Edda Stahl kann sich noch gut an den 5. Mai 1982 erinnern. „Wir waren begeistert von der neuen Fußgängerzone! Wir standen vor unserem Geschäft und haben Blumen verschenkt!“ 40 Jahre später ist die Stimmung nicht ganz so euphorisch: „Wenn ich die leeren und zugeklebten Schaufenster sehe, das tut schon weh.“ Doch die Generation von Edda Stahl hat zu viel erlebt, um nicht auch in schwierigen Zeiten einen Hoffnungsschimmer zu entdecken: Wir hoffen alle, dass es hier besser wird – und die schöne neue Metzgerei ist doch ein Anfang!“
Juwelier Stahl gehört zu den wenigen Geschäften, die die kompletten „40 Jahre Fußgängerzone Spitalgasse“ überstanden haben. Viele große Namen sind verschwunden: das Kaufhaus Mohren, Warenhaus Brandt, Sporthaus Hess, Elektro Trommer, Leder Herzog oder die Modehäuser Dürbeck, Otto, Hettlage und Arendt. Demgegenüber stehen als „Dauerbrenner“ lediglich noch das Fotogeschäft Willemer & Prause sowie – jeweils mit kurzen Unterbrechungen – das Süßwarengeschäft Hussel und das Fischrestaurant Nordsee.
Das Problem mit dem vielen Verkehr
Als die Spitalgasse noch keine Fußgängerzone war, befand sich direkt vor dem Juwelier Stahl eine Ampel. Sehr viel mehr Probleme bereitete allerdings der schmale Gehweg. „Wenn da jemand mit einem Kinderwagen unterwegs war, kam ein anderer Passant kaum vorbei“, erzählt Edda Stahl. Fürs Geschäft war das problematisch, weil ein Juwelier seine schöne Ware gerne in einem Schaufenster präsentiert, vor dem Menschen auch einmal in Ruhe stehen bleiben können. Genau das war aber in der Spit kaum möglich. So entschieden sich Edda und ihr Ehemann Hans-Joachim 1977 zu einem bis heute prägenden Umbau: Die Ladentür wurde zurückversetzt, um Platz zu schaffen für eine kleine Eingangspassage mit vielen Schaufenstern. Gerne hätten die Stahls damals gleich noch die Fassade erneuert. „Aber wir durften kein Gerüst aufstellen, weil das den Verkehr behindert hätte“, erzählt Edda Stahl, „die Spitalgasse war ja noch die B4!“
"Die heutigen Leerstände sind traurig"
„Ja, hier war alles voll mit Abgasen“, erinnert sich auch Uwe Greiner, Inhaber vom Fotogeschäft Willemer & Prause. „Ich habe hier 1960 meine Lehre begonnen“, erzählt er; und kaum, dass er das Geschäft Anfang der 1980er Jahre übernahm, kam auch schon die Fußgängerzone. Natürlich sei das die richtige Entscheidung gewesen, sagt er. Und heute? „Die vielen Leerstände sind traurig“, meint er, „aber das ist eben der Nachteil der vielen Filialbetriebe.“ Dort würden wichtige Entscheidungen in irgendwelchen Konzernzentralen getroffen.
Anders sei das bei inhabergeführten Geschäften: „Wir können noch selber entscheiden!“ Uwe Greiner muss bei diesem Satz verschmitzt lächeln, woraufhin die Frage erlaubt sein muss: Wann wird er sich dazu entscheiden, etwas kürzer zu treten? „Ich bin jetzt 78 Jahre alt“, sagt er, aber es sei die Arbeit im Laden, die ihn jung halte. Gut möglich, dass er deshalb auch noch beim nächsten Aufschwung dabei ist, den die Spitalgasse hoffentlich bald erlebt.
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