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Die Stadt ist der Konkurrent
Digitaler Pass: Weniger Kunden in Coburgs Fotoläden
Foto Wiesner 2025
Eva und Heinz-Peter Wiesner stehen in ihrem Fotofachladen im Coburger Steinweg. Das Ehepaar sagt, seit der Umstellung auf digitale Passbilder hätten sie weniger Kundschaft. // Foto: Jonas Christmann
Coburg – Seit Mai haben deutsche Behörden auf digitale Passbilder umgestellt. Der Fotograf Lothar Mitschke hat deshalb sein Geschäft geschlossen. Auch andere sehen ihre Existenz bedroht.

Wer einen Personalausweis oder Reisepass braucht, geht ins Fotogeschäft des Vertrauens. So war es bis zum 1. Mai. Seit dem hat man sich von den Passbildern aus Papier verabschiedet. Hinzu kommt: Bürger können ihre Passbilder nicht nur von Fotografen erstellen lassen, sondern auch direkt im Amt, bei den Behörden. Für sechs Euro die Aufnahme, wie das Personausweisportal des Bundesinnenministeriums auf seiner Webseite schreibt. Damit ist nicht nur das Zeitalter der klassischen, kleinen Passfotos aus Papier pas­sé – die Coburger Fotoläden haben auch unfreiwillig einen neuen Wettbewerber im Passgeschäft bekommen: die Stadt. 

Coburger Fotoläden fürchten um ihr Überleben

„Es bedroht unsere Existenz“, sagte Uwe Greiner, der Inhaber vom Fotohaus Willemer und Prause, vor der Umstellung im Gespräch mit dem Tageblatt. Er rechnete damals mit Umsatzeinbußen von 30 bis 40 Prozent. Ganz so schlimm – wie befürchtet – sei es nicht gekommen. „Aber die Lage ist auch nicht gut. Es kommen deutlich weniger Passkunden zu uns ins Geschäft.“ 

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Es bedroht unsere Existenz.

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Uwe Greiner Fotograf

Dass es für Greiner bisher noch nicht schlimmer gekommen ist, als er vermutet hatte, hat mehrere Gründe: Zum einen sah sich ein ehemaliger Konkurrent im Frühjahr zu einem drastischen Schritt gezwungen. Im April hat das Fotogeschäft Mitschke seine Türen geschlossen. Durch die neuen Passbild-Regeln breche nicht nur ein wichtiges Standbein weg, sondern „es bedeutet für uns, den Laden nach 50 Jahren im April zu schließen“, sagte Inhaber Lothar Mitschke unserer Redaktion im März. Viele Kunden, die bei ihm Passfotos machen lassen, waren früher Kunden von Mitschke, erklärt Greiner. „Die kommen jetzt zu uns.“

Personalausweis Bundesrepublik Deutschland
Ein Personalausweis der Bundesrepublik Deutschland liegt auf einem Führerschein (Symbolfoto). // Foto: Marijan Murat/dpa

Zum anderen, sagt er, kämen relativ häufigen Kunden zu Willemer und Prause, weil sie gerne mehrere Exemplare der Aufnahme hätten. Vor allem Eltern mit ihren Kindern. „Die haben gerne noch ein Bildchen ihres Kindes im Portemonnaie oder für Oma und Opa.“ Im Bürgerbüro der Stadt Coburg, wo digitale Passbilder angefertigt werden, gibt es das nicht. Wenn das Passbild im Bürgerbüro erstellt werde, diene es ausschließlich dem konkreten Antrag und werde datenschutzkonform direkt an die Bundesdruckerei übermittelt. „Ein Ausdruck vor Ort ist nicht vorgesehen“, erklärt Katja Diedler, Pressesprecherin der Stadt Coburg. 

