An den Außenschaufenstern des ehemaligen „Maiwald“ im Stadthaus hängt ein Stift. Oben die Fragen „Mein Lieblingsplatz in Coburg“ und „Das wünsche ich mir für Coburg“. Zahlreiche Antworten sammeln sich nach Start der Aktion am 4. März darunter. Hinter der Fenster-Aktion stecken Taleka und Dennis Fielitz. Die beiden betreiben den Online-Handel Glaswunder.eu und jetzt wollen sie ihr erstes stationäres Geschäft in Coburg eröffnen.
„Ursprünglich war das eine reine Marketingidee“, sagt Taleka Fielitz, angesprochen auf die Fenster-Aktion. Sie wollten die Leute schon einmal daran gewöhnen, dass es hier bald etwas zu sehen gibt. Denn wenn das Geschäft voraussichtlich Anfang September eröffnet, wird es hier nicht nur Glaskugeln und Figuren zu kaufen, sondern auch Showglasblasen zu sehen und mitmachen geben.
Dabei können die Besucher dann das Handwerk des Glasblasens ganz nah erleben – Ziel sei es, Glasbläser aus der Region Lauscha dafür in den Laden zu holen. „Auch von draußen sollen die Leute dann sehen können, was hier geboten wird“, sagt Dennis Fielitz. Das traditionelle Stadthaus mit dem traditionellen Handwerk – das passe sehr gut zusammen.
Glaswunder stellt sich vor
Die Coburger hätten die Fenster-Aktion jedoch so gut angenommen, dass die Fläche bereits mehrmals wieder geleert werden musste, um Platz für neue Antworten und auch Fragen zu schaffen. „Und bisher sind auch nur zwei Stifte abhandengekommen“, sagt Taleka Fielitz mit einem Lachen. Auch die Antworten seien respektvoll und wenn mal auf dem Fenster „mehr AfD für Coburg“ steht, dann regelt sich das selbst, indem jemand ein Herz darum malt und „nie“ darüber schreibt. Dadurch wurde es schnell zu einem „Fenster für friedlichen, politischen Austausch“, sagt Dennis Fielitz.
Selbst die Stadt habe darum gebeten, die Bilder der vollgeschriebenen Fenster zu bekommen. „Das ist ja auch eine viel schönere und anonyme Art der Meinungsumfrage“, sagt Dennis Fielitz.
Glasbläser: Ein gefährdetes Handwerk
Das Glasbläserhandwerk sei leider ein sterbendes Handwerk in Deutschland. „Nur noch fast 60 Glasbläser gibt es in Deutschland und der jüngste ist 56“, sagt Taleka Fielitz. Auch deshalb soll das Showglasblasen im Laden wieder mehr Leute für diesen Beruf begeistern und „auch zeigen, dass dieser durchaus modern sein kann“, fügt Dennis Fielitz hinzu. Daneben soll auch eine Künstlerin Platz finden, die Glaskugeln bemalt.
Die manuelle Glasfertigung ist immerhin laut UNESCO ein immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Dennoch komme die Wertschätzung für diesen Beruf abhanden und immer weniger wissen echte, mundgeblasene Weihnachtsdekoration noch zu schätzen. „Den Leuten zu zeigen, wie viel Arbeit und Liebe darin steckt, das ist unser Ziel“, sagt Taleka Fielitz.
Coburg sei dafür auch sehr geeignet, da es ebenfalls ein reiche Glashistorie hat. Nicht zuletzt die Kunstsammlung auf der Veste, das Museum in der Rosenau oder der Coburger Glasbläser – einst erst in der Ketschengasse und dann im Steinweg/Heiligkreuzgasse – zeugen davon. Ihre Glaskugeln beziehen Taleka und Dennis Fielitz zudem hier aus der Region – aus Lauscha und Umgebung. Auch die Verpackung und Kartonagen werden komplett in Deutschland gefertigt.
Glaswunder: Gegen die Wegwerfkultur
Ein Grund für die sinkende Wertschätzung und damit das Aussterben des Berufszweigs sei die Konkurrenz aus den (fern-)östlichen Ländern. Der Druck auf die lokalen Produzenten steige demnach, wenn 100 Kugeln bei Amazon nur 10 Euro kosten würden, meint Dennis Fielitz. „Ich habe keine Lust mehr auf den Preiskampf um den letzten Cent“, sagt er und fügt hinzu: „Der Trend geht auch endlich weg davon, sich Weihnachtsdekoration jedes Jahr neu und billig zu kaufen“.
Weihnachten ist für die beiden ein ganz besonderes Fest und so entstand 2022 auch Glaswunder. Das gemeinsame Schmücken und Feiern war nach Corona umso wichtiger und dazu gehören eben auch Glaskugeln, die von Generation an Generation weitergereicht werden. Genau das wollen sie erreichen.
Doch nicht nur Weihnachtsdekoration soll es geben, auch spezielle Glasfiguren zu den Coburger Festen seien denkbar. „Wir haben da schon Ideen für Samba“, sagt Taleka Fielitz. „Und für Ostern“, fügt Dennis Fielitz hinzu.
Coburg: Liebe auf den ersten Blick
Verliebt in Coburg hat sich Taleka Fielitz im Januar 2023. „Wir waren für einen Termin in Lauscha und haben danach in Coburg gegessen“, sagt sie, „dann stand ich auf dem Marktplatz und habe mich gefragt: Wieso nicht hierherziehen?“ Der Umzug folgte dann sehr schnell: Im Mai 2023 ging es nach Coburg. „Mit dem Zug sind wir bei Bedarf in zweieinhalb Stunden in Berlin. Also alles kein Problem“, sagt Dennis Fielitz.
Anlass, dass die einst stolzen Ur-Berliner zu Wunsch-Coburgern geworden sind, war ihre Tochter. Berlin sei leider nicht das richtige Pflaster, um ein Kind großzuziehen. Statt in die Vororte oder nach Brandenburg zu ziehen, zog es sie dann nach Coburg. „Coburg ist perfekt. Nicht zu groß, nicht zu klein und man hat alles, was man braucht“, sagt Taleka Fielitz. Coburg habe eine funktionierende Innenstadt und eine gute Mischung aus allen Generationen – nicht zuletzt durch die Hochschule. Und das Wichtigste: „Selbst im Winter ist es dank der bunten Hausfassaden nicht so trist“, sagt Taleka Fielitz. Daher fiel die Wahl für Coburg wohl auch in einem Wintermonat.
Früher diente der Glasbläser in Coburg als Ort zum Verweilen, Zuschauen oder Treffpunkt. Je nachdem, wie gut das Geschäft dann ankommt, werden sich auch vor den Schaufenstern des neuen Coburger Glasbläsers die Leute scharen. Viel zu sehen gibt es auf den Fenstern schon jetzt, hinter den Fenstern dann im September.























