Die Blicke in der Morizkirche richten sich nach oben: Zwischen den Emporen ist ein Netz gespannt, an dem bereits Hunderte bunter Schmetterlinge hängen. Die selbstgebastelten Papiertiere sind Symbol und Motto zugleich für die diesjährige Vesperkirche: Schmetterlinge falten statt Sorgenfalten.
Für zwei Wochen wird die Coburger Morizkirche in Coburg wieder zu einem besonderen Ort der Begegnung und hat deshalb ihre Türen weit geöffnet. Es geht aber nicht nur darum, gemeinsam ab 12 Uhr zu Mittag zu essen. Es geht auch um Begegnungen, sowohl beim Essen am Tisch als auch beim umfangreichen Rahmenprogramm, das auch abends stattfindet. Die Vesperkirche, so hieß es bei der Auftaktveranstaltung, ist eine „Tankstelle für Leib und Seele“.
Regionalbischöfin Berthild Sachs predigt zu Elia
In ihrer Predigt beim Eröffnungsgottesdienst erzählte die neue Regionalbischöfin Berthild Sachs die biblische Geschichte von Elia unterm Ginsterstrauch. Elias war verzweifelt, ohne Hoffnung, ohne Ziel, des Lebens müde. Genauso, sagte Berthild Sachs, gehe es heute leider auch vielen Menschen: in Existenzängsten, erschöpft, ohne Ziel und ohne Hoffnung. Was gebraucht werde, sei "erste Hilfe für Leib und Seele". Die Regionalbischöfin betonte: „Die Seele braucht Zuwendung, die Mut macht, die an die Zukunft glaubt und dir vertraut.“
Auch Berthild Sachs richtete den Blick auf die vielen Schmetterlinge. Sie würden den Himmel füllen wie Engel, und seien ein Symbol für Zuwendung, Wärme und Zukunftszuversicht – und gegen Einsamkeit, Stille und Angst.
Der biblische Elia war in einer Wüste unterwegs. Und auch hier fand die Regionalbischöfin eine Parallele. Denn: „Diese Wüste kann überall sein.“ Sie habe die Befürchtung, dass "diese Wüste in unserer Gesellschaft" wachse. Umso wichtiger sei die Vesperkirche mit ihrer Speisekarte für Leib und Seele. Sie gebe Hoffnung und mache die Morizkirche zu einer "Oase der Engel". Berthild Sachs: „Diese Engel tragen Schürzen und laden alle herzlich ein. Und vielleicht sitzt auch ein Engel neben dir.“
Klöße und Kaiserschmarrn in der Kirche
Das Speisenangebot zum Auftakt umfasste eine Kraftbrühe mit Einlagen, Rindergulasch mit Karottengemüse und Kartoffelklößen, Kaiserschmarrn mit Apfelmus sowie als Dessert Früchtequark.
An den Tischen wurde aber nicht nur gegessen, sondern – wie gewünscht und erhofft – auch munter geplaudert. Man kennt sich, oder man lernt sich kennen. Helga Schadeberg hatte ihre Nachbarin Carola Hüfner mitgebracht. Beide schätzen die Offenheit, Heiterkeit und das Vertrauen. Carola wurde in St. Moriz konfirmiert, hat in der Kirche geheiratet und fühlt sich auch der Gemeinde eng verbunden. Renate und Herbert Heerdegen, die die Geselligkeit am Tisch genießen, geht es genauso: „Hier treffen sich viele“, sagt Herbert, „hier findet moderne Kirche voller Leben statt.“ Ingeborg Wank war besonders gespannt, die neue Regionalbischöfin kennenzulernen.
Oberbürgermeister mit Schürze
Die hatte sich sofort nach dem Gottesdienst auch selbst eine Schürze umgebunden und packte bei der Essensausgabe mit an. So, wie am Sonntag auch Landrat Sebastian Straubel (CSU). Am Montag halfen unter anderem Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) und Bastian Schober (Wir für Neustadt) mit.
Zum großen Team der Ehrenamtlichen, das die Vesperkirche ermöglicht, gehören mehr als 140 Männer, Frauen und Jugendliche. Die Essensausgabe koordiniert Maria Kollo von der (katholischen) Kirchengemeinde St. Augustin. Sie freut sich, dass die evangelische Kirche den Menschen ein derartiges Angebot macht. Und dann kommt auch noch Herbert Raab um die Ecke. Was hat er dabei? „Odrockeldüchla“, sagt er und grinst – Abtrockentücher also. Hier ist eben an alles gedacht.
Das Programm zur Vesperkirche gibt es unter vesperkirche-coburg.de
















