Die Niedrigzinsphase ist vorbei. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins kontinuierlich auf zuletzt 4,5 Prozent erhöht. Was sich nach einem Segen für Sparer anhört, hat aber auch einen Haken: Die steigenden Zinsen sind kein Geschenk für Anleger, sondern ein Instrument im Kampf gegen die hohe Inflation. Die allgemeine Preissteigerung lag zuletzt laut Statistischem Bundesamt bei 6,1 Prozent – in den wichtigen Segmenten Energie (8,3 Prozent) und Nahrungsmittel (9,1 Prozent) sogar noch höher.
Dieser Kaufkraftverlust will mit einer Geldanlage erst einmal erwirtschaftet werden. In der Finanzwelt hat sich eine Faustregel etabliert, heißt es auf dem Portal Finanztrends.de: „Je höher die angestrebte Rendite, desto höher das Risiko.“ Wie viel Risikobereitschaft brauchen Sparer, um eine Chance im Wettlauf mit der Inflation zu haben?
Tagesgeld und Festgeld: Schlechte Chancen bei hoher Inflation
Eine beliebte und einfache Sparform ist das Tagesgeld – eine Art einfach verfügbares Sparbuch. Das Risiko? Minimal. Und damit ist Tagesgeld attraktiv für einen breiten Markt. Das wissen auch die Banken. Ganz nach dem Motto „Mit Speck fängt man Mäuse“ bieten sie Konditionen, die vor allem für Neukunden attraktiv sind.
Tagesgeld eignet sich besonders für Anleger, die Wert auf Sicherheit und Flexibilität legen und die Möglichkeit haben wollen, auch kurzfristig und spontan Geld von ihrem Konto abheben zu können. Tagesgeldkonten werden verzinst. Die Zinssätze sind nach einer anfänglichen Garantiephase von einigen Monaten variabel und können sich je nach Marktlage ändern. Sie sind aber in der Regel höher als die von Girokonten.
Die besten Konditionen fürs Tagesgeld gibt es oft bei kleineren, unbekannten Banken. Das Onlineportal Chip.de listet einige mit 3,7 bis 4,0 Prozent Zinsen auf.
Fazit Tagesgeld vs. Inflation: Aktuell bleibt im Wettlauf mit der Inflation nur der zweite Platz. Sprich: Die Kaufkraft der Ersparnisse auf dem Tagesgeldkonto sinkt also bei anhaltend hoher Inflation mit der Zeit.
Im Gegensatz zum Tagesgeld können Sparer beim Festgeld nicht täglich über ihr Konto verfügen. Sie verpflichten sich, ihr Geld über eine vereinbarte Zeit fest bei einer Bank zu parken - eine Art Sparbuch, das für eine vereinbarte Dauer gesperrt ist. Dafür gibt es einen garantierten Zins, meist über dem des Tagesgelds. So heißt es auf dem Portal Finanztipp, dass der Zins fürs Festgeld aktuell etwas über vier Prozent liegt.
Auch hier sind es eher die weniger bekannten Anbieter, die die attraktivsten Konditionen im Angebot haben. Wer zum Beispiel beim schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna sein Geld für zwölf Monate auf einem Festgeldkonto anlegt, bekommt dafür aktuell 4,11 Prozent Zinsen. Bei der J&T-Direktbank gibt es für ein Festgeldkonto mit einer Zinsbindung für zwölf Monate und einer Mindestanlage von 5000 Euro 4,10 Prozent Zinsen. Ein paar Zehntelprozent mehr Zinsen erkaufen sich Sparer also mit deutlich weniger Flexibilität.
Fazit Festgeld vs. Inflation: Auch beim Festgeld haben Sparer im Rennen mit der Inflation in den letzten Monaten das Nachsehen. Die Kaufkraft der Ersparnisse auf dem Festgeldkonto sinkt.
Vom Sparer zum Anleger: in inflationsgeschützte Bundesanleihen investieren
Bei festverzinslichen Geldanlagen sollten Sparer immer die Inflation bedenken. Denn bei einer Inflationsrate von aktuell 6,10 Prozent bleibt von den Zinsen nichts übrig, solange sie niedriger liegen – ein realer Kaufkraftverlust. Inflationsindexierte Bundesanleihen versprechen einen Schutz dagegen. Bei diesen Wertpapieren werden sowohl der Rückzahlungsbetrag als auch der Zinssatz an die Inflation angepasst. Allerdings warnt der Münchner Vermögensverwalter Gerd Kommer in einem Blogbeitrag zu inflationsindexierten Anleihen: „Finanzinstrumente, die zuverlässigen kurzfristigen Inflationsschutz und attraktive Renditen bieten, existieren nicht.“ Inflationsgeschützte Anleihen sind also keine risikofreie Wunderwaffe.
