Das Ziel ist bereits in Sicht: Aus dem „Regiomed-Klinikum Coburg“ dürfte schon bald das „Sana-Klinikum Coburg“ werden. Am Donnerstag hatten der Stadtrat und der Kreistag den Weg dafür freigemacht und mit recht stabilen Mehrheiten für eine Privatisierung des bislang kommunalen Krankenhauses gestimmt.
Am Freitag stand ein vergleichbarer Beschluss auf der Tagesordnung einer Sondersitzung des Lichtenfelser Kreistags. Denn die Verantwortlichen der Sana-Kliniken AG hatten ja stets betont, dass es für sie nur sinnvoll sei, sowohl das Coburger als auch das Lichtenfelser Klinikum zu übernehmen und die beiden Häuser dann „gemeinsam zu entwickeln“.
In Lichtenfels war eigentlich ein deutliches Votum „pro Privatisierung“ erwartet worden. Doch dann wurde es überraschend spannend: Mit 21:19 Stimmen hätte der Beschluss zugunsten einer Zukunft mit Sana nicht knapper ausfallen können.
Ebenfalls am Freitag tagte der Krankenhausverband Coburg, der aus Mitgliedern des Stadtrats und des Kreistags besteht. Nach der Entscheidung vom Donnerstag war es keine große Überraschung, dass auch dort ein Verkauf des Klinikums Coburg an Sana befürwortet wurde.
Insolvenz von Regiomed
In der kommenden Woche wird nun der Gläubigerausschuss die finale Entscheidung treffen. Der Gläubigerausschuss ist im Rahmen des Regiomed-Insolvenzverfahrens sozusagen zum wichtigsten Entscheidungsgremium geworden. Vor einigen Wochen hatte sich der Gläubigerausschuss bereits für den Einstieg eines privaten Trägers ausgesprochen, und zwar für die Sana AG. Deshalb dürfte diese allerletzte Hürde auf dem Weg zu einem „Sana-Klinikum Coburg“ kein wirkliches Hindernis mehr darstellen.
OB wendet sich an Belegschaft am Klinikum Coburg
Derweil war es dem Coburger Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) wichtig, sich am Freitag an diejenigen zu wenden, die von den vielen Entscheidungen am meisten betroffen sind: an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums Coburg.
Sauerteig äußerte Verständnis, wenn der ein oder andere nun angesichts der privaten Trägerschaft hinterfrage, ob sein jetziger Arbeitsplatz mit Sana noch der „der eigenen Wahl“ sei.
„Gute Verhandlungsergebnisse“
Doch der OB berichtete von den vielen Verhandlungen, die er zuletzt geführt habe: „In den Gesprächen mit Sana habe ich immer wahrgenommen, dass zufriedene Beschäftigte dort als zentraler Baustein eines erfolgreichen Krankenhausbetriebes angesehen werden. Daher konnten wir hier auch gute Verhandlungsergebnisse für Sie erzielen.“
Sauerteig weiter: „Mit Sana bekommen Sie einen seriösen und kompetenten Gesellschafter und Träger mit sehr viel Erfahrung im Klinikbetrieb. Das bietet sehr viel bessere Voraussetzungen für einen dauerhaften Erhalt der Arbeitsplätze als eine auf tönernen Füßen gebaute kommunale Trägerschaft.“
Die Erklärung des Oberbürgermeisters im kompletten Wortlaut lesen Sie hier:
Außerdem gab Dominik Sauerteig in der Erklärung noch einmal sehr offen zu, dass auch ihm die Entscheidung für eine Privatisierung nicht leicht gefallen sei. Schließlich habe er sich seit Beginn seiner Amtszeit – und auch schon davor als Mitglied der Kommission zur Aufarbeitung der Vergangenheit bei Regiomed – für einen „auskömmlich finanziell ausgestatteten Regiomed-Verbund in kommunaler Trägerschaft“ eingesetzt.
Auch anschließend, also nach dem Insolvenzantrag, sei er lange Zeit für einen „kommunalen Weg“ gewesen. Aber: „Im Zuge der Verhandlungen musste ich im fortschreitendem Entflechtungsprozess erkennen, dass dieser sowohl organisatorisch, operativ als auch finanziell für Coburg Stadt und Land nicht zu bewältigen ist.“ Diese Erkenntnis bezeichnet der OB als einen „emotional sehr schwierigen Prozess“. Herz und Kopf hätten „sehr lange mit sich gekämpft“.
Einen Kommentar zur Privatisierung des Klinikums Coburg lesen Sie hier:
Mehr zu den Plänen des Sana-Chefs Thomas Lemke für die Krankenhäuser in Coburg, Neustadt bei Coburg und Lichtenfels lesen Sie hier:
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