Freitagabend, Coburger Innenstadt: Der Journalist und Auslandskorrespondent Christian Limpert steht glücklich vor dem Café „das Johann“ und stößt mit Arbeitskollegen an – auf den Frieden, auf die Gesundheit und vor allem auch auf die Liebe. Denn Christian Limpert hat wenige Stunden zuvor seine langjährige Freundin Eva standesamtlich geheiratet. Am Samstag folgte in der Schlosskapelle der Ehrenburg noch die kirchliche Trauung.
Leiter des ARD-Studios in Tel Aviv
Dass die Hochzeit wie geplant stattfinden konnte, war aber alles andere als selbstverständlich. Denn hinter Christian Limpert, der seit Anfang 2022 das ARD-Studio in Tel Aviv leitet, liegen anstrengende Tage. Nervenaufreibende Tage.
Seit dem israelischen Großangriff auf den Iran hatte sich die Sicherheitslage in der israelischen Hauptstadt immer mehr zugespitzt. In der Nacht zum 15. Juni kam es schließlich zum iranischen Gegenangriff. Dadurch veränderte sich auch für das ARD-Team um Christian Limpert die Lage. „Erstmals schlugen iranische Raketen direkt in Tel Aviv ein“, berichtete Christian Limpert in einem Beitrag für den Bayerischen Rundfunk (BR).
Arbeiten in unterirdischem Schutzraum
Trotzdem wurde vorerst weitergearbeitet – die Produktion der TV- und Radioberichte wurde allerdings an einen sichereren Ort verlegt. Und zwar in ein Hotel, das mit einem militärisch geprüften unterirdischen Schutzraum als sehr sicher gilt, wie Christian Limpert erklärt. Notstrom und Versorgung wären hier im schlimmsten Fall für Tage gewährleistet.
Entscheidung: Teil des Teams wird evakuiert!
Doch als der Raketenhagel aus dem Iran einfach nicht aufhört, wird in der Security-Task Force ein Entschluss gefasst: Das ARD-Studio Tel Aviv evakuiert einen Teil seines Teams aus Israel.
In einem „Exit-Plan“ ist alles genau geregelt
Weil spätestens seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 klar war, dass irgendwann dieser „Tag x“ kommen kann, existiert ein sogenannter „Exit-Plan“. In ihm ist genau geregelt, wie eine Evakuierung abzulaufen hat, damit sie gelingt. Ein solcher Plan berücksichtigt auch, dass sich in einem Krisen- und nun Kriegsgebiet wie Israel bestimmte Rahmenbedingungen ständig ändern. Im aktuellen Fall war es zum Beispiel so, dass der Luftraum über Israel komplett gesperrt war. Für die Evakuierung blieb also nur der Landweg.
Mit einem kleinen Konvoi aus zwei Fahrzeugen mit insgesamt 27 Personen (darunter auch Ortskräfte mit Kindern sowie weitere Journalisten deutscher Medien) machten sich Christian Limpert und einige seiner Kollegen auf den Weg in Richtung Ägypten. Am 24. Juni postet Christian Limpert auf seiner Facebook-Seite mehrere Fotos. Im dazugehörigen Text verrät er auch, warum es ihm besonders wichtig ist, dass die Evakuierung zeitnah gelingt: „In ein paar Tagen ist unsere Hochzeit. Ich habe versprochen, rechtzeitig daheim zu sein.“
Die Angst ist ein ständiger Beifahrer
Die Fahrt ging von Tel Aviv über Beer Sheva in die Negev-Wüste. Es ist heiß, und die Angst vor Raketenangriffen ist ein ständiger Beifahrer.
Plötzlich wird es dramatisch
Eine behördliche App, die über Angriffe informiert, zeigte plötzlich „Code red“ an. Das bedeutet, wie Christian Limpert es beschreibt: „Raus aus dem Auto und flach hinlegen.“ Innerhalb weniger Sekunden habe er dann den genauen Standort des Konvois mit einem Kollegen in Tel Aviv abgeglichen. „Er konnte dann schnell Entwarnung geben“, erzählt der Studioleiter. Denn es stellte sich heraus: Den Bereich, in dem wegen eines neuerlichen Raketenangriffs der Alarm ausgelöst worden war, hatte der Konvoi bereits vor zehn Minuten passiert.
In Ägypten standen dann bereits drei Fahrer bereit. Sie brachten Christian Limpert & Co. auf einer dreistündigen Fahrt durch den Sinai bis nach Sharm-El-Sheikh. Von dort konnte in Ferienfliegern die Heimriese nach Europa angetreten werden.
In einem Beitrag für den BR beschreib Christian Limpert seine Gefühlslage, als er sich in eines der ägyptischen Fahrzeuge gesetzt hatte: „Ich lasse mich auf den Beifahrersitz eines der Fahrzeuge fallen. Zum ersten Mal seit Abreise plagt mich das schlechte Gewissen. Hätte ich nicht noch länger bleiben sollen bei ,meinem‘ Team in Tel Aviv? Immerhin weiß ich, dass sie auch dort vorerst so sicher wie möglich produzieren können.“
Das Hochzeitspaar küsst sich
Und weiter schreibt Christian Limpert: „Mein Blick fällt auf das Armaturenbrett. Da steht ein verliebtes Miniatur-Hochzeitspaar. Er küsst sie. Mein schlechtes Gewissen ist weg. Noch gut eine Woche bis zu meiner Hochzeit. Ich hatte versprochen, rechtzeitig daheim zu sein.“
Freitagabend, Coburger Innenstadt: Vor dem „Johann“ spielt die Original Prinz Albert Blasmusik (OPA) auf. Schließlich ist Christian Limpert seit vielen Jahren der Kopf und der Manager dieser Coburger Kultgruppe. Ehrensache, dass dem Brautpaar gleich mehrere Ständchen gespielt werden. Außer den OPA-Klassikern wie „Ohne Dich“ (Münchner Freiheit) und „Narcotic“ (Liquido) erklingt auch „Can't Help Falling in Love“, die Liebesballade von Elvis Presley. Christian Limpert nimmt dazu seine Eva in den Arm und wiegt romantisch hin und her.
Im August zurück nach Tel Aviv?
Im Juli hat Christian Limpert jetzt erst einmal Urlaub. Die Rückreise nach Tel Aviv ist für Anfang August geplant – im Idealfall mit dem Flugzeug.



















