Der Stadtrat hat am Donnerstag einstimmig beschlossen, dass in Coburg ein neues Hallenfreibad gebaut wird. Denn das Aquaria in der Rosenauer Straße ist in seinem jetzigen Zustand ein „Totalschaden“, wie es SÜC-Chef Franz-Josef Loscar sehr deutlich auf den Punkt brachte. Am 1973 verrichteten Hallenfreibad gebe es inzwischen derart viele bauliche und technische Mängel, dass eine Sanierung unwirtschaftlich wäre. Dies hätte auch ein Gutachten bestätigt.
Normaler Betrieb noch bis 2027?
Franz-Josef Loscar skizzierte einen möglichen, groben Zeitplan. Demnach könnte der Betrieb bis 2027 noch relativ normal weiterlaufen; im Freibad wird bereits ab 2025 das Wellenbecken nicht mehr zur Verfügung stehen, weil dort die Schäden besonders groß und sich eine Sanierung erst recht nicht mehr lohnen würde.
2028 könnte der Abriss erfolgen, als Baubeginn wäre 2029 möglich. Die Eröffnung sei in den Jahren 2031/2032 realistisch.
Was die konkrete Ausstattung des neuen Hallenfreibads betrifft, sollen erste Details bei einem Workshop im Januar 2025 besprochen werden, an dem unter anderem Vertreter der SÜC sowie Mitglieder des Stadtrats teilnehmen.
SÜC-Chef favorisiert ein Erlebnisbad
Trotzdem deutete Franz-Josef Loscar schon einmal an, welche Art von „neuem Aquaria“ er favorisiere: „Meine Tendenz geht zu einem Erlebnisbad.“ Und: „Wir wollen ein Erlebnis für die Coburger schaffen.“
Bereits jetzt kristallisiert sich aber ein möglicher Konfliktpunkt heraus: Soll es auch im neuen Hallenfreibad wieder einen großen Saunabereich geben? Michael Zimmermann (FDP) bezeichnete das als „Quatsch“. Denn es gebe „in der Nähe von Coburg“ gleich zwei Thermen mit großen Saunalandschaften.
Petra Schneider (SPD) gab Zimmermann recht und verwies ebenfalls auf die benachbarten Thermen in Bad Rodach und Bad Staffelstein: „Eine Saunawelt brauchen wir nicht auch noch!“
Kritisch hinterfragt wurde im Stadtrat, wie das Bad bereits nach 50 Jahren zu einem „Totalschaden“ werden konnte. Hans-Herbert Hartan (CSU) formulierte es wie folgt: „Ich wage vorsichtig zu bezweifeln, dass mit dem Bauunterhalt in den letzten Jahren alles optimal gelaufen ist.“
Erinnerung ans Alexandrinenbad
Gleich mehrmals kam der Hinweis, dass das altehrwürdige Alexandrinenbad in Coburg deutlich länger durchgehalten hätte: Es wurde 1907 gebaut und erst 1977 größtenteils abgerissen.
Die Kosten für einen Ersatzneubau des Hallenfreibads lassen sich zwar noch gar nicht abschätzen. Doch im einstimmig gefassten Beschluss ist zumindest schon einmal die Rede davon, dass seitens der Stadt Coburg die „grundsätzliche Bereitschaft“ bestehe, einen Betrag von bis zu 50 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.
„Schmelztiegel der Gesellschaft“
Thomas Apfel (Pro Coburg) versuchte, diese Summe zu relativieren. So seien die geschätzten Kosten für die Sanierung des Landestheaters deutlich höher. Und ein Schwimmbad sei nun einmal wichtig, weil es einen „Schmelztiegel der Gesellschaft“ darstelle.
Ähnlich argumentierte Norbert Tessmer (SPD): „Ein öffentliches Schwimmbad gehört zur Grundausstattung einer Stadt mit 41.000 Einwohnern und erst recht eines Oberzentrums.“
Sportbecken wird saniert
Ebenfalls vom Stadtrat beschlossen wurde, das Sportbecken im Freibad noch einmal zu sanieren – obwohl es dann ja wahrscheinlich in wenigen Jahren abgerissen wird. Doch weil ab 2025 bereits das ebenfalls marode Wellenbecken außer Betrieb genommen wird, würde andernfalls ein Freibad drohen, das nur noch das Sprungbecken (und sehr viel Liegewiese) hat.
Die Kosten der Sanierung des Sportbeckens sollen maximal 385.000 Euro betragen.
Für dieses Vorgehen gab es im Stadtrat eine große Mehrheit. Lediglich Wolfgang Zimmermann und Hans-Heinrich Eidt (beide FDP) stimmten dagegen.
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