Am 3. Oktober 2023, so die derzeitige Planung, wird das Globe eröffnet. Das erste Stück, das wohl eine Woche später in der Interimsspielstätte des Landestheaters Coburg zur Aufführung kommt, soll „Was ihr wollt“ sein, also eine recht vergnügliche Komödie von Shakespeare.
Alles andere als vergnüglich stellt sich allerdings die Suche nach einer passenden Adresse fürs Globe dar. Wie das Coburger Tageblatt in dieser Woche exklusiv berichtet hat, schlägt die Coburger Stadtverwaltung „Von-Schultes-Platz“ vor. Doch dagegen regt sich jetzt Widerstand. Die Vorwürfe lauten: „Das passt nicht“ oder „Fällt euch nichts Besseres ein?“
Wer war Johann Adolf von Schultes?
Sehr wohl anerkannt wird, dass sich der ehemalige herzogliche Archivar Johann Adolf von Schultes, der von 1744 bis 1821 lebte, Verdienste um Coburg erworben hat. Ebenso ist noch die Erinnerung an 2015 präsent: Als damals die existierende Von-Schultes-Straße in Max-Brose-Straße umbenannt wurde, hatte die Stadt den Nachfahren des herzoglichen Archivars versprochen, dass bald an einer anderen Stelle an von Schultes erinnert werden soll. Ob es aber gleich die vielleicht prominenteste Adresse sein muss, die in der jüngeren Coburger Stadtgeschichte neu zu vergeben ist?
„Nein“, sagt ein einflussreiches Mitglied des Coburger Stadtrats. Und: „Mehrere Mitglieder aus verschiedenen Stadtratsfraktionen sehen das genauso.“
Entscheidung kommende Woche?
Eigentlich sollte der Name „Von-Schultes-Platz“ am Mittwoch kommender Woche im Senat für Stadt- und Verkehrsplanung sowie Bauwesen abgesegnet werden. Doch hinter den Kulissen wird derzeit eifrig an einem Gegenvorschlag gearbeitet. Der könnte beinhalten, dass ein Teilstück der nördlichen Zufahrt zum Globe nach von Schultes benannt wird; aktuell gibt es dort die „Schlachthofstraße“, die nach 200 Metern zu „Am Güterbahnhof“ wird.
Gesucht: Eine Frau mit Bezug zum Theater
Herzstück des Gegenvorschlags soll aber ein Name für den Platz rund ums Globe sein. Gesucht wurde vornehmlich nach weiblichen Namensgeberinnen, die noch dazu einen Bezug zum Theater haben.
Bei der Suche mitgeholfen hat Christian Boseckert. Dazu muss man wissen, dass der Stadtheimatpfleger normalerweise in die Suche nach neuen Straßennamen eingebunden wird. Im Falle des „Von-Schultes-Platzes“ ist dies aber nicht geschehen. Vom Coburger Tageblatt zu der Thematik befragt sagt er: „Grundsätzlich begrüße ich es, dass eine Straße oder ein Platz wieder nach Herrn von Schultes benannt werden soll.“ Die Frage sei aber in der Tat, ob am Globe nicht der Name einer Person sinnvoller wäre, die einen Bezug zum Theater hat.
Christian Boseckert hat recherchiert. Mit dem Ergebnis, dass er Natalie Frassini und Nina Bellosa ins Gespräch bringt. Beide Damen haben spannende Lebensläufe. Natalie Frassini war allerdings nur 1858/1859 als Schauspielerin und Sängerin am Coburger Theater, heiratete dann Herzog Ernst von Württemberg und lebte bis 1890 auf Schloss Hohenfels.
Bühne frei für Nina Bellosa?
Nina Bellosa gehörte 46 Jahre dem Ensemble des Coburger Theaters an: von 1850 bis 1896. Im „Großen biographischen Lexikon der deutschen Bühne“ ist über sie nachzulesen: „Eine Darstellerin von dem gewinnenden Reiz Bellosas war aber auch am Coburger Hoftheater nicht oft gesehen worden.“ Sie habe über ein „sanftes, wohlklingendes Organ“ verfügt und das Publikum mit ihrem schauspielerischen Können „sofort“ eingenommen. Als sie im Alter von 70 Jahren in den Ruhestand ging, wurde sie aufgrund ihrer „unleugbaren großen Verdienste“ zum „Ehrenmitglied“ des Theaters ernannt.
Übrigens: Wenige Wochen nach der geplanten Eröffnung des Globe würde Nina Bellosa ihren 200. Geburtstag feiern.
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