Karin Burkardt-Zesewitz ist eine Frau mittleren Alters. Ihre Kinder sind aus dem Haus. Als Leiterin des Frauennotrufs Coburg engagiert sich die Diplom-Sozialpädagogin und Psychotherapeutin seit 23 Jahren für die Rechte der Frauen – und jetzt verstärkt für die Kinder dieser Stadt.
Einstimmig wurde sie vom Stadtrat zur neuen Kinderbeauftragten gewählt. Die Nachfolge von Thomas Apfel – der das Amt seit 2020 kommissarisch begleitet hat – trat sie zum 1. November an. Ihr Schreibtisch wird im neuen Familienbüro der Stadt stehen. Sichtbar will sie sein und sichtbar will sie machen: Vor allem die Kinder, die sonst keiner wahrnimmt. Das mag ihrer Erfahrung in der Notrufstele geschuldet sein. Denn betroffen vom Leid der Frauen sind ganz oft auch die Kinder, die aber zunächst nicht im Fokus stehen.
In ihrem Bewerbungsschreiben formulierte sie es so: „Für mich sind die Themen Kinder und Familie eine Herzensangelegenheit, außerdem bin ich Coburgerin mit Leib und Seele und hier sehr gut vernetzt. Aufgrund meiner Tätigkeit im Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen und Kinder weiß ich aber auch um die Schwierigkeiten und Probleme, die es für die Kleinsten geben kann.“
Sie hat nicht vor Kinderspielplätze einzuweihen, sagt sie. Ihr geht es um um den Blick aufs große Ganze. Eine ihrer ersten Fragen, die sie stellen möchte lautet: Wie kinderfreundlich ist Coburg eigentlich wirklich? Ihre Idee: Sie möchte an der Hochschule Coburg eine Studentin gewinnen, die dieser Frage in ihrer Bachelor- oder Masterarbeit nachgeht.
Über das Amt der Kinderbeauftragten sagt sie: „Ich habe keine Lust auf eine Alibigeschichte. Nur dass die Stadt sagen kann, wir haben eine Kinderbeauftragte – das reicht mir nicht!“
Mehr Therapieplätze
Kinder, die in einem gewalttätigen Umfeld aufwachsen, können sich nicht frei entwickeln. Davon ist Karin Burkardt-Zesewitz überzeugt. Alkoholabhängige Eltern, Depressionen in der Familie, ständiger Streit macht Kinder krank. „Sie kriegen alles mit und hängen emotional an den Eltern.“
In Coburg fehlen nicht nur Kinder- und Jugendpsychologen und -Psychiater, auch Plätze für Spieltherapie oder Hilfe für Scheidungskinder unter sechs Jahren. Ähnlich wie für das Hausärzteprogramm soll auch die Werbetrommel für neue Psychologenpraxen gerührt werden, wünscht sich die neue Kinderbeauftragte.
Nicht alle haben warmes Essen
Coburg ist mit seinen Gymnasien und Schulen gut aufgestellt. „Wir sind eine satte Stadt – und trotzdem rutschen immer noch Kinder weg.“ Kinderarmut sei weiter verbreitet als Altersarmut, aber weniger im Bewusstsein. Das möchte Karin Burkardt-Zesewitz ändern. In Corona-Zeiten hat sie Kinder kennengelernt, die kein Homeschooling machen konnten, weil sie weder über ein Handy noch einen Laptop verfügten. Teilhabe sehe anders aus. Auch ein warmes Mittagessen stehe nicht überall in Coburg auf dem Tisch. „Und das wird noch schlimmer“, prognostiziert sie. Wenn das Geld für die Energiekosten drauf geht, können sich Eltern noch weniger leisten. Die Kinder sind dann die Leidtragenden und können am allerwenigsten dafür. Darauf aufmerksam machen und in den Senaten bei Entscheidungen daran erinnern, was das für die Kinder bedeutet, darin sieht sie ihre Aufgabe.
Karin Burkardt-Zesewitz wünscht sich weniger Bürokratie, niederschwellige Zugänge zu den Geldtöpfen. Keine große Antragstellerei. Das Neun-Euro-Ticket fand sie eine „geniale Sache“, denn es ermöglichte Teilhabe für alle.
Der andere Wunschbaum
Weg von den materiellen Wünschen, hin zu dem, was Kinder wirklich wollen. Die neue Kinderbeauftragte sagt: „Kinder sind Experten, die genau wissen, was ihnen fehlt und was sie brauchen. Das müssen wir abfragen und dann überlegen, wie wir ihnen helfen können.“
Wenn der Bus ums Eck pfeift
Dass am Albertsplatz oder an der Ecke Steinweg/Georgengasse noch nichts passiert ist, wundert Karin Burkardt-Zesewitz. Da wo Kinder Eis essen oder unbeschwert durchs Wasser springen, fahren die Stadtbusse nah vorbei. Auf solche Gefahrenstellen aufmerksam machen und den Blick auf die Kinder richten, das möchte sie.
Die Kinderbeauftragten
Vorgänger
Januar 1992 – April 1996: Sabine Braunersreuther
März 1997 – April 2002: Heidi Winkler
Oktober 2002 – Oktober 2008: Isabel Firsching
November 2008 – Februar 2009: Kristin Schubart
März 2009 – Oktober 2014: Bianca Nestmann
November 2014 – Juli 2016: Kristin Kranjec
2017 – 2022 (seit 2020 kommissarisch: Thomas Apfel
Kontakt
Karin Burkardt-Zesewitz
Kinderbeauftragte der Stadt Coburg
Email: kinderbeauftragte@coburg.de
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