Erst Corona, dann der Ukraine-Krieg – eine Gesellschaft im Krisen-Modus. Und das hat zahlreiche Auswirkungen. Die Energiekrise lässt die Preise steigen, die Menschen müssen wieder mehr aufs Geld schauen. Aber woran genau sparen sie? Am Urlaub schon einmal nicht, wie eine Umfrage vom Coburger Tageblatt ergeben hat. Dann schon eher an den kleinen Luxus-Einheiten des Alltags. Was das im Einzelfall bedeutet, erzählen vier Frauen aus der Coburger Geschäftswelt.
Der Nagellack gibt Rätsel auf
Im Januar 2020 wurde Antje König zur Coburger Faschingsprinzessin gekürt. Doch vieles, was danach geschah, war alles andere als lustig. Die Corona-Pandemie machte den Betrieb ihres damaligen Kosmetikstudios praktisch unmöglich. Noch bevor diese Branche in den Lockdown geschickt wurde, durfte Antje König schon nicht mehr ihre Termine in Seniorenheimen wahrnehmen. Als dann auch noch die staatliche Hilfen nicht rechtzeitig kamen, gab sie auf.
Medizinische Fußpflege als Rettung
Doch Antje König liebt ihren Beruf so sehr, dass sie im Juni 2022 einen Neuanfang wagte. Als staatlich geprüfte Fachkosmetikerin kann sie in ihrem Studio in der Badergasse aber nicht nur reine Wellness-Behandlungen anbieten. Denn sie hat auch eine Ausbildung zur medizinischen Fußpflegerin – und genau das ist jetzt ihre Rettung. Denn Menschen, die auf eine medizinische Fußpflege angewiesen sind, nehmen diese auch in Krisenzeiten in Anspruch. Bei Behandlungen fürs Wohlbefinden sieht es schon anders aus. „Da gab es zuletzt einen deutlichen Rückgang“, erzählt Antje König. Doch nicht nur der Umsatz ist weniger geworden. Gleichzeitig sind die Materialkosten gestiegen. Zum Teil ist das nachvollziehbar: „Ich benötige viele Sachen, die auch während Corona dringend gebraucht wurden: Handschuhe, Mundschutzmasken, Desinfektionsmittel.“ Aber warum auch Fußcremes und Nagellacke teurer geworden sind, kann sich Antje König nicht erklären. Hinzu kommen sehr lange Lieferzeiten.
Doch so nervig das alles auch sein mag: Antje König lässt sich nicht unterkriegen. So wird sie auch nicht müde, für kleine Wellness-Auszeiten zu werben: „Es gibt zurzeit so viel Schlechtes in der Welt – da sollte man sich auch mal etwas Schönes gönnen.“ Ohnehin sei ihre Devise: „Zu einer Kosmetikbehandlung geht man nicht, weil man es nötig hat, sondern weil man es sich wert ist.“
Ihren eigenen Wert will Antje König bald noch steigern: Sie plant eine Weiterbildung, um künftig den Kosmetiker-Nachwuchs ausbilden zu können. Etwas anderes wird sie hingegen verlieren: Wenn am 21. Januar ein neues Coburger Prinzenpaar inthronisiert wird, endet die Amtszeit von Antje I.
Teure Diamanten und echte Werte
Nicole Sippel ist mit Leib und Seele Goldschmiedin. Vor 19 Jahren hat sie sich selbstständig gemacht. Doch wie lange sie ihren kleinen Laden mit Werkstatt im Unteren Bürglaß in Coburg noch halten kann, ist ungewiss. „In den vergangenen zwei Jahren ist alles zusammengekommen“, sagt sie. Zum einen sind ihre Kosten massiv gestiegen. Die Heizkosten sowie das Gas, das sie fürs Löten und Schweißen benötigt, sind da noch das geringste Problem.
Viel schwerer wiegen die Materialpreise, die geradezu explodiert sind. Zum Beispiel Diamanten, Gold und Silber. Die Preise sind vor allem deshalb so durch die Decke gegangen, weil der komplette russische Diamantenmarkt weggebrochen ist. Das alles hat zur Folge, dass potenzielle Kunden über einen Kostenvoranschlag von Nicole Sippel für ein Schmuck-Unikat dann doch oft erschrecken. In Zeiten knapper Kassen greifen viele daraufhin lieber zu einem billigen Massenprodukt.
Die Sache mit dem Stein aus Schottland
Nicole Sippel lässt allerdings nichts unversucht. Sie bietet zum Beispiel die Verwendung von Altmaterial an: „Wenn jemand zuhause noch drei Ringe von der Oma in der Schatulle hat, kann ich das Material dieser Ringe verwenden und dadurch die Kosten senken.“ Ohnehin setzt Nicole Sippel auf die Besonderheit von Schmuckstücken, und glaubt fest daran, dass genau darin die Zukunft ihres Handwerks liegen wird. „Ich bin mir sicher, dass ein großes Umdenken stattfindet wird. Fragen rund um den Konsum werden immer wichtiger. Zum Beispiel: Brauche ich wirklich zu jedem Kleidungsstück das passende Schmuckstück? Oder reicht ein einziges, das aber besonders und individuell ist?“
Nicole Sippel nennt ein Beispiel: „Ein Kunde hat mir mal einen Stein gebracht, den er auf einer Reise mit seiner Freundin in Schottland gefunden hat. Aus diesem Stein habe ich einen Verlobungsring angefertigt.“ Nicole Sippel ist sich sicher: „Diese Ringe werden bis ans Lebensende einen Wert besitzen!“ Billigware, die aus Fernost importiert werde, könne das doch gar nicht schaffen.
