Franz Hochreiner, heute Lehrer am Gymnasium Alexandrinum in Coburg, denkt gerne an seine Studentenzeit zurück. Es war eine unbeschwerte Zeit, damals, in den 1980er Jahren in Würzburg. Weil er der Akademischen Turnverbindung Alsatia beigetreten war, hatte er ab 1982 auch eine richtig schöne Studentenbude: Er durfte in eines der rund 30 Studentenzimmer im Haus der Verbindung ziehen. Adresse: Steinbachtal 3 in Würzburg.
Es lief Dallas, Denver-Clan und Kojak
Die Ausstattung des Zimmers war einfach, aber gemütlich. Zum Beispiel hatte Franz Hochreiner keinen eigenen Fernseher. „Wenn ich abends etwas schauen wollte, bin ich in den Gemeinschaftsraum“, erinnert sich der heute 65-Jährige. Dort liefen dann Serien wie „Dallas“ und „Denver-Clan“ oder auch die Krimi-Serie „Kojak“ mit dem unvergessenen Telly Savalas in der Hauptrolle.
Ein Brief flatterte ins Haus
1988 war Franz Hochreiner mit seinem Studium fertig. Sechs Jahre später starb Telly Savalas. Weitere 31 Jahre später flatterte Franz Hochreiner jetzt ein Brief ins Haus: Es war Post vom gemeinsamen Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio, früher besser bekannt als Gebühreneinzugszentrale (GEZ). Der auf den 4. März 2025 datierte Brief enthielt eine Zahlungsaufforderung für „fällige Rundfunkbeiträge“ in Höhe von 1.211,39 Euro.
Wie bitte? Franz Hochreiner konnte das nicht verstehen. „Ich habe doch immer brav meinen Rundfunkbeitrag bezahlt!“ Auf Nachfrage wurde ihm vom besagten Beitragsservice am 28. März 2025 mitgeteilt, dass es auch gar nicht um die Beiträge an seinem jetzigen Hauptwohnsitz in Coburg gehe. Stattdessen wäre sein Name im Zusammenhang mit der Adresse Steinbachtal 3 in Würzburg aufgetaucht. Und: Sein Beitragskonto würde noch einen „Rückstand“ in Höhe von 1.193,03 Euro aufweisen.
Stadt Würzburg um Hilfe gebeten
Warum der eingeforderte Betrag in einem zweiten Brief plötzlich etwas niedriger war als noch im ersten Brief, ist nur eine von vielen Fragen, die sich jetzt stellen. Auf der Suche nach Antworten ist Franz Hochreiner jetzt zumindest schon einmal so weit gekommen, dass er die Stadt Würzburg eingeschaltet hat. „Ich habe sie um eine Bestätigung gebeten, dass ich nicht mehr in Würzburg wohne und dort in den 1980er Jahren auch lediglich einen Nebenwohnsitz gemeldet hatte.“ Ohne Fernseher.
Abmeldung Ende März 2025
Im Schreiben vom 28. März 2025 weist der Beitragsservice darauf hin, dass die Abmeldung eines Beitragskontos immer „erst nach entsprechender Anzeige zum Folgemonat“ möglich sei. So wurde Franz Hochreiner darüber informiert, dass sein Beitragskonto mit Ablauf des Monats März 2025 tatsächlich abgemeldet werde.
Und was ist mit den 1.193,03 Euro, die – vermeintlich – noch offen sind?
Auch dazu hatte der Beitragsservice eine Information für Franz Hochreiner: „Gerne prüfen wir, ob in Ihrem Fall eine rückwirkende Abmeldung möglich ist.“ Voraussetzung dafür sei eine erweiterte Meldebescheinigung der Stadt Würzburg, aus der das Auszugsdatum aus der Wohnung im Steinbachtal 3 hervorgeht.
Genau eine solche Meldebescheinigung hat Franz Hochreiner jetzt angefordert. Während er davon erzählt, muss er – bei allem Ärger – auch kurz lachen: „Beim Einwohnermeldeamt haben sie sich gewundert, warum ich eine Bestätigung benötige, die so weit in der Vergangenheit liegt!“
Beitragsservice erklärt den Sachverhalt
Auf Anfrage des Coburger Tageblatts hat sich der Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio jetzt zu dem so kurios anmutenden Fall des Franz Hochreiner geäußert.
