Fünf der sieben Standorte des Coburger Familienbetriebs Leise – Hersteller von Kfz- und Industrieteilen – schließen oder sind bereits geschlossen worden. Die Standorte in Nürnberg, Plauen, Wunsiedel und Kulmbach hatten am 30. September 2025 zuletzt geöffnet, der Standort in Saalfeld wird nun rückgebaut und in den Standort Suhl integriert. Bis Ende Dezember soll das abgeschlossen sein. Damit bleibt neben Coburg nur noch Suhl als weiterer Standort, das erklärt Geschäftsführer Andreas Engel auf Nachfrage.
Für Engel ist das jedoch kein Grund zur Sorge, sondern vielmehr eine logische Folge mehrerer Faktoren. Für ihn gilt daher: „Damit stärken wir den Coburger Wirtschaftsraum“.
Die Filialen als Erbe der Wiedervereinigung
Erst am vergangenen Wochenende feierte Deutschland 35 Jahre Wiedervereinigung. 1990 fiel die Grenze, die Region wuchs wirtschaftlich wieder mehr zusammen. Aber nicht in gleichem Maße die Infrastruktur.
Andreas Engel sagt dazu: „Direkt nach der Wende gab es nicht die Autobahnanbindung, die es heute gibt“. Gemeint ist die direkte Verbindung von Coburg und Suhl. Da diese beiden Städte heute besser verbunden sind, könne die Belieferung auch weiterhin im ganzen oberfränkischen und thüringischen Raum erfolgen. Und das ohne, dass es die anderen Filialen brauche.
Die Standorte Wunsiedel und Plauen wurden an die Firma Wütschner Fahrzeugteile verkauft – diese wiederum hat einen guten Anschluss an die Autobahntangente bei Regensburg. Die Mitarbeitenden, die dies gewollt haben, wurden dort auch zu gleichen Konditionen übernommen. Mitarbeitende aus den anderen Standorten hätten Angebote für Coburg erhalten.
Den Mitarbeitenden aus Saalfeld wurde laut Engel angeboten, nach der Schließung und Abwicklung in den Standort Suhl zu wechseln. Insgesamt betroffen sind an allen drei Standorten (Saalfeld, Nürnberg, Kulmbach) 13 Mitarbeitende, einige hätten die Angebote angenommen, andere hätten beschlossen, etwas anderes zu suchen, so Engel.
“Vor allem für die Kfz-Teile war es wichtig, regionale Filialen zu haben, denn wenn das Auto kaputt ist, braucht man die Teile zur Reparatur schnell.
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Mehr Angebot durch weniger Standorte
In den Außenstandorten wurden bisher vor allem Kfz-Teile verkauft. Dabei handelt es sich um eine der drei Abteilungen von Leise. Hinzu kommen Industrieteilfertigung und Arbeitsbekleidung.
„Vor allem für die Kfz-Teile war es wichtig, regionale Filialen zu haben, denn wenn das Auto kaputt ist, braucht man die Teile zur Reparatur schnell“, sagt Andreas Engel. Bei Industrieteilen hingegen sei die Vorausplanung und Bestellung längerfristiger – die Maschinen würden immerhin nicht an einem Tag gebaut.
Es wurde jedoch immer deutlicher, dass die Filialen reine Kostenfresser waren, so Engel. Die Nachfrage und der Bedarf sei nicht mehr gegeben gewesen.
Durch die Schließung der Filialen und die Zentrierung in Coburg könne nun dem Bedarf viel besser nachgekommen werden: „Wir können damit unser Sortiment an Kfz-Teilen verdoppeln“, sagt Engel. Der Grund: Mehr Lagerplatz und eine zentrierte Abwicklung, auch über modernere Online-Portale.
Coburg war und ist der wichtigste Standort
„80 Prozent des gesamten Umsatzes kam ohnehin durch unsere Standorte in Coburg und Suhl“, sagt Andreas Engel. Gut 60 Prozent davon aus Coburg. Durch die Zentralisierung werde Coburg jetzt noch wichtiger für den Gesamtumsatz und damit das Unternehmen.
Dass sich etwas ändern musste, war klar: „Wir sehen ja die Zahlen und vergangenes Jahr hatten wir deutliche Verluste. Man muss ganz klar sagen, wir waren in der Verlustzone“, sagt Engel und bekräftigt, dass dies nicht beschönigt werden kann. Die wirtschaftliche Situation sei dafür hauptsächlich verantwortlich. Als Zulieferer sei Leise stark von der Auftragslage von Auto- und Maschinenbauern abhängig und wenn diese ausblieben, dann „schlägt das auch eins zu eins bei uns durch“, so Engel.
Wenig betroffen von diesen Schwankungen ist hingegen die Sparte Arbeitsbekleidung. Hier ist die Nachfrage durch große Industriekunden und dem breiten Angebot durchgehend hoch geblieben – allen voran in Coburg. Aber auch hier wurde deutlich, wie wenig Bedarf es an externen Standorten gab: „Viele der Kleidungsstücke haben wir am Ende des Jahres wieder zurück in die Zentrale schicken müssen“, sagt Engel.
Stärken und neu aufstellen
Die Einnahmen aus dem Verkauf der Immobilien, die alle bis auf den Standort in Nürnberg der Firma Leise gehörten, der Erweiterung der Coburger Lagerfläche zugutekommen.
Durch das hohe Maß an Eigenkapital sei Leise zudem „frei von der Umklammerung der Banken“, sagt Engel. Zudem sorge es dafür, dass die Reißleine so früh gezogen wurde – bevor weiterhin sehenden Auges Geld verbrannt werde.
Die Hoffnung sei natürlich, dass sich die Wirtschaft wieder stabilisiert. Engel sagt: „Der Konsum geht zurück, die Leute reparieren ihre Autos, statt neue zu kaufen“. Was zunächst gut für einen Kfz-Teile-Lieferanten klingt, hat jedoch auch eine weitere Folge: „Doch sie fahren auch weniger, haben dadurch weniger Verschleiß und brauchen nicht so viele Ersatzteile“, erklärt Engel. Es ist nur ein Beispiel, wie abhängig die Firma sowohl von Aufträgen als auch der wirtschaftlichen Gesamtstimmung im Land sei.
Zum 1. Januar 2026 wolle sich die Firma daher mit den noch verbleibenden beiden Standorten Coburg und Suhl neu aufstellen und der moderneren Anbindung an die Autobahn sowie der zentralisierteren Nachfrage gerecht werden.
