Anleger zahlen mit niedrigerem Zinssatz für Inflationsschutz. Da stellt sich die Frage, ob und wann inflationsindexierte Anleihen für Anleger im Wettlauf mit der aktuell hohen Inflation sinnvoll sind. Claudia Behringer, Expertin für nachhaltige Finanzen aus Oberhaid (Kreis Bamberg) ist überzeugt, dass inflationsindexierte Anleihen bereits bei niedriger Inflation sinnvoll sein können, da sie einen gewissen Schutz vor einem Kaufkraftverlust bieten. „Wenn die erwartete Inflationsrate jedoch sehr niedrig ist, kann die Rendite dieser Anleihen ebenfalls sehr gering sein. In solchen Fällen könnten andere Anlageformen, wie Aktien oder traditionelle Anleihen, eine bessere Rendite bieten.“
Behringer ist überzeugt, dass sich inflationsindexierte Anleihen in erster Linie für Anleger eignen, die besonderen Wert auf den Schutz ihrer Kaufkraft legen und sich vor Inflation fürchten. „Dazu gehören oft konservative Anleger, Rentner oder diejenigen, die ihre Ersparnisse langfristig sichern möchten.“
“„Wenn die erwartete Inflationsrate sehr niedrig ist, kann die Rendite dieser Anleihen ebenfalls sehr gering sein.“
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Was den Beratungsaufwand angehe, so unterstreicht sie, können inflationsindexierte Anleihen aufgrund ihrer komplexen Natur und des Zusatzes von inflationsbezogenen Berechnungen für Anleger verwirrend sein. Sie rät vor dem Kauf zu einer professionellen Beratung, „um sicherzustellen, dass diese Anlageoption zu den individuellen finanziellen Zielen und der Risikotoleranz passt“. Der Kauf erfordert Verständnis der Finanzmärkte und der Inflation. „Ein erfahrener Finanzberater kann bei der Entscheidung und Umsetzung helfen“, so Behringer.
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Keine Anlage sei ohne Risiko, so Behringer. Die Auswahl von inflationsindexierten Anleihen sollte daher als Teil einer umfassenden Anlagestrategie erfolgen, die auch andere Vermögenswerte berücksichtigt, um Diversifikation und Schutz vor den Risiken verschiedener wirtschaftlicher Szenarien zu gewährleisten.
Gerd Kommer bilanziert in seinem Blogbeitrag: „Wer in einzelne inflationsindexierte Anleihen investieren möchte, sollte das nur dann tun, wenn er der festen Überzeugung ist, dass die eingepreiste Inflation für eine bestimmte Zeitperiode zu niedrig ist, die tatsächliche Inflation also substanziell höher sein wird.“ Somit ist der Kauf solcher Anleihen mit Blick auf die Renditechancen also immer eine Wette auf die Entwicklung der Inflation.
Um Überraschungen zu vermeiden, sollten Anleger, die inflationsindexierte Papiere kaufen möchten, vor einer Kaufentscheidung zumindest das Informationsangebot der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland (deutsche-finanzagentur.de) nutzen. Zusätzlich sollten sich Kaufinteressenten alle Details wie zum Beispiel den tatsächlichen Kaufkurs, Stückzinsen und Gebühren von einem Finanz- oder Bankberater erklären lassen.
Fazit Inflationsindexierte Bundesanleihe vs. Inflation: Wer die Anleihe bei Ausgabe von der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland kauft und über die volle Laufzeit hält, dem ist zumindest ein Unentschieden sicher. Alles andere hängt von der Kursentwicklung der Anleihe ab.
Klassische Bundesanleihe: Eine Wette auf die Kursentwicklung
Mit Bundesanleihen lassen sich Zinsen langfristig sichern. Wer eine Bundesanleihe kauft, leiht damit dem deutschen Staat Geld und bekommt dafür Zinsen. Sparer, die feste Zinsen präferieren, können dazu auf deutsche Bundesanleihen setzen. Die Zinsen auf Bundesanleihen steigen wieder. Und die Papiere gelten als sicher. Bundesanleihen gibt es mit unterschiedlichsten Laufzeiten von bis zu 30 Jahren.