Plötzlich kommt auch noch Marktbergel ins Spiel
Im Kern gehe es, wie von der Kommunikationsabteilung mitgeteilt wurde, um einen nicht mehr aktuellen Datensatz beim Einwohnermeldeamt von Marktbergel. Das ist der mittelfränkische Heimatort von Franz Hochreiner.
Bundesweiter Abgleich von Meldedaten
Im Rahmen eines bundesweiten Meldedatenabgleichs habe der Beitragsservice im Januar 2023 eine Information vom Einwohnermeldeamt Marktbergel erhalten: Demnach hätte Franz Hochreiner seinen Hauptwohnsitz seit Ende 1991(!) nicht mehr in Marktbergel gehabt, sondern in Würzburg, genauer gesagt im Steinbachtal 3. Der Beitragsservice glich dies mit seinen Daten ab und stellte fest, dass bislang gar kein Beitragskonto auf Franz Hochreiner hinterlegt sei. - Erklären lässt sich dies wohl dadurch, dass die fälligen Gebühren am aktuellen Wohnsitz in Coburg über ein Beitragskonto laufen, das auf die Ehefrau von Franz Hochreiner gemeldet ist. Abgebucht wird das Geld aber von einem Konto, das auf Franz Hochreiner läuft.
Neues Konto für ehemalige Wohnung in Würzburg
Der Beitragsservice sagt, dass man mehrmals versucht habe, mit Franz Hochreiner in Kontakt zu kommen. Als dies wiederholt misslang, sei die Wohnung im Steinbachtal 3 in Würzburg zum 1. Januar 2020 angemeldet worden. Seit dieser Zeit seien dann Gebühren fällig geworden – so entstand der Betrag von mittlerweile rund 1.200 Euro.
Briefe konnten nicht zugestellt werden
Zwischen 2023 und 2025 will der Beitragsservice viele weitere Briefe an Franz Hochreiner geschickt haben. Doch egal, ob Anmeldebestätigung, Zahlungserinnerung oder Klärungsschreiben: Nichts konnte ordnungsgemäß zugestellt werden, weil sie jeweils ans Steinbachtal 3 in Würzburg adressiert waren. Die Kommunikationsabteilung erklärt weiter: „Die hierauf folgenden Festsetzungsbescheide wurden schließlich jedoch über die Deutsche Post zurückgegeben, woraufhin der Beitragsservice ein Adressklärungsverfahren veranlasst hat.“ Dieses Adressklärungsverfahren führte schließlich – nach ein paar Umwegen – zur heutigen Wohnadresse von Franz Hochreiner in Coburg. An genau diese Adresse sei am 4. März 2025 eine Zahlungsaufforderung geschickt geworden: Franz Hochreiner möge die Gebühren bezahlen, die seit 2020 für die Wohnung in Würzburg aufgelaufen seien...
Im System des Beitragsservice ist vermerkt, dass sich Franz Hochreiner am 12. März 2025 gemeldet hat, um die Sache aufzuklären.
Doch selbst, wenn das Schreiben vom 28. März 2025 noch einmal für Verwirrung gesorgt hat: Die Chancen stehen gut, dass diese kuriose Geschichte bald ein Ende findet.
Prüfung angekündigt
So hat der Beitragsservice auch dem Coburger Tageblatt mitgeteilt, dass eine rückwirkende Abmeldung des Beitragskontos für das Steinbachtal 3 in Würzburg „gerne geprüft“ werde. Voraussetzung wäre die besagte erweiterte Meldebescheinigung der Stadt Würzburg. „Sobald uns diese vorliegt, werden wir uns den Sachverhalt erneut ansehen.“
Klingt so, als ob sich Franz Hochreiner bald zur Belohnung (und vor allem zur Beruhigung!) einen Lolli in den Mund stecken darf – so, wie es früher auch immer Kojak getan hat.













