Schmetterlinge! Überall Schmetterlinge! Und dazu: zahlreiche Frauen, die sich angeregt unterhalten, immer wieder lachen, Kaffee trinken, Kuchen essen, Gemeinschaft leben – und die zurzeit auch noch fleißig basteln. Ja, das „Offene Café“, das es bereits seit rund acht Jahren immer donnerstags im „Dialog“ in Coburg gibt, hat sich aktuell in eine Schmetterlingswerkstatt verwandelt. „300 Stück dürften wir schon geschafft haben“, sagte eine der Damen. Bis zum 1. März werden noch etliche dazukommen, denn die Frauen werden im Falten der Papier-Schmetterlinge immer routinierter.
Coburger Vesperkirche in St. Moriz
Ab dem 1. März findet in St. Moriz wieder die Coburger Vesperkirche statt, veranstaltet von der evangelischen Kirche und der Diakonie. Zwei Wochen lang verwandelt sich Coburgs größtes Gotteshaus in einen besonderen Ort der Begegnung. Alle Menschen sind dazu eingeladen, mittags gemeinsam zu essen. Ein umfangreiches Rahmenprogramm wird ebenfalls geboten – kostenlose Konzerte, Lesungen und auch wieder ein Schlagergottesdienst.
Stefan Kornherr, der die Bezirksstelle der Diakonie im Dekanat Coburg leitet und zum engsten Orga-Team der Vesperkirche gehört, hatte außerdem die Idee mit den Schmetterlingen. Warum ausgerechnet Schmetterlinge? „Weil sie ein Symbol für Hoffnung sind“, erklärt Stefan Kornherr. Die wirtschaftliche Lage im Land sei schwierig, immer mehr Menschen seien von Armut betroffen, der so wichtige Klimaschutz verliere an Aufmerksamkeit, und einen „verrückten Präsidenten in den USA“ gebe es auch noch. Kurzum: Hoffnung kann zurzeit jeder gut gebrauchen.
Schmetterlinge gelten als Symbol für Hoffnung, Transformation und Neuanfang. Durch ihre Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling stehen sie für die Überwindung von Schwierigkeiten, Auferstehung und die Seele. „Sie verkörpern den Glauben an ein neues Leben und positive Veränderungen“, ist auf einer Internetseite zum Thema Symbolik nachzulesen.
Motto in Coburg: „Schmetterlinge falten statt Sorgenfalten“
Zur Coburger Vesperkirche ist Folgendes geplant: Zwischen den Emporen in St. Moriz wird ein Netz gespannt. An diesem Netz werden Schmetterlinge befestigt, die während der Vesperkirche gebastelt werden können. Wer möchte, kann aber gerne auch schon jetzt loslegen. Vorlagen und Anleitungen, wie sich recht schnell ein Schmetterling falten lässt, sind auf der Internetseite vesperkirche-coburg.de zu finden. Jeder Schmetterling darf auch nach Herzenslust bemalt, beklebt oder beschriftet werden; wie wäre es mit einem Spruch oder einem Gebet? Motto der Aktion: „Schmetterlinge falten statt Sorgenfalten“.
Stefan Kornherr ist ganz begeistert von der bisherigen Resonanz. In verschiedenen Kitas, in Seniorenheimen oder auch in der Heilpädagogischen Tagesstätte sei bereits gebastelt worden. Das Ergebnis ist an einem Baum zu bewundern, der im „Dialog“ steht, dem Stadtbüro der Coburger Diakonie in der Metzgergasse. An dem Baum baumeln Schmetterlinge in allen Farben und Größen – ein Baum voller Hoffnung, und in dessen Schatten sorgen die Besucherinnen und Besucher des „Offenen Cafés“ für ordentlichen Nachschub. „Es macht uns einfach Spaß“, sagt eine Frau und fädelt den nächsten Faden in einen Schmetterling. Damit er bald in der Morizkirche baumeln kann.
Die Frauen erzählen, dass sie auch sonst im Jahr sehr viel Freude haben, wenn sie sich treffen. „Es gibt Kaffee und Kuchen, und wir reden über Gott und die Welt.“ Sie mögen die Gemeinschaft, und genau deshalb freuen sie sich auch besonders auf die Vesperkirche, die jedes Jahr ein besonderes Gemeinschaftserlebnis sei.
Für die Vesperkirche gilt im Prinzip dasselbe wie für das „Offene Café“: Jeder Mensch ist willkommen. Wirklich jeder. Beim „Offenen Café“ ist man sogar derart tolerant, dass auch Frauen am Tisch sitzen, die entweder nicht basteln können oder nicht basteln wollen. „Aber sie unterstützen uns mental“, lautet die Erklärung der Bastel-Fraktion. Männer sind zwar meistens in der Unterzahl, aber trotzdem (oder auch gerade deshalb) ebenfalls herzlich willkommen. „Ach, wir sind wirklich eine tolle Gruppe“, sagt eine Frau, die sich als „die schöne Rosi“ vorstellt. Die allgemeine Reaktion darauf ist laut und herzlich. Eine weitere Frau stellt deshalb fest: „Sorgenfalten? Wir bekommen hier höchstens Lachfalten.“
Das komplette Programm zur Coburger Vesperkirche 2026 gibt es unter vesperkirche-coburg.de















