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Kommunalwahl 2026
Das große Stühlerücken im Coburger Stadtrat
Oliver Schmidt
Oliver Schmidt blickt voraus auf die Kommunalwahl 2026. // CT
Coburg – Zerbricht die Coburger CSU ein weiteres Mal? Wen schickt Pro Coburg ins Rennen um den OB-Sessel? Kehren die Freien Wähler zurück? Und was ist eigentlich mit Linken, CSB und CL? Eine Bestandsaufnahme.

Der Countdown läuft: In weniger als einem Jahr  - am 8. März 2026 - stehen in Bayern die nächsten Kommunalwahlen an. Deshalb werden auch in Coburg so langsam die ersten Weichen gestellt.

Weiterer OB-Kandidat in Sicht

Was die Oberbürgermeisterwahl betrifft, gibt es sogar schon erste Entscheidungen: Amtsinhaber Dominik Sauerteig (SPD) hat mehrfach signalisiert, erneut antreten zu wollen. Bereits im Dezember 2024 wurde Zweiter Bürgermeister Hans-Herbert Hartan von der CSU als OB-Kandidat nominiert. In der kommenden Woche wird auch die Wählergemeinschaft Pro Coburg aus der Deckung gehen: Alles deutet darauf hin, dass Uwe Meyer ins Rennen geschickt werden soll.

Uwe Meyer
Wahlwerbung von 2020: Uwe Meyer kandidierte damals auf Listenplatz 15 bei Pro Coburg. Beim nächsten Mal dürfte es wohl Listenplatz 1 sein. // Foto: Pro Coburg

Zum einen wäre das kurios: Sauerteig würde es erneut mit einem Meyer zu tun bekommen; 2020 hatte er sich ja in der Stichwahl gegen den CSU-Kandidaten Christian Meyer durchgesetzt. Zum anderen wäre es auch ein Zeichen: Pro Coburg setzt nicht unbedingt auf „Sieg“, weil Uwe Meyer – bislang zumindest – nicht unbedingt zu den prominentesten Köpfen der Wählergemeinschaft gehört. Stattdessen setzt Pro Coburg wohl eher auf „Platz“ beziehungsweise „Plätze“. Will heißen: Der OB-Kandidat soll vor allem zu mehr Sichtbarkeit im Wahlkampf verhelfen. Oberstes Ziel wird es aber sein, möglichst viele Plätze im neuen Coburger Stadtrat zu erobern.

Zwölf Listen bei der Stadtratswahl

Dieses Ziel teilt Pro Coburg aber noch mit vielen weiteren Gruppierungen und Parteien. Genauer gesagt: Bei der Kommunalwahl 2026 könnte es so viele konkurrierende Listen geben wie noch nie! Vor sechs Jahren waren es mit elf Listen zwar auch schon recht viel, doch beim nächsten Mal könnte das Dutzend voll werden.

Der Reihe nach: Wieder mit dabei sind natürlich SPD, CSU, Grüne, FDP, Pro Coburg sowie bestimmt auch die AfD. Macht schon mal sechs Listen.

Rathaus Coburg
Rathaus in Coburg: Hier tagt auch regelmäßig der Stadtrat. // Foto: Oliver Schmidt

Aus der christlich-sozialen Großfamilie gibt es den Wunsch, erneut noch eine zweite Liste aufzubieten. Ob die wieder als „Junge Coburger“ firmiert oder als „Junge Union“, ist noch nicht geklärt. So oder so wäre es Liste Nummer sieben.

Was ist mit den Linken und BSW?

Die Partei „Die Linke“ war in der Vergangenheit immer nur mit René Hähnlein im Stadtrat vertreten. Der ist mittlerweile zum Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) gewechselt. Bei der Kommunalwahl 2026 ist es sein Ziel, mit einer BSW-Liste anzutreten. Und die Linken? Die befindet sich derzeit auch in Coburg im Aufwind. Beflügelt vom starken Ergebnis bei der Bundestagswahl dürfte der neu formierte Kreisverband ebenfalls eine Liste zur Stadtratswahl hinbekommen. Heißt: Das sind die Listen acht und neun – und BSW wäre zugleich der erste „Neuzugang“.

Volt vor Premiere in Coburg

Neu mit dabei wird wohl auch Volt sein. Die Europa-Partei verfügt seit wenigen Wochen sogar schon über einen Stadtrat in Coburg, weil Matthias Schmidt zu ihnen gewechselt ist. Fraktionstechnisch gehört Schmidt aber nach wie vor zu Pro Coburg. Er hatte aber jüngst erklärt: „Falls ich noch einmal für den Stadtrat kandidiere und Volt zur Stadtratswahl in Coburg antritt, dann kandidiere ich natürlich auf der Volt-Liste.“ Sprich: Mit Volt sind es dann bereits zehn Listen.

Die ÖDP wäre in unserer Aufzählung die Liste Nummer elf. Bei der Kommunalwahl 2020 hatte die Ökologisch-Demokratische Partei einen Sitz im Coburger Stadtrat gewonnen – genauso wie die „Coburger Liste“ (CL), die sich damals rund um das Ex-Grünen-Ehepaar Martina Benzel-Weyh/Wolfgang Benzel gebildet hatte. Für CL ist mittlerweile Steffi Raab nachgerückt. Vielleicht wird sie 2026 auf einer anderen Liste auftauchen. Aber CL ist Geschichte.

Aus für CSB?

Apropos: Wie geht es eigentlich weiter mit CSB? Die Christlich-Sozialen Bürger hatten sich einst von der CSU abgespalten und stellen aktuell drei Stadträte. Einer von ihnen, Gerhard Amend, hat bereits seinen Rückzug aus der Kommunalpolitik angekündigt. Frank Völker überlegt noch, und um Christian Müller ranken sich viele Spekulationen. Dass er nochmal an einer CSB-Liste bastelt, gilt als unwahrscheinlich. Vielleicht lässt sich Müller abwerben und tritt auf einer der anderen elf Listen an. Oder, ganz heißes Gerücht: Taucht er vielleicht auf einer neuen Liste auf, die dann Nummer 12 wäre? Äußern will sich Christian Müller dazu noch nicht. Aber sein Grinsen kann als vielsagend bezeichnet werden.

Comeback der Freien Wähler in Coburg möglich

Spannend ist in diesem Zusammenhang, dass die Freien Wähler (FW) nach wie vor bemüht sind, endlich auch wieder in Coburg Fuß zu fassen. Die Freien Wähler haben in Coburg eine ruhmreiche Vergangenheit, besetzten in den 1970er und 1980er Jahren sogar mehrmals einen Bürgermeisterposten. Doch die bundesweiten Ambitionen von Hubert Aiwanger sorgten 2012 dafür, dass sich der Coburger FW-Kreisverband vom FW-Landesverband distanzierte. Es folgte der Austritt aus der FW-Familie und die Umbenennung in Pro Coburg.

Unzufriedene in der CSU?

Ein Comeback der FW in Coburg könnte aber nicht nur Christian Müller eine neue politische Heimat ermöglichen. So wird gemunkelt, dass es vor allem in der CSU die eine oder andere Person gibt, die zurzeit unzufrieden ist und deshalb über einen Wechsel nachdenkt.

 

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