Eine Portion Sauerkraut und zig Portionen Wehmut In der Tageblatt-Ausgabe vom 5. Mai 1982 haben wir eine Anzeige gefunden. Sie enthält einen Satz, mit dem nostalgisch veranlagten Coburgern gleich drei wehmütige Stiche auf einmal ins Herz verpasst werden: „Zur Eröffnung der Fußgängerzone Spitalgasse gibt es beim Kaufhaus Mohren 0,4 Liter Scheidmantel Pils für eine Mark!“
Stich 1: Ach, das schöne Kaufhaus Mohren! Stich 2: Ach, Scheidmantel, damals noch in Coburg gebraut! Stich 3: Ach, die D-Mark! Nun, dass es die D-Mark nicht mehr gibt, ist noch am leichtesten zu verkraften. Der Euro mag nicht für Romantik stehen, aber sehr wohl für eine stabile Währung in einem zusammenwachsenden Europa in einer globalisierten Welt.
Bier wird heute in Kulmbach gebraut
Die Sache mit Scheidmantel kann man sich zumindest schön reden: Zwar hat nur eine einzige Marke von der einst in Cortendorf angesiedelten Brauerei überlebt, und diese Marke wird jetzt auch noch in Kulmbach gebraut. Aber, immerhin: Scheidmantel ist nicht ganz verschwunden.
Ganz anders die Sache mit dem Kaufhaus Mohren, das später zu „Weka“ wurde. Erstens fehlt vielen Coburgern dieses Kaufhaus, und zweitens steht diese Immobilie im Herzen der Spitalgasse seit Ende 2020, als C & A auszog, komplett leer.
Wer jetzt noch einen vierten Stich ins Herz verträgt, dem sei noch ein weiterer Hinweis aus der Anzeige von 1982 mitgeteilt: Der „Chefkoch“ des Restaurant-Cafés „Mohren-Stube“ im zweiten Obergeschoss des Kaufhauses empfahl zur Feier der neuen Fußgängerzone „Eisbein mit Delikatess-Sauerkraut und Salzkartoffeln“. Preis: 7 Mark. Die Erinnerung daran: unbezahlbar.
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