Beim Thüringerwald-Verein Coburg wird nicht nur auf schönen Pfaden durch die Natur gewandert. Seit einiger Zeit ist er auch auf digitalen Wegen in den sozialen Medien unterwegs. Zum Beispiel auf Instagram. Genau dort tauchte in diesen Tagen ein ungewöhnliches Video auf. Darauf zu sehen sind zwei junge Frauen, die jubeln und vor Freude hüpfen. Daneben steht der Text: „Seit gestern sind wir stolze Eltern eines ganz schön alten Vereins-Babys.“
Die „Eltern“ sind aber nicht nur stolz, sondern auch noch recht jung: Laura Gutwill ist 28 Jahre, Patrizia Schnabel 29 Jahre.
Verein war zuletzt ein „Sorgenkind“
Beim „Baby“ handelt es sich um den Thüringerwald-Verein Coburg, der zuletzt ein echtes „Sorgenkind“ war.
Weil sich seit zwei Jahren kein neuer Vorsitzender gefunden hatte, drohte dem 1907 gegründeten Verein sogar die Auflösung. Dass mit Laura Gutwill und Patrizia Schnabel nun ausgerechnet zwei der jüngsten Vereinsmitglieder die Rettung sind, macht die ganze Sache natürlich noch spannender.
Im Trend: Wandern und Bewegung in der Natur
Den beiden jungen Frauen ist sehr wohl bewusst, dass sie jetzt vor einer ziemlichen Herausforderung stehen. Die Themen „Wandern“ und „Bewegung in der Natur“ liegen zwar voll im Trend. Trotzdem hat der Thüringerwald-Verein – wie so viele andere Vereine auch – mit etlichen Problemen zu kämpfen. Es fehlt der Nachwuchs, und es fehlt auch an Menschen, die ein Ehrenamt übernehmen wollen.
Doch Laura Gutwill und Patrizia Schnabel haben total viel Lust, diese Herausforderung anzunehmen. Im Gespräch mit dem Coburger Tageblatt sagen sie: „Wir wissen zwar noch nicht, ob es gut wird – aber wir sind bereit, und wir haben den Mut, es auszuprobieren!“ Sehr dankbar sind die beiden, dass sich bei der Hauptversammlung ein Team gefunden hat, das die neue Doppelspitze tatkräftig unterstützen möchte. Eine große Hilfe ist auch das sogenannte „Hütten-Team“, das sich ehrenamtlich um die Bewirtschaftung der Alexandrinenhütte auf der Sennigshöhe kümmert.
Laura Gutwill bezeichnet die Alexandrinenhütte als „das Herzstück unseres Vereins“. Sie selbst verbindet viele Erinnerungen mit diesem idyllischen Ort, unter anderem hat sie dort als kleines Mädchen viel Zeit verbracht. Klar, Laura Gutwill ist sozusagen „ein Kind des Thüringerwald-Vereins“. Ihr Vater Helmut Völk ist so etwas wie ein „Urgestein“ des Vereins und hatte die vergangenen zwei Jahre auch kommissarisch den Vorsitz inne. Ein Hinweis ist Laura Gutwill in diesem Zusammenhang aber sehr wichtig: „Mein Papa hat mich nicht gedrängt, den Vorsitz zu übernehmen!“ Ganz im Gegenteil: „Er war ganz platt, als ich ihm erzählt habe: Das könnte ich mir vorstellen!“
Beim Ballett kennengelernt
Laura Gutwill kann und will sich den Vorsitz aber nur im Team vorstellen. Deshalb trifft es sich gut, dass sie mit Patrizia Schnabel eine Freundin hat, die ebenfalls das Wandern und die Natur liebt. Kennengelernt haben sie sich vor über 20 Jahren beim Ballett. Heute sind sie beide in pädagogischen Berufen tätig; Patrizia Schnabel bei einem freien Träger in Coburg, Laura Gutwill bei der Stadt Erlangen. Laura Gutwill wohnt mit ihrem Lebensgefährten inzwischen auch in Erlangen. Deshalb wird sie sich als neue Vorsitzende des Thüringerwald-Vereins schwerpunktmäßig um das Organisatorische kümmern. Helfen dürfte ihr dabei, dass sie als Landesjugendleiterin bei der Deutschen Wanderjugend Bayern bereits viel Erfahrung mit dem Papierkram hat, der mit einem Ehrenamt nun einmal auch verbunden ist.