Nach der Laufzeit bekommen Käufer ihr Geld vom Bund wieder zurück. In der Zwischenzeit zahlt die Bundesrepublik Zinsen. Es gibt auch die Möglichkeit, Bundesanleihen an der Börse zu handeln. Und hier gibt es gute Renditechancen – und Risiken eines Kursverlustes. Bundesanleihen sind einfach strukturierte Wertpapiere und eigenen sich oft für Anleger, die wenig Erfahrung haben. Trotzdem sollte jeder, der sich dafür interessiert, einige wichtige Details kennen, raten Experten. Vor allem beim Kauf von Bundesanleihen an der Börse sollte man sich dort auskennen.
“„Ob die Zinsanpassung der EZB abgeschlossen ist oder weitere Erhöhungen kommen, lässt sich aktuell schwer sagen. Fakt ist, dass künftige Erhöhungen negative Auswirkungen auf den Kurs von festverzinslichen Wertpapieren haben und somit auch auf Bundesanleihen."
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Der Börsenwert von Bundesanleihen schwankt – ähnlich wie bei Aktien. Steigt das Zinsniveau am Kapitalmarkt, fällt der Kurs älterer, schlechter verzinster Anleihen. Wer will schon eine Anleihe mit schlechteren Zinsen zum gleichen Preis kaufen wie ein besser verzinstes Papier? Mit den neuen, höher verzinsten Anleihen können Anleger mehr Geld verdienen. Umgekehrt steigt der Kurs einer Anleihe, wenn die Zinsen am Markt sinken. Die ältere, höher verzinste Anleihe wäre dann ein gutes Geschäft.
Der Kauf und Verkauf von Bundesanleihen an der Börse ist eine Wette auf Zinsänderungen. Experten sind sich aber einig: Ein Totalverlust ist bei Bundesanleihen so gut wie ausgeschlossen. Und am Ende der Laufzeit der Anleihe gibt es zumindest den ursprünglichen Ausgabepreis wieder zurück.
Anleger sollten bei börsennotierten Anleihen nicht nur auf die Zinsen, sondern vor allem auf die Rendite achten. Denn in diese Kennziffer fließe neben den Zinsen, die eine Anleihe abwirft, auch die Differenz zwischen dem Kurs, zu dem das Papier gekauft wird, und dem Kurs (in der Regel 100 Prozent), zu dem der Schuldner bei Fälligkeit seine Schulden zurückzahlt. Fallen beim Kauf zudem Stückzinsen an, mindern sie die Rendite.
Ein Beispiel: Der Kurs einer mit 6,5 Prozent verzinsten Bundesanleihe, die 1997 auf den Markt gebracht wurde und am 4. Juli 2027 zur Rückzahlung fällig wird, beträgt zu einem bestimmten Zeitpunkt an der Börse 114 Prozent ihres Ausgabewertes. Der 4. Juli ist auch der Termin, an dem die Zinsen für diese Anleihe jährlich gezahlt werden. Der Kurs von 114 Prozent bedeutet, dass ein Anleger für 1000 Euro, die er in knapp vier Jahren vom Schuldner (Bund) zurückerhält, wenn die Anleihe fällig wird, aktuell 1140,00 Euro zahlt, wenn er die Anleihe kauft. Unterm Strich kommt der Käufer trotz der Zinsen von 6,5 Prozent aufgrund des hohen Kurses, zu dem er die Anleihe kauft, rechnerisch auf eine jährliche Rendite von weniger als der Hälfte.
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Anleger, die sich für fest verzinste Wertpapiere interessieren, müssen vor dem Kauf das Zusammenspiel von Zinsniveau und Anleihekurs verstehen. Das gilt besonders angesichts der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die sich mit steigenden Zinsen gegen die anhaltende Inflation stemmt. Das hat Auswirkungen auf den Börsenkurs von Bundesanleihen.
Finanzexperte Bastian Hopf von Finanzkonzept Coburg rät zur Vorsicht. „Ob die Zinsanpassung der EZB abgeschlossen ist oder weitere Erhöhungen kommen, lässt sich aktuell schwer sagen. Fakt ist, dass künftige Erhöhungen negative Auswirkungen auf den Kurs von festverzinslichen Wertpapieren haben und somit auch auf Bundesanleihen. Welche Laufzeit hier zu empfehlen ist, hängt sehr von der individuellen Situation des Anlegers ab und lässt sich nicht pauschal beantworten.“ Wer erstmals in börsennotierte festverzinsliche Wertpapiere investieren möchte, solle daher vor einer Kaufentscheidung einen Finanz- oder Bankberater als Bodyguard in Sachen Geldanlage hinzuziehen.
Fazit Bundesanleihe vs. Inflation: Der Ausgang des Rennens hängt von der Kursentwicklung einer Anleihe ab. Die Zinsen der Anleihe bleiben meist hinter der Inflation zurück.
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