Paukenschlag bei der Hauptversammlung des CSU-Ortsverbands Coburg-Süd: René Boldt, der seit zehn Jahren Vorsitzender des Ortsverbands war, hat noch während der Versammlung seinen Austritt aus der Partei erklärt. Seinem Beispiel folgten neun weitere Mitglieder, darunter fast die komplette Vorstandsriege des Ortsverbands.
35 Jahre Mitglied in der CSU
Auf Nachfrage des Coburger Tageblatts gibt der 51-jährige Boldt offen zu: „Es war kein leichter Gang, und es war auch sehr emotional.“ Schließlich sei er seit seinem 16. Lebensjahr Mitglied in der CSU gewesen. Außerdem war er viele Jahre Büroleiter des CSU-Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach sowie von 2017 bis 2021 Vorsitzender des CSU-Kreisverbands Coburg-Stadt.
Kritik an Führungsspitze der Coburger CSU
In jenem CSU-Kreisverband, der seit 2021 maßgeblich von Kurt Knoch (Vorsitzender) und Maximilian Forkel (Geschäftsführer) geprägt wird, liegt auch die Ursache für den Boldt-Rückzug. Zwar war er, wie er sagt, auch mit vielen CSU-Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene zuletzt nicht einverstanden. Doch hauptsächlich habe er ein Problem mit den „kommunalpolitisch handelnden Akteuren vorne dran“. Den Fraktionsvorsitzenden und OB-Kandidaten Hans-Herbert Hartan nimmt er von diesem Vorwurf ausdrücklich aus. Stattdessen sagt er: „Ich muss mir keine Kindergartenspiele von Max Forkel antun.“ Was genau er damit meint, lässt er aber offen.
Vorwurf: „Instagram-Grinsen in Feierlaune mit Schampus“
In seiner Rede bei der Hauptversammlung hatte Boldt durchblicken lassen, dass es unter anderem sehr tiefgreifende Probleme im zwischenmenschlichen Bereich zu geben scheint. So sagte er mit Blick auf den Zustand der Coburger CSU: „Es ist nicht mehr so, wie es mal war. Die Kameradschaft ist gewichen. Der Respekt vor anders Denkenden ist vollends verloren gegangen. Intrigen und Grabenkämpfe sind dem offenen Visier gewichen.“
Sehr viel Verbitterung spricht auch aus diesem Satz: „Wenn Aufrichtigkeit weniger bedeutsam ist als die bloße Lüge, dann ist es Zeit, zu gehen. - Wenn ehrliche und harte Sacharbeit dem Instagram-Grinsen in Feierlaune mit Schampus weichen muss, dann ist es Zeit, zu gehen.“
Apropos: Wie „geht’s“ jetzt für René Boldt weiter? In der gemeinsamen Stadtratsfraktion von CSU und Jungen Coburgern will er bleiben – zumindest vorerst. „Ich gehe aber nicht davon aus, dass dies von Dauer ist.“ Weil Boldt dann auch noch sagt, dass er es für „wahrscheinlich“ hält, trotzdem bei der Kommunalwahl 2026 wieder für den Stadtrat zu kandidieren, darf spekuliert werden: Wechselt er zu den Christlich-Sozialen Bürgern (CSB), die im Jahr 2007 ebenfalls von enttäuschten CSU-Mitgliedern gegründet wurden?
Oder aber startet René Boldt gemeinsam mit dem CSB-Fraktionsvorsitzenden Christian Müller ein neues Projekt? Seit Wochen wird gemunkelt, die beiden könnten ihre politische Zukunft unter dem Dach der Freien Wähler sehen. Denn für die Freien Wähler (FW) ist die Stadt Coburg zurzeit ein weißer Fleck. Der einstige FW-Kreisverband war 2012 aus Protest gegen die bundesweiten Expansionspläne von Hubert Aiwanger aus dem FW-Landesverband ausgetreten und firmiert seitdem als „Pro Coburg“.
Und wie geht’s in der Coburger CSU weiter? Zunächst einmal bleibt festzustellen, dass der Kreisvorsitzende Kurt Knoch auf sehr sachliche Art und Weise den Boldt-Rückzug kommentiert. Er nehme dessen Entscheidung „zur Kenntnis“ und „respektiere“ diese auch. Kurt Knoch fügt an: „Herr Boldt hat sich in den vergangenen Jahren mit großem Engagement für die Belange seines Ortsverbands eingesetzt – dafür danken wir ihm ausdrücklich.“
Kurt Knoch betont, dass die Coburger CSU vom ehrenamtlichen Einsatz vieler Mitglieder lebe, die „mit Herzblut Politik vor Ort gestalten“ würden. Auch in Situationen, in denen unterschiedliche Auffassungen bestehen, sei ein „sachlicher und konstruktiver Austausch“ wichtig.
Ebenso äußert sich Kurt Knoch zum vorübergehend führungslosen Ortsverband Coburg-Süd: „Der Kreisverband wird die Aufgaben im Ortsverband kommissarisch weiterführen, bis eine Nachfolge geregelt ist. Für die Zukunft wünschen wir Herrn Boldt alles Gute.“
Weiterer Rücktritt im Westen?
Derweil kursieren Gerüchte, wonach es innerhalb der Coburger CSU noch einen weiteren Rückzug geben könnte. Im CSU-Ortsverband Coburg-West war erst vor wenigen Wochen Helge Kienel als Vorsitzender wiedergewählt worden. Doch nun heißt es, er wolle das Amt möglicherweise niederlegen. Auf Nachfrage bestätigt Helge Kienel, dass er eine weitere Mitgliederversammlung einberufen hat. Um was es dabei gehen soll, möchte er zum jetzigen Zeitpunkt aber öffentlich noch nicht sagen.















