Seit ein paar Monaten stehen in der Wettiner Anlage und in der Unteren Anlage in Coburg zwei mysteriöse Stangen. Auf den ersten Blick sehen sie ein bisschen aus wie Bedarfsampeln, wie man sie von Fußgängerüberwegen kennt. Es befinden sich sogar entsprechende Drücker an den Stangen. Doch irgendwelche Lichter, wie sie ebenfalls zu einer Ampel gehören würden, gibt’s nicht.
Service für Fahrradfahrer
Des Rätsels Lösung: Hier handelt es sich um einen Service für Fahrradfahrer, der allerdings noch nicht in Betrieb ist.
Verkürzt könnte man von Fahrradampeln sprechen. Treffender ist aber die Bezeichnung „zusätzliche Ampel-Anforderungstaster für Radfahrer“.
Warten auf Grün
Sobald diese Anforderungstaster in Betrieb sind, kann darüber die Bedarfsampel am Fußgänger- und Radfahrerüberweg am Steintor in Gang gesetzt werden. Der Umstand, dass sich die Signaltasten – aus beiden Richtungen kommend – jeweils etwa zehn Meter vor der Bedarfsampel befinden, bringt Radfahrern (und auch Fußgängern) gleich mehrere Vorteile.
So kann zum Beispiel verhindert werden, dass der Fahrradfahrer absteigen muss. Zumindest theoretisch ist es möglich, dass die Signaltaste gedrückt wird und bis zum langsamen Weiterrollen in Richtung Steintor springt die Ampel dann auch schon auf „Grün“. In der Praxis wird es aber oft so sein, dass der Fahrradfahrer trotzdem ein bisschen warten muss. Dieser Hinweis ist auch dem Pressesprecher der Stadt Coburg, Louay Yassin, sehr wichtig: Vorrang hätten an dieser neuralgischen Kreuzung auch weiterhin ausschließlich die Stadtbusse. Die Fahrer der Stadtbusse können die Ampelschaltung nämlich je nach Bedarf direkt beeinflussen.
Stark frequentierte Fahrradroute
Louay Yassin gibt aber ebenso zu bedenken, dass die Achse Untere Anlage – Wettiner Anlage – Schlossplatz eine „sehr stark frequentierte Fahrradroute“ sei. Deshalb sei bereits vor längerer Zeit beschlossen worden, hier für eine Erleichterung zu sorgen.
Kein Konflikt mehr mit Fußgängern
Eine Erleichterung bringt die neue Konstruktion auch dann, wenn die Ampel nicht gleich auf „Grün“ springt. So können sich Fahrradfahrer an den Stangen festhalten und müssen nicht absteigen. Was außerdem entfällt, sind mögliche Konflikte mit Fußgängern. Denn bislang müssen Radfahrer unmittelbar bis zur Bedarfsampel vorfahren, um diese zu betätigen. Die Bedarfsampeln stehen aber auf dem Gehweg, der ebenfalls oft stark frequentiert ist.
Spott beim Gaudiwurm
Und trotzdem: Beim Coburger Gaudiwurm an diesem Sonntag wird es Spott für diese neue Einrichtung geben. Der Sprayer und Aktionskünstler Alex baut zurzeit einen Wagen, auf dem es einen großen Nachbau der Fahrradampel zu bestaunen geben wird.
Der dazugehörige Slogan auf dem Faschingswagen der IG Coburg Helau heißt: „Bedarfsampel für Einsparpotenzial“.
Denn Alex mag nicht so recht verstehen, warum für so etwas in Coburg Geld da ist, während gleichzeitig – in Zeiten knapper Kassen – Veranstaltungen wie das Klassik-Open-Air im Rosengarten gestrichen werden.
Der Vergleich mag etwas schräg sein. Das Klassik-Open-Air schlägt mit jährlich knapp 40.000 Euro zu Buche. Die zusätzlichen Anforderungstaster für Radfahrer haben einmalig rund 12.000 Euro gekostet, wie Louay Yassin sagt.
Bezahlt und abgerechnet wurde die Maßnahme außerdem schon im vergangenen Haushaltsjahr 2023. Die von Alex erwähnten Sparmaßnahmen, über die in Coburg diskutiert wird, betreffen aber erst den Haushalt für 2024.
Bleibt noch die Frage, wann die zusätzlichen Anforderungstaster in Betrieb gehen. Zurzeit findet schon ein Probebetrieb statt, wie Louay Yassin sagt.
Erst wenn bei diesem Probebetrieb alles fehlerfrei läuft, soll der neue Service für Radfahrer offiziell gestartet werden.
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