Im aktuellen Bundestagswahlkampf ist die Partei „Volt“ zumindest optisch durchaus präsent in Coburg. Die lilafarbenen Plakate, die überall in der Stadt hängen, sind sehr auffällig. Doch grundsätzlich ist Coburg für die 2018 gegründete Partei noch ein ziemlich weißer Fleck. Das könnte sich jetzt aber bald ändern.
Mit Matthias Schmidt hat „Volt“ ein prominentes neues Mitglied bekommen. Der 46-Jährige gehörte bislang der Wählergemeinschaft „Pro Coburg“ an, über deren Liste er bei der Kommunalwahl 2020 auch erstmals in den Coburger Stadtrat eingezogen ist.
„Aktuelle politische Großwetterlage“
Im Gespräch mit dem Coburger Tageblatt erklärt Matthias Schmidt die Gründe für seinen Wechsel. Demnach verlasse er „Pro Coburg“ keinesfalls im Groll. Vielmehr treibe ihn die „aktuelle politische Großwetterlage“ sehr um. Die Möglichkeiten, mit „Pro Coburg“ darauf Einfluss zu nehmen, seien aber sehr begrenzt. „Pro Coburg“ sei nun einmal ein rein lokales Wählerbündnis.
Volt: 8.000 Mitglieder in Deutschland
„Wir müssen Politik neu denken“, sagt Matthias Schmidt, „und zwar in einem größeren Kontext und vor allem europäisch.“ Da kommt ihm, wie es scheint, die Partei „Volt“ gerade recht. „Volt“ bezeichnet sich selbst als „paneuropäisch“. Man wolle „grenzübergreifend“ Politik machen für ein föderales Europa. In bereits 31 Ländern gibt es „Volt“. In Deutschland zählte die Partei Ende 2024 nach eigenen Angaben rund 8.000 Mitglieder.
Matthias Schmidt glaubt, dass der Aufstieg „radikaler Kräfte, wie wir ihn weltweit sehen“, von den etablierten Parteien nicht gestoppt werden kann. Er sagt: „Es braucht neue Kräfte, die Deutschland, aber auch Europa in eine sichere und gute Zukunft bringen. Und wir müssen jetzt handeln, bevor es zu spät ist.“
Volt entspreche „exakt“ seinen politischen Überzeugungen, wie Schmidt betont, und zwar bezüglich Klima, Digitalisierung, Bildung, Wirtschaft und auch sozialen Themen. Volle wolle „smarte, wirtschafts- und gemeinwohlorientierte, transparente, zukunftsfähige Lösungen, die in vielen Punkten unseren ,Pro-Coburg'-Ideen ähneln, diese aber konsequent auf Landes- und Bundesebene sowie auf europäischer Ebene nach vorne bringen“. Hierzu wolle er einen Beitrag leisten.
Apropos Pro Coburg: Sein Freund Thomas Apfel sei es gewesen, der ihn einst zu einem Workshop bei „Pro Coburg“ eingeladen habe, erzählt Matthias Schmidt. Es war der Beginn eines gemeinsamen Weges, der sowohl Apfel als auch Schmidt bei der Kommunalwahl 2020 in den Stadtrat brachte.
Thomas Apfel: Es schmerzt
Thomas Apfel redet nicht um den heißen Brei herum, wie er es empfindet, dass Matthias Schmidt kein Mitglied mehr bei „Pro Coburg“ ist: „Es schmerzt.“ Aber: „Umso mehr bin ich glücklich und froh, dass Matthias weiterhin Mitglied unserer Stadtratsfraktion ist.“ Denn während sich laut Satzung die Mitgliedschaft bei „Pro Coburg“ und gleichzeitig noch bei einer Partei ausschließt, darf der Stadtratsfraktion auch sehr wohl jemand angehören, der ein bestimmtes Parteibuch hat.
Auch Matthias Schmidt freut sich, wie er sagt, dass er weiterhin der Fraktion von „Pro Coburg“ angehören kann. Zumal er inhaltlich durchaus Übereinstimmungen zwischen den grundsätzlichen Zielen von „Pro Coburg“ und von „Volt“ sieht.
Schafft Volt eine eigene Liste in Coburg?
Aber was bedeutet das alles für die Kommunalwahl 2026? Wird Matthias Schmidt wieder auf der Liste von „Pro Coburg“ kandidieren oder auf einer neuen Liste von „Volt“? „Im Moment ist das noch Zukunftsmusik“, sagt Matthias Schmidt. Aktuell gebe es in Coburg auch noch gar keinen „Volt“-Kreisverband, wohl aber ein „lokales Team“, das sich engagiere. Noch sei das eine „kleine Truppe“, wie Matthias Schmidt sagt. Aber vielleicht trägt ja nicht zuletzt sein Beitritt etwas zu einem Anwachsen der Mitgliederzahl bei. Zumindest habe er bereits sehr viel positive Resonanz auf seine Entscheidung bekommen.
Auch mit dem „Volt“-Landesverband hatte Matthias Schmidt zuletzt Kontakt und schöpft daraus ebenfalls Zuversicht: „Volt wird versuchen, in Coburg etwas auf die Beine zu stellen.“ Mit Blick auf die Kommunalwahl 2026 sagt Matthias Schmidt: „Falls ich noch einmal für den Stadtrat kandidiere und Volt zur Stadtratswahl in Coburg antritt, dann kandidiere ich natürlich auf der Volt-Liste.“
Pro Coburg: Eigener OB-Kandidat 2026
Und was würde das wiederum für „Pro Coburg“ bedeuten? Jürgen Heeb, der Vorsitzende der Stadtratsfraktion, stellt auf Anfrage des Coburger Tageblatts zunächst fest: „Es ist schade um jedes Mitglied, das wir verlieren.“ Doch die Beweggründe von Matthias Schmidt seien „nachvollziehbar“: Er wolle sich eben nicht mehr nur auf lokaler Ebene einbringen.
Trotzdem macht sich Jürgen Heeb, wie er beteuert, keine Sorgen um eine gute Stadtratsliste bei „Pro Coburg“. Denn: „Wir haben gerade in den vergangenen Monaten viele neue, interessante Mitglieder dazu gewonnen.“ Auch bei der Oberbürgermeisterwahl wolle „Pro Coburg“ 2026 mit einem eigenen Kandidaten (oder einer eigenen Kandidatin) antreten.
Fünfköpfige Fraktion
Aktuell besteht die Stadtratsfraktion von „Pro Coburg“ aus fünf Personen: Jürgen Heeb, Pit Kammerscheid, Thomas Apfel, Matthias Schmidt und Tuncer Yilmaz (nachgerückt für Jessica Heß).
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