Willemer und Prause: Fotografieren habe nichts mit deren eigentlichen Berufsbild zu tun

Gerade kleine Kinder, erklärt Greiner, seien nicht so leicht, zu fotografieren, „wenn sie nicht still halten wollen“. Manchmal habe er das Gefühl, dass das Passamt die eher komplizierteren Kunden in die Fotogeschäfte schickt. Er sagt das, ohne die zuständigen Beamten kritisieren zu wollen. Die Passämter hätten zum Teil ja nicht die technischen Möglichkeiten wie Fotogeschäfte. Und: „Fotografieren hat nichts mit ihrem eigentlichen Berufsbild zu tun – die haben es nicht gelernt.“ 

Foto Wiesner: Die Sache mit der Technik

Nachfrage in einem weiteren Geschäft in der Innenstadt, bei Foto Wiesner. Wer den Laden im Steinweg betritt und gebeten wird, sich erstmal umzuschauen, dem fällt postwendend das antike Eck auf. Richtig, das Ehepaar Eva und Heinz-Peter Wiesner verkauft auch Antiquitäten, wie Geschirr, Glas oder Porzellan. „Was umgeben uns gerne mit dem, was wir privat mögen“, sagt Eva Wiesner. „Wir wohnen praktisch in einem Museum“, ergänzt Ehemann Heinz-Peter Wiesner, der das Geschäft in dritter Generation führt. 

Die Wiesners haben kein Fotogeschäft, das Kunden aufsuchen, wenn sie Hochzeitfotos brauchen. In ihren Regalen stehen Kameras, Stative, Objektive, Beamer zum Ausleihen: „Wir sind kein Fotostudio – wir sind ein Fotofachladen“, betont Eva Wiesner. Freilich bieten sie auch Passbilder an. Wie beim Kollegen Greiner – das Geschäft mit diesen lief schon besser. Es kämen deutlich weniger Kunden und vor allem Familien mit Kindern, berichtet das Ehepaar. Und Brillenträger, die darauf pochen, mit Brille auf dem Ausweisfoto zu sein. Im Amt müssten sie bisher die Brille für das Foto abnehmen, wenn sie spiegelt, wie Uwe Greiner von Willemer und Prause erklärt. 

Geschichte Foto Wiesner auf einem Foto im Laden
Drei Bilder in einem: Heinz-Peter und Eva Wiesner stehen mit ihren Mitarbeiterinnen vor dem Geschäft im Steinweg 34. Das Ehepaar hält im Bild eine Bildcollage hoch. Darauf sind die zwei Vorgänger-Läden zu sehen. Den ersten Laden führte Wiesners Opa in der Heiligkreuzstraße. Der zweite Laden war im Steinweg 35, gegenüber dem jetzigem. // Foto: Jonas Christmann

Brillenträger zu fotografieren, sagt Eva Wiesner, sei nicht leicht – wegen der Spiegelung. Es geht um den Winkel und die Positionierung der zu fotografierenden Person. Sie fasst sich jetzt an den Rahmen ihrer eigenen Brille und schiebt sie bis vor auf die Nasenspitze. „Wir haben da unsere Kniffe und Tricks drauf.“ Da wird eben auch mal die Brille nach vorne gerutscht.

Foto Wiesner: Früher konnte man die Bilder einfach ausdrucken

Ebenfalls nicht einfach sei die Technik, mit der Eva und Heinz-Peter Wiesner die digitalen Passbilder in eine Speichercloud laden müssen. „Die Technik hat ihre Tücken.“ Bevor die Bilder hochgeladen werden, muss sich der Fotograf mit seinem Ausweis verifizieren, erklärt Eva Wiesner. Dann müsse sie mehrere Passwörter und einen Code eingeben. Das Foto liegt nach dem Hochladen in der Speichercloud der Behörden. Der Kunde bekommt im Laden einen QR-Code, mit dem er im Amt seine Fotoidentität bestätigt. Früher, sagt sie, „habe ich die Bilder ausgedruckt und den Kunden mitgegeben, aber wir können uns vor der neuen Zeit nicht verschließen.“

Ob das Passgeschäft künftig weiter zurückgehe – darauf antwortet Heinz-Peter Wiesner: „Ich habe meine Kristallkugel nicht da.“ Kollege Uwe Greine will auch keine Prognose wagen. „Noch zu früh.“

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