0
Verkehr
167 Ideen für ein fahrradfreundliches Coburg
Die Stadt Coburg gibt sich ein neues Radwegekonzept.
Die Stadt Coburg gibt sich ein neues Radwegekonzept. // Friso Gentsch/dpa
Coburg – Das neue Radwegekonzept enthält viele Vorschläge für kleine und größere Maßnahmen. Verbessert werden soll ausdrücklich die Situation aller Verkehrsteilnehmer. Einige Stadträte haben trotzdem noch Bauchschmerzen.

„Was genau beschließen wir heute eigentlich?“, wollte Roland Eibl (CSU) wissen. Denn das Radwegekonzept, das am Donnerstag im Senat für Stadt- und Verkehrsplanung sowie Bauwesen vorgestellt wurde, enthalte zwar „einige tolle Sachen“. Doch ein paar Punkte würden ihm auch „Bedenken“ bereiten. Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) erklärte es daraufhin noch einmal: Bei den insgesamt 167 Maßnahmen, die im Konzept aufgelistet werden, handele es sich um „Vorschläge“. Ob und wann und wie diese Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden, darüber müsse immer noch im Detail – vor allem mit den Fachplanern – geredet werden. Auch sei jeweils die Zustimmung der Polizei und des Ordnungsamts erforderlich. Roland Eibl zeigte sich beruhigt, und es wurde ein einstimmiger Beschluss gefasst: Der Senat „bekennt sich nachhaltig“ zu dem Radwegekonzept.

Unterschiedliche Prioritäten

Erarbeitet wurde das Radwegekonzept vom Berliner Büro „Stadtraum“, und zwar in enger Kooperation mit dem Coburger Arbeitskreis Rad. Grünen-Stadtrat Wolfram Haupt gehört diesem Arbeitskreis an und versuchte am Donnerstag auch all diejenigen zu beruhigen, die vielleicht grundsätzlich ein Problem mit dieser Fahrrad-Offensive haben – allen voran Autofahrer. „Ein Drittel der Maßnahmen wird den Autoverkehr überhaupt nicht beeinflussen.“ Da geht es zum Beispiel einfach darum, Bordsteine abzusenken, Ampel-Schaltungen zu optimieren oder mit Farbe bestimmte Fahrradspuren wieder besser sichtbar zu machen.

Die „Löwen-Kreuzung“ in Coburg ist für alle Verkehrsteilnehmer kompliziert. Dort, wo die Judengasse die Achse Viktoriastraße/Löwenstraße quert, könnte ein Kreisel die Situation verbessern. Allerdings würde dafür ein Teil der Sauerteig-Anlage (vor ...
Die „Löwen-Kreuzung“ in Coburg ist für alle Verkehrsteilnehmer kompliziert. Dort, wo die Judengasse die Achse Viktoriastraße/Löwenstraße quert, könnte ein Kreisel die Situation verbessern. Allerdings würde dafür ein Teil der Sauerteig-Anlage (vor dem ehemaligen Alexandrinenbad) benötigt werden. // Oliver Schmidt

Es gibt allerdings auch elf sogenannte „Lupenräume“. So werden von den Planern besonders wichtige Stellen im Coburger Stadtgebiet bezeichnet, an denen ihrer Meinung nach besonderer Handlungsbedarf besteht. Insgesamt genießen aber 60 der vorgeschlagenen Maßnahmen die oberste „Priorität A“, und im Radwegekonzept werden dazu ehrgeizige Ziel gesteckt: Bis zum Jahr 2025 sollten 40 Prozent dieser „A“-Maßnahmen umgesetzt sein; bis 2028 sollten es 70 Prozent sein, und bis 2032 dann 95 Prozent.

Brücke über Stadtautobahn

Roland Eibl fragte trotzdem lieber noch einmal nach: „Beschließen wir dann heute die Brücke?“ Nein. Mit der „Brücke“ ist der vielleicht spektakulärste Vorschlag für einen der „Lupenräume“ gemeint: Für eine bessere Anbindung des westlichen Coburgs an die Innenstadt schlagen die Planer den Bau einer Brücke über die Stadtautobahn vor. Auf westlicher Seite müsste sie ihren Anfang am Adamiberg haben, der mögliche Anknüpfungspunkt auf der anderen Seite wäre im Bereich Lossaustraße, zwischen dem Zentralen Omnibusbahnhof und dem Bahnhof.

