Kurz nach 14 Uhr laufen am Montag die ersten Eilmeldungen über den Ticker: „Galeria schließt 52 seiner zuletzt noch 129 Warenhäuser!“ Ob der Coburger Kaufhof dazu zählt, ist zu diesem Zeitpunkt zumindest offiziell noch immer nicht bekannt. Doch gegen 14.15 Uhr werden alle Türen zugemacht. Auf Zetteln ist die Information zu lesen, dass das Haus jetzt wegen einer Betriebsversammlung geschlossen bleibt.
Während drinnen also den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesagt wird, dass in Coburg eine fast 50-jährige Ära zu Ende gehen wird, herrscht draußen zunächst Ratlosigkeit. Doch nach und nach verbreitet sich die schlechte Nachricht. „Das ist sehr schade“, sagt Rosemarie Streng, die sich am Montag eigentlich eine neue elektrische Zahnbürste kaufen wollte. „Jetzt muss ich ersteinmal überlegen, wo es so etwas sonst noch in Coburg gibt. “ Ja, sagt Rosemarie Streng, sie sei immer gerne in den Kaufhof gegangen. „Ich kannte ihn ja auch von Anfang an!“
Was bei Rosemarie Streng eine Mischung aus Wehmut und Enttäuschung ist, schlägt bei manch anderen in Wut und Häme um: „Totaler Mist“ sei es, dass der Kaufhof schließt, schimpft ein Mann; seine Begleiterin gibt ihm Recht: „Coburg kannste echt vergessen.“
Die Hände zittern
Nur wenige Meter entfernt vom Haupteingang geht es deutlich leiser zu. Dort, am Kaufhof-Personaleingang, öffnet sich ab 15 Uhr immer mal wieder die Tür. Doch wer da rauskommt, braucht jetzt erst einmal frische Luft. „Nein, bitte nichts fragen – ich sage eh nichts.“ Eine junge Frau tippt etwas in ihr Handy, läuft langsam Richtung Innenstadt und zündet sich eine Zigarette an. Ihre Hände zittern dabei.
Sehr nachdenklich verfolgt Kurt Sitte das traurige Treiben in der Mohrenstraße. Dazu muss man wissen: Der bald 80-jährige Kurt Sitte ist in der Mohrenstraße quasi aufgewachsen und hatte jahrzehntelang ein Schuhgeschäft. Er sagt: „Ich weiß noch, wie sie den Kaufhof gebaut haben!“ Ob er es schade findet, dass der Kaufhof nun bald Geschichte ist? Kurt Sitte ringt nach Worten. Man hat das Gefühl: Er findet nicht die passenden, will jetzt aber auch nichts Falsches sagen. Deshalb macht er lieber ein nettes Angebot: „Soll ich Ihnen mal zeigen, wo früher der Hahnfluss verlaufen ist?“
Wie geht’s jetzt weiter?
Ja, das wissen wirklich nur noch die älteren Coburgerinnen und Coburger. Eben jener Hahnfluss war auch einst der Grund, warum der Kaufhof nicht unterkellert werden konnte. Auch deshalb zählte er bis zuletzt zu den kleinsten seiner Art in ganz Deutschland. Egal. Für viele war er trotzdem das Größte – und für rund 60 Frauen und Männer war er der Arbeitgeber. Wie es jetzt weitergeht? Die Stimmung am Personaleingang bleibt bis in den Abend gedrückt. Geöffnet wird der Kaufhof am Montag nicht mehr.
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