für einen Wechsel: Bei der Präsidentschaftswahl setzte sich Lula da Silva (kurz „Lula“ genannt) gegen Bolsonaro durch. Die Freude darüber war auch bei Nini und Rolf Beyersdorf groß – und die Freude wurde sogar noch größer, als „Lula“ sein Kabinett vorstellte: Der Posten der Kulturministerin ging an Margareth Menezes. Die 60-Jährige ist in Brasilien eine sehr bekannte Sängerin. Treue und aufmerksame Besucher des Coburger Samba-Festivals haben sie aber ebenfalls schon kennenlernen dürfen. Beim Festival 2018 hatte sie am Freitagabend einen viel umjubelten Auftritt auf der großen Hauptbühne auf dem Schlossplatz.
Eine Torte zum Bühnenjubiläum
Nini Beyersdorf denkt noch heute gerne daran zurück, zumal es ein ganz besonderer Auftritt war: „Sie hat bei uns ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert!“ Deshalb bekam sie auf der Bühne auch eine Torte überreicht. Außerdem trugen Nini Beyersdorf und weitere Samba-Tänzerinnenwallende wallende weiße Kleider. „Das ist die Tracht aus der Region Bahia, der Heimat von Margareth Menezes!“ Auch daran sieht man, wie herzlich die Verbindung zwischen Nini Beyersdorf und der neuen Ministerin ist.
Dass Margareth Menezes jetzt Karriere in der Politik macht, findet Nini Beyersdorf toll. „Das ist ein sehr gutes Signal für Brasilien und für die ganze Welt“, sagt sie. „Ich habe ihr auch sofort gratuliert!“ Jetzt sei nur zu hoffen, dass sie das Amt auch „packt“. Denn die Herausforderungen für „Lula“ und dessen Kabinett seien groß, wie Nini Beyersdorf erzählt. Zumal das Bolsonaro-Lager die Wahlniederlage noch immer nicht akzeptiert, und es deshalb immer wieder zu Unruhen in Brasilien kommt.
„Wir laden sie wieder ein – aber…“
Deshalb ist auch nachvollziehbar, was Nini Beyersdorf zu einem möglichen, erneuten Besuch von Margareth Menezes in Coburg sagt: „Natürlich wollen wir sie wieder einladen. Aber 2023 wäre das noch zu früh. Es gibt zurzeit wichtigere Sachen, die sie machen muss.“ Außerdem, so die Befürchtung, könnte Margareth Menezes einen möglichen Coburg-Besuch zum jetzigen Zeitpunkt sofort schlecht ausgelegt bekommen vom argwöhnischen Bolsonaro-Lager. Nach dem Motto: statt in Brasilien zu regieren macht die Ministerin Urlaub in Europa.
Auch beim Karneval in Rio war Margareth Menezes in diesem Jahr kaum zu sehen, wie Nini Beyersdorf erzählt. In den vergangenen Jahren hatte sie dort mit ihre größten Auftritte. Doch Samba und Karneval müssen jetzt eben erst einmal hinten anstehen.
Hintergrund: Warum es die Kultur in Brasilien zuletzt schwer hatte
Margareth Menezes liebt Brasilien in allen seinen Facetten. Und sie sagt: „Die Kultur spiegelt die Stärke, Größe und Schönheit der brasilianischen Menschen wider.“ Doch die vergangenen Jahre waren nicht einfach für den Kultursektor. Dazu muss man wissen, dass auch die politischen Verhältnisse in Brasilien zuletzt äußerst unruhig und instabil waren.
Weniger Fördergelder
Gegen Dilma Rousseff, die 2011 das Präsidentenamt übernommen hatte, war 2016 ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet worden. Im Raum standen etliche Korruptionsvorwürfe. Als das Verfahren – aus Sicht der Initiatoren – im Mai 2016 von Erfolg gekrönt war, sollte Michael Temer zunächst nur für eine Übergangszeit einspringen. Gleich in den ersten Monaten seiner Interimspräsidentschaft löste er das Kulturministerium auf. Als er im August 2016 ganz offiziell Präsident wurde, gab es plötzlich großen öffentlichen Druck, die Entscheidung in Sachen Kulturministerium wieder rückgängig zu machen. Temer tat dies zwar, doch mit besonders viel Geld stattete er das Ministerium in der Folgezeit nicht aus.
Als 2019 Jair Bolsonaro Präsident wurde, brachen für die Kulturschaffenden noch schlechtere Zeiten an: Das eben erst wieder eingerichtete Kulturministerium wurde zu einem Sekretariat abgewertet; Fördergelder flossen daraufhin noch weniger.
Große Hoffnungen ruhen auf ihr
Um so größer sind jetzt die Hoffnungen, die auf Margareth Menezes ruhen. Gleich in einer ihren ersten Stellungnahmen als neue Kulturministerin hatte sie die Bevölkerung und speziell alle Kulturschaffenden dazu aufgerufen, mitzuhelfen, dass der Kultursektor „wiederhergestellt“ werden kann. Präsident Lula wurde sogar noch deutlicher: „In den letzten Jahren hat die Kultur in Brasilien einen Rückschritt erlitten. Aber wir werden sie wieder aufbauen und stärken.“
Für die Ernennung von Margareth Menezes zur Kulturministerin gab es bereits viel Lob. So äußerte sich die brasilianische Abgeordnete Marina Silva: „Menezes im Kulturministerium der Regierung Lula zu haben, bedeutet, den historischen Beitrag der Schwarzen Frauen zur Kunst, zur Wissenschaft, zum kritischen Denken und zur Bildung des nationalen Geistes anzuerkennen, der aus der Vielfalt der Rhythmen, Farben, Stimmen und kreativen Formen entstanden ist.“
Wer ist Margareth Menezes?
Margareth Menezes ist in Salvador im nordöstlichen Bundesstaat Bahia geboren und gilt als eine der erfolgreichsten Sängerinnen Brasiliens. Ihr Genre sind die Axé-Musik und der Samba-Reggae. Bereits im Alter von 21 Jahren gewann sie einen Wettbewerb, bei dem die „beste weibliche Interpretin von Bahia“ gesucht wurde. 1988 nahm sie ihr erstes Soloalbum auf. Ihr zweites Album „Elegibô“ stand elf Wochen auf Platz eins in den amerikanischen World-Music-Charts mit über 100.000 verkauften CDs. 2022 wurde sie von der Initiative “Most Influential People of African Descent„ (Mipad) als eine der 100 einflussreichsten Schwarzen Menschen der Welt ausgezeichnet. In ihrem Heimatland wird sie auch gerne die „Aretha Franklin Brasiliens“ genannt.
Der Vorverkauf für das Samba-Festival 2023 läuft
Termin Das diesjährige Coburger Samba-Festival findet von Freitag, 14. bis Sonntag, 16. Juli, in Coburg statt. Der Sondervorverkauf hat am 1. März begonnen. Den gesamten März über gibt es das 3-Tage-Festivalticket für 26 Euro. Ab dem 1. April kostet das Ticket dann 33 Euro. Der Vorverkauf erfolgt unter anderem in der städtischen Tourist-Info, die sich vorübergehend in der Rückertstraße 3 befindet. Außerdem gibt es Tickets auch im Internet über die Homepage samba-festival.dezu kaufen.
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