Glückliches Coburg. Glücklich, die Heimat eines solchen Landestheaters zu sein. Glücklich, die künstlerische Heimstatt eines solchen Ballett-Ensembles zu sein, das trotz kleiner Besetzung immer wieder mit großer Leistungsbereitschaft und großer Leidenschaft beeindruckt. Immer wieder erstaunlich, was diese kleine Compagnie auf die Bühne bringt – auf die große Bühne im Landestheater und auf die Studiobühne der Reithalle.
Drei große Ballettabende in dieser Saison
Drei große Ballettabende beeindruckten in dieser Saison schon im sanierungsbedürftigen Großen Haus, darunter zwei eindringliche Premieren – zuletzt der Klassiker „Giselle“, den zwei Tänzer des Coburger Balletts ganz kurzfristig als Einspringer mit ihrer gemeinsamen Choreografie retteten. Nur wenige Wochen später präsentierte sich jetzt fast das gesamte Ballett als talentierte Choreografinnen- und Choreografen-Riege.
„Losgelassen“
Die inzwischen elfte Auflage der erfolgreichen Reihe „First Steps“ stand diesmal unter dem Motto „Losgelassen“. Und losgelassen zeigte sich die choreografische Fantasie der Tänzerinnen und Tänzer.
Große Kunst im kleinen Format
Groß die Spannweite der stilistisch sehr unterschiedlichen Ansätze und gestalterischen Handschriften. Parodistisch zugespitzt gestaltete beispielsweise Sylvain Guillot kurze Szenen, die als Einleitung und als Überleitungen des ohne Pause dargebotenen Abends dienten.
Vielfalt an Themen
Groß im kleinen Format die Vielfalt der Themen, die unter dem Etikett „Losgelassen“ gebündelt waren. Groß auch die Bandbreite der Besetzung – vom Solo bis zur Ensemble-Szene.
Groß auch die Bandbreite der ausgewählten Musik – von der abgrundtiefen Trauer in Franz Schuberts Andante aus dem Es-Dur-Klaviertrio bis zu „Gold Wing“ von Billie Eilish. Schwer zu sagen, welche Choreografie in dieser Vielfalt den tiefsten Eindruck hinterlassen hat. Guilherme Carolas Pas de Deux „How to Disappear“? Oder Mireia Martinez Pinedas „You wanna be like …who?“ als tänzerisch umgesetzte Frage nach Normalität?
„Lucia’s Ballet Suite“
Oder vielleicht doch Lucia Coloms Beitrag mit dem lapidaren Titel „Lucia’s Ballet Suite“, zu der ihr Vater Josep Colom die Musik geschrieben hatte und in einem eindringlichen Video auch selbst interpretiert? Raffiniert, wie Josep Colom in dieser Suite zitierend und variierend Musik der Vergangenheit mit einbindet und beispielsweise den langsamen Satz aus Beethovens Mondschein-Sonate mit Debussys „Claire de Lune“ verschränkt. In dieser als Pas de deux (Lucia Colom, Sylvain Guillot) angelegten Suite thematisiert Lucia Colom als tanzende Choreografin das Medium Tanz als Gestalt gewordene Form von Musik.
Hommage an Katzen
Witzig und pointiert in der Charakterisierung danach eine getanzte Hommage an Katzen, die Yuriya Nakahata in ihrer Choreografie „Danca de Gato Miau“ lebendig werden ließ. Auch dafür wie am Ende für den gesamten Abend gab es ausdauernden Beifall. „First Steps“ reiht sich damit nahtlos ein in die beachtlich lange Liste gelungener Premieren in dieser Abschiedssaison.
Rund um das Kammerballett „First Steps“ in Coburg
Ballett-Tipp First Steps „Losgelassen“ - Choreografische Miniaturen von und mit dem Ballett Coburg, Theater in der Reithalle, Termine und Tickets online unter landestheater-coburg.de - Tickets auch an der Theaterkasse (Telefon: 09561/898989)
Choreografie, Bühne und Kostüme: Mitglieder des Balletts Coburg
Lichtregie: Klaus Bröck
Dramaturgie: André Sievers
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