Patrizia Schnabel, die aus Hafenpreppach stammt, inzwischen aber mit ihrem Freund in Coburg wohnt, wird sich als neue Zweite Vorsitzende des Thüringerwald-Vereins mehr um die Termine und Angelegenheiten vor Ort kümmern.
Alter Verein, junge Doppelspitze
Einerseits bitten die jungen Frauen um etwas Geduld: Sie wollen sich zunächst einen Überblick verschaffen, ehe sie so richtig durchstarten.
Andererseits sprühen die beiden bereits jetzt vor Ideen, wie sie den altehrwürdigen Verein für die Zukunft aufstellen möchten. Denn, so ehrlich muss man sein: Der Thüringerwald Verein ist sehr überaltert. Das Durchschnittsalter der 360 Mitglieder liegt bei Mitte 60. Tendenz: weiter steigend.
„Es gibt so viele Möglichkeiten, den Verein auch für junge Menschen attraktiv zu machen“, sagt Patrizia Schnabel. Beim Thema Wandern ist es ihr beispielsweise ein Anliegen, künftig mehr Familien mit Kindern ansprechen zu können. Sprich: Bei den vielen Wanderungen, die der Thüringerwald-Verein regelmäßig anbietet, soll auf mehr Familienfreundlichkeit geachtet werden.
In der Gruppe macht Wandern mehr Spaß!
Eine grundsätzliche Frage lautet aber natürlich: Was ist überhaupt der Vorteil, nicht alleine, sondern in einer größeren Gruppe zu wandern? „Weil es geselliger ist und mehr Spaß macht“, sagen Laura Gutwill und Patrizia Schnabel wie aus der Pistole geschossen. Hinzu komme, dass die Wanderwarte des Thüringerwald-Vereins bereits viele schöne Routen im Coburger Land (und drumherum!) kennen. Wer sich dem Thüringerwald-Verein anschließt, kann davon profitieren und muss nicht selbst auf einer Landkarte oder in einer App nach möglichen Wanderstrecken suchen.
Auch im Naturschutz aktiv
Laura Gutwill und Patrizia Schnabel betonen aber, dass beim Thüringerwald-Vereins ja nicht bloß gewandert werde. So sei der Verein zum Beispiel auch in Sachen Natur- und Umweltschutz sehr aktiv. Regelmäßig finden etwa Baumpflanzungen statt, um den Wald nahe der Alexandrinenhütte aufzuforsten.
Fast 400 Kilometer Wanderwege
Eine weitere wichtige Aufgabe ist seit jeher der Unterhalt der Wanderwege im Coburger Land. Der Thüringerwald-Verein kümmert sich – sowohl, was die Beschilderung als auch den Zustand der Wege betrifft – um ein Streckennetz von fast 400 Kilometern.
Als vielleicht schönster Wanderweg gilt der Carl-Escher-Weg, der auch an der Alexandrinenhütte vorbeiführt. Auch dort, beim „Herzstück des Vereins“, kann sich jeder gerne einbringen, der Lust auf Natur und Geselligkeit hat.
Obwohl das Angebot des Thüringerwald-Vereins also schon sehr groß ist, können sich Laura Gutwill und Patrizia Schnabel noch ein paar Erweiterungen vorstellen. Immer im Blick dabei: junge Menschen.
Die schönsten Ecken im Coburger Land
Denkbar sind etwa Programme für Kinder in den Ferien, Ausflüge mit dem Fahrrad oder auch Aktivitäten rund ums Wasser. Das kann eine Kanutour auf dem Main sein oder eine spannende Erkundungstour entlang eines Baches. Patrizia Schnabel verrät: „Überall, wo Wasser ist, finde ich es besonders schön!“ Zu ihren Lieblingsecken im Coburger Land zählt deshalb der Mühlengrund zwischen Scheuerfeld und Hergramsdorf.
Auch Laura Gutwill hat einen Lieblingsort: „Ich habe mich total in den Querkelsteinweg bei Hohenstein verliebt.“ Denn: „Dort ist es so verwinkelt und verwunschen!“
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