Der Grünen-Stadtrat Wolfram Haupt hatte im Juni und Juli 2021 eine Statistenrolle am Coburger Landestheater. Im Stück „Die drei Musketiere“, das bei den Sommerfestspielen im Hofgarten gezeigt wurde, war er einer der Gäste, die regelmäßig in der Kneipe einkehrten. „Ich saß eigentlich nur am Tisch und habe Wein getrunken“, erinnert sich Wolfram Haupt und muss schmunzeln.
Zwei Jahre und ein Gerichtsurteil später darf Wolfram Haupt jetzt sozusagen erneut „Platz nehmen beim Landestheater“. Genauer gesagt: Er rückt als neues Mitglied in den Theaterausschuss. In dieses als sehr einflussreich geltendes Gremium, dem auch Vertreter des Freistaats Bayern angehören, darf der Coburg Stadtrat drei Personen entsenden. Außer Petra Schneider (SPD) und Hans-Herbert Hartan (CSU) war das bislang Gerhard Amend (CSB).
Doch Amend, der seit jeher als großer Fan und Kenner des Landestheaters Coburg gilt, muss seinen Platz jetzt räumen. Um zu verstehen, warum das so ist, muss man eintauchen in die komplizierte (Rechts-)Welt der Zusammensetzung kommunaler Gremien.
Klage der AfD
Sobald ein neuer Stadtrat gewählt ist, beginnt erfahrungsgemäß das Gedrängel um die Sitze in den Fachausschüssen. Kleinere Gruppierungen wendeten dabei bislang gerne einen Trick an: Sie bildeten gemeinsam mit anderen kleinen Gruppierungen sogenannte „Ausschussgemeinschaften“. Auf diese Weise konnten sie der einen oder anderen Fraktion, die alleine eigentlich stärker wäre, Sitze wegschnappen.
Doch dieser bayernweit gängigen Praxis hat der Verwaltungsgerichtshof (VGH) nun einen Riegel vorgeschoben. Ausgangspunkt war eine Klage der AfD in Dachau. Denn in Dachau hatte man es mit dem besagten Trick ein wenig übertrieben: Hier schlossen sich sogar große Gruppierungen zusammen, mit dem Ziel, dass die AfD-Fraktion überhaupt keine Sitze in Ausschüssen bekommt.
Urteil des VGH muss umgesetzt werden
Das VGH-Urteil, das nun überall umgesetzt werden muss, besagt in groben Worten: Fraktionen haben mehr Rechte (und bekommen deshalb auch mehr Sitze) als künstlich gebildete Ausschussgemeinschaften. In der Stadtratssitzung am Donnerstag werden deshalb auch in Coburg alle Ausschüsse neu besetzt beziehungsweise es werden ein paar Korrekturen vorgenommen.
Ohne den Fachgremien oder einzelnen Stadtratsmitgliedern zu nahe treten zu wollen: Die meisten Änderungen dürften der Öffentlichkeit kaum weiter auffallen. Beim mächtigen Theaterausschuss, für das ja lediglich ein Trio aus dem Stadtrat auserkoren wird, ist das anders.
Der dritte Platz fällt ab sofort nicht mehr der Ausschussgemeinschaft zu, der unter anderem die CSB von Gerhard Amend angehörte. Stattdessen darf die Fraktion der Grünen den Posten besetzen. Die Grünen haben dafür bereits – und zwar nicht nur aufgrund seiner Erfahrung bei den Musketieren – Wolfram Haupt nominiert.
Wolfram Haupt, der als Professor an der Hochschule Coburg tätig ist, freut sich sehr auf die neue Aufgabe, wie er betont. „Theater-affin“ sei er aber nicht nur aufgrund seiner gelegentlichen Statistenrollen, wie der 59-Jährige anmerkt.
Der 73-jährige Gerhard Amend findet es zwar „schade“, dass er den Theaterausschuss verlassen muss. Aber das sei halt jetzt so, und auch das gehöre zur Politik. Im Gespräch mit dem Tageblatt will er deshalb weniger wehklagen als vielmehr über das Erreichte sprechen. Und man muss dazu sagen: In der langen Zeit, in der Gerhard Amend dem Theaterausschuss angehörte, wurde Etliches erreicht. Als besondere Meilensteine nennt Amend die Höhergruppierung des Orchesters von „C“ nach „B“ oder auch den Wiederaufbau der Ballett-Sparte.
Vorfreude aufs Globe
Sehr froh ist Amend, dass er den Prozess zur vielleicht wichtigsten Entscheidung der jüngeren Theatergeschichte begleiten und mit vorantreiben konnte: die Suche einer Interimsspielstätte. Die Entscheidung fürs Globe hält er nach wie vor für richtig, und der geplanten Eröffnung im Oktober fiebert er bereits sehr entgegen. „Demnächst mache ich mit dem Theaterkreis auch noch einmal eine Baustellenbegehung!“ Denn, nicht zu verwechseln: Den Posten im politischen Theaterausschuss muss Amend zwar abgeben, den Vorsitz im Förderverein „Theaterkreis“ wird er aber behalten. Und das sei auch gut so, wie allen voran der CSB-Fraktionsvorsitzende Christian Müller betont. „Dadurch bleibt Gerhard Amend auch weiterhin ein wichtiges Sprachrohr fürs Theater!“
In den schwierigen Zeiten, in denen sich das Landestheater Coburg aktuell befindet, kann in der Tat jeder Fürsprecher hilfreich sein. Denn so schön die Aussicht mit dem bald fertigen Globe ist :Völlig ungeklärt ist nach wie vor, wie die Generalsanierung des Großen Hauses am Schlossplatz angegangen werden soll. Zu befürchten sind hier noch reichlich schwierige Verhandlungen, bei denen außer dem Theaterausschuss auch dem kaufmännischen Direktor eine Schlüsselrolle zukommt.
Wechselt Frömming nach Essen?
Doch das Landestheater Coburg könnte schon bald ohne kaufmännischen Direktor da stehen: Fritz Frömming steht vor einem Wechsel nach Essen; der dortige Stadtrat will die Personalie am späten Mittwochabend absegnen.
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