Die Frankenbrücke in Coburg muss in den kommenden Jahren ohnehin komplett saniert werden. Vielleicht könnte das genutzt werden, um die einzelnen Fahrspuren und Fahrstreifen neu zu sortieren – und, um an der Einmündung Hutstraße/Marschberg einen Kr...
Die Frankenbrücke in Coburg muss in den kommenden Jahren ohnehin komplett saniert werden. Vielleicht könnte das genutzt werden, um die einzelnen Fahrspuren und Fahrstreifen neu zu sortieren – und, um an der Einmündung Hutstraße/Marschberg einen Kreisverkehr zu errichten. // Andreas Brückner

Sehr viel realistischer erscheint die mittelfristige Realisierung an einigen anderen „Lupenräumen“. Zum Beispiel an und auf der Frankenbrücke. Winfried Müller-Brandes vom Büro „Stadtraum“ gab zu bedenken, dass die Frankenbrücke in den kommenden Jahren ohnehin komplett saniert werden soll. Dies könnte zum einen dazu genutzt werden, um die Fahrspuren auf der Brücke neu und sinnvoller anzuordnen. Für Autofahrer sei es beispielsweise schwierig, wenn sich auf der mittleren Spur, die auch stadteinwärts fährt, plötzlich Linksabbieger in Richtung Stadtautobahn stauen. Zum anderen wird auch der Bau eines Kreisverkehrs an der Einmündung Marschberg/Hutstraße vorgeschlagen. Radfahrer, die zum Beispiel aus Richtung Hochschule kommen, könnten dann problemlos auf den Radweg auf der südlichen Brückenseite gelangen. Derzeit nutzen viele kurzerhand den Radweg auf der nördlichen Brückenseite und werden dort zu „Geisterfahrern“, was auch für Fußgänger oft gefährlich ist. Trotzdem gab Roland Eibl offen zu, mit einem Kreisverkehr an dieser Stelle noch „Bauchschmerzen“ zu haben.

Umbau am Thüringer Kreuz?

Zu einigen anderen „runden Ideen“ gab es zumindest am Donnerstag noch keine Einwände. So schlagen die Planer zum Beispiel auch an der Löwenkreuzung und vor dem Kongresshaus (Alexandrinenstraße/Berliner Platz) die Errichtung von Kreisverkehren vor. Am Thüringer Kreuz ist zwar kein Kreisverkehr möglich. Doch mit ein paar Umbauten könnte die Situation nach den Vorstellungen der Planer trotzdem etwas übersichtlicher und damit auch sicherer gestaltet werden – wohlgemerkt: für alle Verkehrsteilnehmer.

Einen „Mini-Kreisel“ könnten sich die Planer vor dem Coburger Kongresshaus vorstellen. Dort mündet mit der Alexandrinenstraße eine Fahrradstraße in den Berliner Platz.
Einen „Mini-Kreisel“ könnten sich die Planer vor dem Coburger Kongresshaus vorstellen. Dort mündet mit der Alexandrinenstraße eine Fahrradstraße in den Berliner Platz. // Oliver Schmidt

Ein weiterer „Lupenraum“ befindet sich im Kanonenweg. Die dortige Fahrbahn ist neun Meter breit, was zugleich das mögliche Maximum darstelle, so Winfried Müller-Brandes. Um trotzdem eine Verbesserung für Radfahrer zu erreichen, könnten auf beiden Seiten Schutzstreifen mit jeweils zwei Metern Breite geschaffen werden. Dem motorisierten Verkehr blieben dann die fünf Meter in der Mitte. Speziell Lastwagen könnten aber bei Bedarf auch die Schutzstreifen, die ja höhengleich sind, nutzen.

Kritik von Gerhard Amend

Winfried Müller-Brandes war an dieser Stelle auch der Hinweis wichtig, dass mit dem Konzept zwar die Voraussetzungen für den Radverkehr in Coburg verbessert werden sollen. „Es ist aber keine Scheuklappen-Planung! Wir haben auch immer darauf geachtet, welche Maßnahme welche Auswirkungen auf die anderen Verkehrsarten hat.“ Und trotzdem: Gerhard Amend (CSB) kritisierte, dass nicht gleich ein kompletter neuer Verkehrswegeplan in Auftrag gegeben wurde. „Wir können doch nicht mit einem Radwegekonzept vorpreschen, das dann vielleicht mit anderen Planungen kollidiert.“ OB Sauerteig erinnerte Amend daran, dass der Stadtrat aber nun einmal genau diese Vorgehensweise beschlossen habe. „Ja, aber das war ein ganz großer Fehler“, sagte Amend – gab dem Konzept dann aber dennoch seine Stimme.

Weitere Vorschläge aus dem Radwegekonzept

Steintor Im neuen Radwegekonzept wird unter anderem auch eine Verbesserung auf der Achse Untere Anlage – Wettiner Anlage – Schlossplatz angeregt. Die Stellen, an denen Radfahrer an der Steintor-Ampel auf „Grün“ warten müssen, seien auf beiden Seiten recht steil. Deshalb könnte hier eine Abflachung erfolgen. Außerdem denkbar: Induktionsschleifen, mit deren Hilfe die Radfahrer schneller „Grün“ bekommen.

„Eis Adria“-Kreuzung Dort, wo die Hindenburgstraße in die Bahnhofstraße mündet, gibt es gleich mehrere Verkehrsinseln, was alles sehr unübersichtlich macht. Die Planer schlagen einen Umbau vor – mit am Ende nur noch einer einzigen, dafür etwas größeren Verkehrsinsel.

Anger In der Schützenstraße sollte der Radstreifen vor dem Parkplatz verbreitert werden.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!