Ja, Nicole Sippel setzt darauf, dass bestimmte Werte wieder an Bedeutung gewinnen. „Für mich und meinen Laden könnte das allerdings zu spät kommen.“
Schokolade als Balsam
Eine Packung italienische Cantuccini für knapp zehn Euro? Birgit Weber vom Geschäft „Liaison au Chocolat“ in der Coburger Markthalle kann verstehen, dass da manch einer zusammenzuckt und dann doch lieber zur 2,99-Euro-Variante aus dem Supermarkt greift. Obwohl: „Den Unterschied schmeckt man sehr wohl!“ Das gilt vor allem auch für die Pralinen von Storath (Werbeslogan: „Der kleine Luxus“), für die ausschließlich Kakaobohnen aus Ecuador sowie reine Kakaobutter verwendet werden.
Flaute nach Weihnachten
Doch wenn jemand sparen will oder muss, dann eben vielleicht bei solchen Produkten, wie Birgit Ebert sie anbietet? „Ganz ehrlich: Wir können es noch nicht abschätzen“, sagt die Geschäftsfrau. Das Weihnachtsgeschäft sei noch gut gelaufen. „Und der Januar ist traditionell zusammen mit dem Juni sowieso immer der umsatzschwächste Monat.“ Okay, im Januar sind viele vielleicht noch der Süßigkeiten von Weihnachten überdrüssig – aber warum auch im Juni? „Wir wissen es nicht“, sagt Birgit Ebert, obwohl sie in dieser Branche bereits seit über 30 Jahren tätig ist. Ihr Geschäft befand sich zunächst in der Badergasse, es folgten Umzüge in die Ketschengasse und in den Steinweg, und seit März 2018 ist „Liaison au Chocolat“ nun in der Markthalle am Albertsplatz zuhause. Dort hat Birgit Ebert mit einem kleinen Café-Bereich zumindest noch ein weiteres Standbein zum reinen Verkauf der diversen Leckereien.
Wer überlegt, ob er sich in den aktuell schwierigen Zeiten wirklich noch ein paar hochwertige Pralinen oder eine besondere Tafel Schokolade leisten soll, dem gibt Birgit Ebert einen Rat mit auf den Weg: „Besondere Schokolade ist wichtig – das ist Balsam für die Seele!“
Männer, wo seid ihr?
Seit über 30 Jahren hat Marlene Wolf ihr Geschäft für schöne Wäsche an der Ecke Steinweg/Georgengasse in Coburg. Doch an ein so schlechtes Weihnachtsgeschäft wie im vergangenen Dezember kann sie sich nicht erinnern. Sie hat auch eine Erklärung dafür: „Die Männer haben gefehlt!“ Dazu muss man wissen: Während im Laufe eines Jahres vor allem Frauen bei Marlene Wolf einkaufen, sind es im Dezember erfahrungsgemäß hauptsächlich Männer. Männer, die ihren Frauen „etwas Schönes“ schenken wollen. Aber vielleicht waren ja Ende 2022 die Spritpreise zu hoch, wie Marlene Wolf mit einem Seufzer mutmaßt. Auf jeden Fall sei die Nachfrage nach Dessous zuletzt stark gesunken. Marlene Wolf findet das schade: „Schöne Wäsche ist doch gut für die Seele!“ Und damit meint sie jetzt nicht nur die klassischen Dessous, die überwiegend im Bett getragen werden. Wer auch im Alltag etwas Schönes „untendrunter“ trage, fühle sich doch gleich viel wohler, sagt Marlene Wolf. „Und das gibt Auftrieb!“
Wird mit dem Wetter alles besser?
Kleiner Trost für die Geschäftsfrau: Jetzt beginnt wieder die Zeit, in denen vor allem Frauen bei ihr einkaufen. „Ja“, sagt Marlene Wolf, „Frauen kaufen vor allem deshalb bei mir ein, weil sie etwas Bestimmtes brauchen.“ Einen Bademantel oder einen Schlafanzug zum Beispiel. Männer hingegen würden bei ihr eher Sachen kaufen, von denen sie zumindest glauben, dass sie nicht unbedingt benötigt würden.
Aber Marlene Wolf ist Optimistin. „Vielleicht läuft das Geschäft ja besser, wenn auch das Wetter wieder besser wird.“ Zumindest verspüre sie bereits seit einigen Monaten, dass die Energiekrise den Menschen sehr aufs Gemüt schlage und in Folge dessen leider auch die Lust auf schöne Wäsche sinke.
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